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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Uraltes Holz in neuer Form

31.08.2018

Mentzhausen Ein Mann wie ein Baum. Knorrig wie eine Eiche. Aus gutem Holz geschnitzt. Für die Beschreibung menschlicher Eigenschaften halten Bäume – im Ganzen oder stückweise – astrein her. Für Matthias Bruns ist dieser natürliche Wertstoff einfach nur spannend. Der 36-Jährige bringt vor allem uraltes Holz in neue Form. In seinem angemieteten Atelier in der Alten Brennerei Hilbers (Butjadinger Straße 346) kann man einige Exponate bewundern. Dazu zählt ein Tisch mit einer Tischplatte aus 4500 Jahre altem Eibenholz.

Beim Betrachten der Maserung gerät Matthias Bruns ins Schwärmen. Der gelernte Dachdecker kann Holz nämlich „lesen“. „Da war ein Ast, das ist ein Anzeichen einer Erkrankung“, weiß er, ohne den kompletten Baum je gesehen zu haben. In seiner Werkstatt in Ovelgönne (Holzrausch-Atelier, Mentzhauser Straße 49) bearbeitet Bruns Holz aus der Region. Die reicht für ihn bis ins Osnabrücker Land. Dort besitzt sein Großvater einen Wald. Und wenn da ein Baum fällt, dann freut sich der Enkel über neuen Rohstoff für sein Handwerk.

Nichts in Serie

Vor zehn Jahren hat sich Bruns, der aus Thuine (Emsland) stammt, selbstständig gemacht. Damals mit einem Atelier in Oberlethe bei Wardenburg. Die Wesermarsch ist jedoch kein unbekanntes Terrain für ihn. Er arbeitete mehrere Jahre im Jugendzentrum Berne, bevor er sich wieder dem Handwerk zuwandte. Aber eben nicht mehr als Dachdecker, auch nicht als Möbeltischler, sondern als „Möbeldesigner und Holzgestalter“, erklärt Bruns. „Individuelle Einzelstücke, nichts in Serie“, sind weitere Stichwörter, die er gibt. Und immer ist er auf der Suche nach neuem alten Rohstoff.

Da fährt der 36-Jährige dann durch die Wesermarsch, und sein Puls steigt, wenn er sieht, dass ein Landwirt auf seinem Feld tief pflügt. „Da können alte Moorhölzer auftauchen“, weiß der Fachmann, dessen Interesse fürs Holz im Landkreis längst bekannt ist. Mittlerweile rufen ihn die Bauern sogar an, wenn sie einen Fund auf dem Acker gemacht haben.

Ein solches Stück tauchte auch in Etzhorn auf: Als Bauarbeiter im Frühjahr 2004 die Fundamente für die Windräder auf den Moorländereien des Hofes Hilbers legten, stießen sie in mehr als zwei Metern Tiefe auf einen Eichenstamm (NWZ berichtete). Hans-Gerd Hilbers, Senior-Chef des Anwesens, informierte den Holzkünstler Bruns. Der vermutete, der Baum könnte wohl 1000 Jahre alt sein, riet aber dazu, ein Gutachten in Auftrag zu geben. Das Ergebnis verblüffte: 2850 vor Christus begann die Eiche zu wachsen, so das Urteil von Dr. Hanns Hubert Leuschner von der Georg-August-Universität Göttingen. 386 Jahre später fiel der Baum, wurde vom Moor begraben und unter diesen sauerstofffreien Bedingungen fast 4500 Jahre konserviert. Damit das alte Eichenholz eine Zukunft hat, nahm Bruns sich des Stammes an, zersägte ihn und lagerte das Holz zum Trocknen in seiner Werkstatt in Ovelgönne. „Geduld muss man dabei haben. Und man wird ehrfürchtig, wenn man solch altes Holz verarbeitet“, sagt Bruns und streicht mit der Hand fast zärtlich über die Platte des Tisches in seinem Etzhorner Atelier. Die stammt nicht von der besagten Eiche, sondern von einer ebenso alten Eibe. „Der graue Stamm lag neben der Eiche im Moor“, weiß Hans-Gerd Hilbers, den eines an Holzkünstler Bruns besonders beeindruckt: „Er kann sich so darüber freuen, wenn aus altem Holz was Neues entsteht.“

Bäume zur Erinnerung

Die Bäume auf dem Anwesen der Hilbers’ sind nicht nur eine Art Umweltarchiv, sondern auch Kapitel in der Familiengeschichte. „Diese Kastanie hat mein Großvater  im Jahr 1910 zu seiner Hochzeit gepflanzt“, erzählt Hilbers bei einem Rundgang über den 500 Jahre alten Hof. Eines der jüngeren Exponate ist der Zierapfel, der zur Eröffnung der Alten Brennerei als Zentrum für Kunst und Kunsthandwerk im Jahr 2006 in den Boden kam. Zwei Eichen habe seine Tante 1942 und 1944 gepflanzt – in Erinnerung an ihre im Krieg gefallenen Brüder, sagt Hilbers. Früher sei es ohnehin Sitte gewesen, schlimme wie schöne Ereignisse mit Bäumen zu dokumentieren, weiß der 71-Jährige und deutet auf eine Eiche vor seinem Wohnhaus. Die wurde anlässlich des „Neubaus“ gepflanzt, ist nun 232 Jahre alt und ihr Stamm hat einen Umfang von 5,7 Meter. „Sie wurde auf einer Wasserader gesetzt“, so Hilbers, „ein guter Blitzableiter.“ Vor 50 Jahren schlug nämlich ein Blitz in die Eiche. Der Baum blieb standhaft und trug Narben im Geäst davon. Dem Wohnhaus daneben passierte nichts.

Wer mehr über die Geschichte des Hofes Hilbers erfahren will, der ist am Sonntag, 2. September, herzlich willkommen. Um 15.30 Uhr beginnt eine Führung unter besonderer Berücksichtigung der Bäume. Die Ateliers der Alten Brennerei sind dann wieder von 15 bis 18 Uhr für Gäste geöffnet. Auch das Atelier von Matthias Bruns. Da ist man dann auf einem ganz besonderen „Holzweg“.


  altebrennerei-hilbers.de 
Susanne Gloger
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2108

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