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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Integration: Mit eigenem Laden kam die Zufriedenheit

16.06.2012

OLDENBURG „Jetzt ist es in Sibirien Sommer“, erklärt Irina Basenius freundlich in ihrer Mittagspause, die sie meistens in dem benachbarten Café verbringt. „30 Grad heiß. Aber die Winter sind sehr kalt.“ Seit ihrer Ausreise im Jahr 1990 war sie nicht mehr in dem Land ihrer Geburt. Spätestens seitdem sie ihren Freund kennengelernt hatte und zu ihm nach Oldenburg zog, empfindet sie die Huntestadt als ihre Heimat.

Per Brief hatte sie sich, seinerzeit noch aus Omsk, bei ihren Eltern erkundigt: „Wie ist es, dieses Deutschland?“ Der Vater gab ihr eine Antwort, für die sie ihm noch heute dankbar ist. „Die gebratenen Tauben fallen hier nicht vom Himmel“, schrieb er zurück. Vor seiner Ausreise war er in Sibirien LKW-Fahrer gewesen, hatte Getreide transportiert und im Winter Zedernholz aus der Taiga geholt. Die Mutter arbeitete in der Landwirtschaft.

Keine gebratenen Tauben

Beide Eltern wussten, was Arbeit heißt. So wurde die damals 24-jährige Tochter davor bewahrt, sich Illusionen zu machen. Ein Jahr lang überlegte sie, ob sie den Eltern nach Deutschland folgen sollte; den Ausschlag gab schließlich, dass alle ihre fünf Geschwister dazu entschlossen waren und sie als einziges Familienmitglied zurück geblieben wäre. Damals in Sibirien hatte sie nichts vermisst in der Millionenstadt Omsk, wo sie lebte und arbeitete.

Als gelernte Schneiderin war sie in einem Bekleidungsatelier für die Damenabteilung verantwortlich und hatte vier Mitarbeiterinnen. Selber entwarf und nähte sie Hochzeitskleider. „Natürlich hatten wir nicht so eine große Stoff- und Materialauswahl, aber das war für die Kreativität nur gut.“ Jedes Stück sei eine neue Herausforderung gewesen.

Dann kommt Irina Basenius nach Deutschland, Cloppenburg, hört bei der Agentur für Arbeit, dass es schon viele Änderungsschneidereien gebe, und macht eine Umschulung zur Bürokauffrau. Ihr erster befristeter Job gefällt ihr: In der Volkshochschule ist sie für Beratungen und Übersetzungen zuständig. Später dann, in Oldenburg, sieht es beruflich zunächst nicht so gut aus: Sie arbeitet als Näherin im Akkord und tut ihr Möglichstes. Jedoch: Was für ein Gegensatz zu Omsk. Ein Jahr lang hält sie durch. Dann sucht sie sich etwas Neues.

Sie hat Glück: In der NWZ  wird ein Schreibwarengeschäft angeboten. Irina Basenius trifft einen mutigen Entschluss und hat ihn bis heute nicht bereut. Inzwischen konnte sie ihr Sortiment sogar erweitern und bietet auch Magnetschmuck an.

Wenn sie nicht im Geschäft steht, fährt sie gern Fahrrad. Sie liebt die Farbenspiele von grünem Laubwerk im Wasser und fühlt sich in Oldenburg goldrichtig. Sie hat viele Lieblingsplätze an Haaren oder Hunte, im Botanischen Garten oder im Schlosspark. Hier greift sie gern zu einem biografischen Buch, über die russischen Klassiker oder Menschen, die „etwas bewegt haben, wie Henry Ford“.

Vorurteilen begegnet

Manchmal kommt ihr auch noch ihre erste Vermieterin in Cloppenburg in den Sinn. Die reagierte auf das „Guten Tag“ der Deutschstämmigen stets abweisend. Die junge Frau verstand diese Unfreundlichkeit nicht. Irgendwann suchte sie dann das Gespräch und es kam heraus, warum die Vermieterin so unfreundlich war.

Sie machte die junge Aussiedlerin tatsächlich für die fünfjährige russische Kriegsgefangenschaft ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes mit verantwortlich. Mit ihrer sachbezogenen Art dürfte Irina Basenius damals die passenden Worte gefunden haben.

Im Laufe der Zeit ist es ihr dann auch noch gelungen, dieses Ressentiment gefühlsmäßig aufzuweichen. „Sie war schon sehr krank, als ich sie im Krankenhaus besuchte und ihre Hand nahm. Sie habe sie dann kurz gedrückt und flüsterte „Danke“. Darüber ist sie bis heute froh.

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