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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Mittellos zwischen Hartz IV und Rente

25.04.2015

Oldenburg Die Oldenburgerin Christel Homann war im Oktober 2014 nicht unfroh, als ihr 65. Geburtstag das Ende des Hartz-IV-Bezugs einläutete. Doch dann wurde ihre Freude darüber, dass sie Rente statt Sozialleistungen erhielt, deutlich getrübt: „Plötzlich stand ich finanziell vor einem Riesenproblem“, berichtete die einstige Objektleiterin in der Gebäudereinigung und engagierte Gewerkschafterin der NWZ . Der Grund: Während Hartz-IV zu Beginn des Monats gezahlt wird, erhält sie ihre Rente zum Monatsende.

Faktisch bedeutete das: Sie erhielt Anfang Oktober die letzte Hartz-IV-Zahlung und Ende November die erste Rente. Anfang November aber waren laufende Kosten wie Miete und Abschläge fällig – und auch die Lebenshaltungskosten für den laufenden Monat wollten bezahlt werden. Die Frage, die im Raum stand, lautete: Wovon?

Es blieb nur ein Kredit

Die stellte sie auch dem Jobcenter, „Dort wollte man das Problem zunächst nicht verstehen“, berichtet Homann. „Dabei war ich faktisch mittellos.“ Sie ließ sich bei der Arbeitslosenselbsthilfe beraten, bei der Gewerkschaft – doch auch da blieb die Auskunft nach Gesetzeslage: Rentenbezug schließt Sozialeistungen aus.

Am Ende blieb ihr nur eine Möglichkeit: Sie beantragte beim Jobcenter ein Darlehen. Es wurde auch bewilligt; allerdings mit dem Hinweis, dass der Rückzahlungsanspruch sofort nach Ende des Leistungsbezugs fällig werde. Homann: „Das hätte bedeutet, dass ich meine erste Rente komplett an das Jobcenter hätte zahlen müssen.“ Ergebnis: Die Mittellosigkeit wäre nur verschoben, das Problem aber nicht gelöst. Nach mehreren Eingaben wurde nun eine Ratenzahlung vereinbart. „Das tut mir finanziell mit meiner kleinen Rente immer noch weh“, sagt Homann.

Niemand will es ändern

Was die 65-Jährige, die aus Gesundheitsgründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden musste, am meisten ärgert, ist die Lücke, die sich für viele Hartz-IV-Bezieher zwischen Sozialleistungs- und Rentenbezug auftun wird. „Es werden immer mehr“, sagt sie.

Deswegen schrieb sie mehrere Briefe – an das Bundesministerium für Soziales etwa, an den Bundespräsidenten, an die Bundestagsabgeordnete Barbara Woltmann (CDU). Der Bundespräsident ließ antworten, dass der Gesetzgeber zuständig wäre. Das Bundesministerium sieht in der Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen aufzunehmen, die Grundlage „für einen nahtlosen Übergang in die Altersrente“. Eine Anpassung der Auszahlungszeitpunkte sei „aus hiesiger Sicht“ nicht nötig. Und die Abgeordnete, die Mitglied des gesetzgebenden Bundestags ist? Sie schrieb: „Eine gesetzliche Änderung ist zurzeit nicht vorgesehen; sie würde momentan auch keine Mehrheit finden, wie mir gesagt wurde.“

Christel Homann findet das nicht tröstlich. Sie zahlt ihr Darlehen ab und die Schuldensumme schrumpft.

Ihr Ärger nicht.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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