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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Isern Hinnerk warb um Spenden

21.07.2007

Der Oldenburger Isern Hinnerk

Bis 1937 stand der Isern Hinnerk vermutlich im 1924 eingerichteten Kriegserinnerungsmuseum an der Huntestr. 6, dann kam er ins Stadtmuseum.

Der Entwurf geht auf den Künstler und Ehrenbürger Prof. Winter zurück. Die Holzarbeit wurde vom Bildhauer Rudolf Michaelsen ausgeführt.

Das Rote Kreuz stellte die Figur im Kriegsjahr 1915 auf. Seit fünf Jahrzehnten lagert sie im Museumsdorf Cloppenburg.

von Maik Nolte

Oldenburg/Cloppenburg Um Spendengelder zu sammeln, ist Einfallsreichtum gefragt – heute wie damals. Im Ersten Weltkrieg entstand in Deutschland und Österreich eine besondere Form von Spendenaktion: so genannte Kriegswahrzeichen, auch als Nagelbilder bekannt.

Ein solches Nagelbild besteht aus einer hölzernen Grundform, einer Statue etwa oder einem Relief. „Das konnte ein Flugzeug sein, eine Blume oder ein Eisernes Kreuz“, so der Oldenburger Historiker Gerhard Wiechmann. Oder, wie in Oldenburg, die Figur eines geharnischten Ritters – des „Isern Hinnerk“, des Eisernen Heinrichs.

Gegen einen bestimmten Betrag konnte der Bürger einen farbigen Nagel erwerben und in die Figur schlagen. „Das ging bei 50 Pfennig los und reichte bis zu 20 Mark für goldene Nägel – für die damalige Zeit eine Riesensumme“, so Wiechmann. Auf diese Weise sollte das vom oldenburgischen Künstler Prof. Bernhard Winter entworfene Bildnis nach und nach beschlagen werden – nach Möglichkeit natürlich vollständig.

Bei der Durchsicht alter Zeitungen war Wiechmann auf Berichte über dieses Kriegswahrzeichen gestoßen, das bis in die 60er Jahre im Stadtmuseum lagerte. „Aus nahe liegenden Gründen ist der Isern Hinnerk nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr öffentlich präsentiert worden“, erklärt Udo Elerd vom Stadtmuseum. Zuletzt befand die Figur sich im Gartenhäuschen von Theodor Francksen. Als dieses in den 50-er Jahren dem Kaufhaus Hertie (heute CCO) weichen musste, stellte sich auch die Frage nach dem weiteren Verbleib des voluminösen Standbildes: „Der damalige Direktor des Cloppenburger Museumdorfes, Dr. Ottenjann, hat sich bereit erklärt, es als Leihgabe zu übernehmen“, so Elerd.

Dort blieb es in den nächsten vier Jahrzehnten im Verborgenen: auf dem Dachboden des Haakenhofs nämlich. Ein wenig rühmlicher Platz für das Kriegswahrzeichen, das bereits 1915 als eines der bemerkenswertesten und aufwändigsten seiner Art galt. Vielleicht ein wenig zu aufwändig für die Huntestadt, denn komplett mit Nägeln beschlagen wurde der Isern Hinnerk seinerzeit längst nicht.

Wiechmann hat dafür eine Erklärung: „Professor Winter hat bei der Farbgebung die Kaufkraft der Oldenburger Bevölkerung völlig überschätzt.“ Schließlich sei nur wenige Wochen zuvor ein ganzer Sanitäts-Eisenbahnzug mit Spendengeldern ausgerüstet worden: „Allein das hat 250 000 Reichsmark gekostet – damit war das Spendenvolumen vorerst ausgeschöpft.“ Besonders an dem Wappenschild tun sich große Lücken auf: Hier sollten die teuren Farbnägel ihren Platz finden. Nach nur fünf Wochen wurde der noch gar nicht so eiserne Heinrich abgebaut.

Nun haben Elerd und Wiechmann, gemeinsam mit Claus Ahrens (Stadtarchiv) und Hermann Kaiser (Museumsdorf), den Hinnerk nach seinem langen Schattendasein genauer unter die Lupe genommen. Und stellten zu ihrer „großen Freude fest, dass das Objekt völlig unbeschädigt ist“, so Elerd: „Die Patina kann aus fachrestauratorischer Sicht ohne Probleme beseitigt werden.“ Dafür sollen Sponsoren gewonnen werden. Ob der Isern Hinnerk, laut Elerd „ein aufhebenswertes und präsentables Stück“, allerdings nach Oldenburg zurückkehrt, bleibt abzuwarten. Denn trotz der martialischen Aufmachung: Der Isern Hinnerk ist kein Kriegsdenkmal, sondern Symbol für die gesellschaftliche Realität eines Krieges, dessen Ende sich 2008 zum 90. Mal jährt.

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