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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Mehr Vielfalt in Feld und Garten

28.06.2017

Haarentor Auf den ersten Blick sieht der kleine weiße Holzschrank am Vereinsheim des KGV Haarentor wie ein Medizinschränkchen aus. Ein zweiter Blick durch das kleine, mit zwei verschlungenen Händen umrahmte Sichtfenster zeigt kleine Papiertütchen und eine Art Karteikasten. In ihm soll künftig Saatgut zu finden sein, das jeder nutzen und auch selbst beisteuern kann. Aufgestellt wurde er im Rahmen eines Praxisprojekts des Studiengangs Nachhaltige Wirtschaft an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Zusammenarbeit mit dem offenen Gemeinschaftsgarten „Wurzelwerk“. Und genutzt wurde er offenbar auch schon fleißig. „Wir hatten den Kasten offiziell zum Sommerfest des Kleingartenvereins aufgestellt und auch ein kleines Grundsortiment an Samen hineingelegt“, erklärt Cordelia Pätz, die zusammen mit Judith Bausch, Elisabeth Wagener und Inken Oldsen-thor-Straten das Konzept des Saatgutverteilers erarbeitet hat. „Und das Sortiment ist schon mal weg.“

Das Prinzip ist vergleichbar mit dem des öffentlichen Bücherschranks. Jeder kann etwas herausnehmen oder dazulegen. Gartenfreunde können so selbst geerntetes oder nicht mehr benötigtes Saatgut weiterverschenken, tauschen oder hier Samen finden, die ihnen gerade fehlen. Es gibt nur einige Grundregeln zu beachten: Man nimmt nur soviel wie man braucht, Samentütchen müssen nach Anleitung und bestem Wissen beschriftet sein, und entnommenes Saatgut darf nur auf Privatgelände ausgesät und nicht verkauft werden. Im Saatgutverteiler sind die Samen in einer kleinen Kartei nach Pflanzenarten (Blumen, Kräuter, Gemüse, Salat und Sonstige) sortiert, daneben finden sich Tütchen zum Abfüllen der Samen sowie Zettel, Kugelschreiber und ein Schnellhefter zum Kennzeichnen des Inhalts.

Die Idee zum Verteiler kam den Studentinnen bei einer Saatgut-Tauschbörse, die Anfang dieses Jahres im „Polyester“ stattfand. „Da dachten wir uns, es wäre gut, eine dauerhafte Tauschoption unabhängig von festen Terminen zu haben“, erzählt Judith Bausch. Der Wert des Tauschens liegt für die Initiatorinnen darin, die Vielfalt des Saatguts zu erhalten und auszubauen. „Der Saatgutmarkt monopolisiert sich weltweit und schafft durch Patentierungen und die Kombination mit Pestiziden Abhängigkeiten bei den Nutzern“, erklärt Cordelia Pätz. „Noch vor 100 Jahren hingegen war Saatgut ein Gemeingut, und es war für die Bauern selbstverständlich, ihr Saatgut auch untereinander zu tauschen.“

Unterstützung bekamen die Studentinnen von Tjorven Tenambergen, die im offenen Gemeinschaftsgarten Wurzelwerk aktiv ist, sowie vom Vorsitzenden des KGV Haarentor, der den Standort am Vereinsheim zur Verfügung stellte. Von der ursprünglichen Idee, nur Bio-Saatgut im Verteiler zuzulassen, rückten sie schnell wieder ab. „Das wäre eine zu hohe Hemmschwelle für die Nutzung gewesen“, sagt Judith Bausch. „Für uns steht aber im Vordergrund, dass möglichst viele Menschen sich beteiligen und im Herbst hoffentlich viel eigenes Saatgut beisteuern.“

Deshalb denken die Initiatorinnen bereits über eine zweite Tauschstation nach. „Wir sind in Gesprächen mit dem Bunkergarten hinter dem PFL“, sagt Tjorven Tenambergen. „Das wäre auch ein spannender Standort, wo man mehr Laufkundschaft hat. Hier beim KGV werden vermutlich vor allem die Vereinsgärtner den Verteiler nutzen.“

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