• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Bald bleibt die Küche kalt

30.01.2015

Oldenburg Hühnersuppe gibt’s heute, und Gulasch mit Nudeln. Auf den Holzbänken hinter der Ausgabe wie immer: zufriedene Gesichter über dampfenden Schalen, Bautz’ner Senf, rot-weiße Polster, weiße Kacheln, schlicht und gut, sehr gut sogar, übliche Mittagsstimmung in der Mottenstraße.

Genau an dieser Stelle kann man das Herz Oldenburgs und seiner Innenstadt schlagen hören, woanders auch, aber hier ganz sicher. Monse, das ist Schlange-stehen, quatschen und sich auf den Eintopf freuen am Sonnabend, Spanferkel-Essen in fröhlichen Stadtfestnächten, die tägliche, appetitliche Riesenauswahl, das Bemühen um jeden Kunden und seine Wünsche – Professionalität und eine gewisse Heiterkeit rund um Rinderhüftsteak und Tafelspitz, Lamm und Pinkel.

Monse gibt es seit 55 Jahren in Oldenburg, zuerst in der Dragonerstraße, dann in der Mottenstraße. Das Geschäft ist gesund. 59 Mitarbeiter haben hier ihr Auskommen. Trotzdem soll Ende April Schluss sein. Warum?

Weil die Gesundheit von Alexandra Monse (46) und ihrem Bruder Andreas Monse (54), die den Betrieb mit Helge Ehlers-Monse (51) führen, so stark gelitten hat, dass sie sich schweren Herzens entschlossen haben, den Betrieb aufzugeben. „Ohne einander können wir es nicht. Das Liebste wäre uns gewesen, wenn wir den Betrieb hätten weitergeben können“, sagt Alexandra Monse. Aber es gebe niemanden, der den verwinkelten Betrieb (1600 Quadratmeter) mit seinen Mitarbeitern in Produktion, Geschäft, Partyservice, Großküche, Imbiss und Außenstand hätte übernehmen können oder wollen.

Nun sei man in der Verfassung, es wirtschaftlich so gesund zu beenden, „dass für alle Mitarbeiter alle Kündigungsfristen eingehalten werden, auch noch lange nach der Schließung, bis Ende August.“ Die Geschäftsführerin, die jeden Morgen um 4.30 Uhr im Geschäft ist, sagt: „Ich habe Angst, durch den Stress wieder krank zu werden.“ Ein halber Rückzug sei keine Lösung gewesen. Sie sagt: „Man kann sich auf alle hier verlassen, das sind sehr gute Mitarbeiter. Alle geben ihr Bestes, aber ohne uns geht es nicht.“

Bei der Bekanntgabe am Dienstag seien „alle geschockt gewesen, auch traurig“. Aber alle hätten versprochen, die Stange zu halten: „Davon bin ich total berührt.“ Bei einem Wechsel werde der Betrieb helfen. Ohnehin sei es eine der Qualitäten des Geschäfts, dass man spüren könne, „dass die Mitarbeiter hier gerne herkommen, das ist ja wirklich ein Familienbetrieb.“

Ihre Mutter Renate Monse (75) ist seit Anfang an dabei, seit 55 Jahren, heute aber nur noch ab und zu, um den Kindern zu helfen. Sie stellt fest: „Das ist ein großer Verlust für die Innenstadt.“ Und sie erinnert sich an die schwierigen Anfänge: „Als wir gestartet sind in Osternburg, gab es für uns und die Mitarbeiter nur Eintopf mit Pfötchen und Ohren, für mehr reichte es nicht.“ Dass das Geschäft, das „wir mit so viel Herzblut aufgebaut haben, nun schließen wird, tut uns unheimlich leid. Man kann wirklich sagen, das ist ein schöner Laden. Und wir haben lauter nette Kunden.“ Mutter und Tochter haben Tränen in den Augen.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2110
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.