• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Niedrigzins trifft Stiftungen

20.04.2016

Oldenburg Es ist die Entwertung des Spargroschens und es ist auch ein Angriff auf die Wohltätigkeit in Deutschland: Die Niedrigzinspolitik von Mario Draghi und der EZB trifft die Stiftungen, auch die in Oldenburg. Das bestätigt Joachim Gruben vom Bezirksverband Oldenburg (BVO), der 30 Stiftungen verwaltet und damit seit Jahrzehnten Gutes in der Stadt und der Region bewirkt. Gruben sagt: „Die Stiftungen sind angehalten, ihren Vermögenswert zu erhalten. Das wird vielen nun massiv erschwert.“

Laut einer aktuellen Studie der Steuerberatungsgesellschaft PWC schrumpft durch die Nullzinspolitik bei vielen Stiftungen nicht nur die Rendite, die sie brauchen, um andere zu fördern. Bei vielen schrumpft in Anbetracht der Inflation dadurch real sogar das Stiftungsvermögen.

Schwieriger Spagat

Bislang haben die Stiftungen in Oldenburg mit ihren Zinsen gerade auch im sozialen Bereich vielen Menschen geholfen, aber die Zinsen gibt es nicht mehr – in einer Zeit, in der die Zahl der Hilfsbedürftigen immer größer wird.

Das Problem bestätigt auch Gerhard Fiand, Vorsitzender des Vorstandes der LzO und der LzO Stiftungen. Fiand sagt: „Die Stiftungen der LzO stehen wie viele andere vor der schwierigen Herausforderung, ihr Kapital auf Grund der Nullzinspolitik der EZB rentabel anzulegen. Von einer mittelfristigen Besserung gehen wir nicht aus.“

Dabei ergebe sich ein Spagat zwischen dem Erhalt des Stiftungsvermögens und gleichzeitig der Verpflichtung, regelmäßig Erträge für die Zweckverwirklichung zu erwirtschaften. Innerhalb des Stiftungsrahmens werden dafür alle Möglichkeiten ausgelotet. „Unter Berücksichtigung von Sicherheit, Liquidität und Rentabilität sowie den stiftungsrechtlichen Anforderungen werden unsere Stiftungsgelder ausgewogen und breit diversifiziert angelegt“ sagt Fiand.

Der Landesfürsorgeverband – Vorläufer des Bezirksverbandes Oldenburg (BVO) – erhielt 1937 von der „Großherzoglichen Kommission für die Verwaltung der Fonds und milden Stiftungen“ die Zuständigkeit für die Verwaltung der Stiftungen im alten Land Oldenburg.

Um 30 mildtätige Stiftungen kümmert sich der BVO derzeit, meist durch Vermächtnisse entstanden.

Das Vermögen der vom BVO verwalteten Stiftungen beträgt (mit stiftungseigenen Heimen) 69 Millionen Euro. Die Stiftungsförderungen außerhalb des Heimbereichs lagen 2015 bei 120 000 Euro.

Die Förderschwerpunkte der vom BVO verwalteten Stiftungen sind ganz unterschiedlich: Unterstützung von Menschen mit Behinderungen, Bildung und Erziehung junger Menschen, Unterstützung für ältere Menschen, Unterstützung von Menschen in finanzieller Not sowie kulturelle Projekte. Das Projekt „Lesen und Schreiben verbindet“ für Förderschüler und Menschen mit Behinderung fördert der BVO gemeinsam mit der NWZ  und dem IZOP Institut.

Gerade die alten Stiftungen, die oft über Grund und Boden verfügen, „funktionieren noch sehr gut“, sagt Joachim Gruben vom BVO. Zu normalen Zeiten habe man die Verwaltung dieser Flächen nicht ganz so hoch geschätzt, weil man sah, dass man Geld mit 4 Prozent einfacher und höher verzinsen konnte. Nun ist die Flächen-Verzinsung mit 1,5 Prozent trotz der Inflation schon eine gute Sache, „weil ich hier ja keinen Werterhalt herstellen muss, die Flächen bleiben ja“, sagt Gruben. Auch die Erbbaugrundstücke im Oldenburgischen Generalfonds des BVO liefen durch den festgelegten Erbbauzins sehr gut.

Wichtige Spenden

In vielen Fällen hielten „Immobilien die Stiftungen am Leben“. Je nach Vermögenszusammensetzung gerieten viele Hilfstöpfe durch die Politik der EZB nun aber unter Druck. Gruben: „Jetzt geht es darum, die Stiftungen durch dieses Tal durchzuschleusen.“

Umso mehr sind viele Stiftungen nun auf Spenden angewiesen, um weiter helfen zu können. „Angesichts der Zinslage sind wir sehr dankbar für Menschen, die spenden, obwohl sie von der Zinssituation ja auch betroffen sind, damit wir in großen Notlagen weiterhin einspringen können“, sagt Regine Heißenbüttel-Röhr, Vorsitzende der Horst-Heißenbüttel-Stiftung. Bislang konnte die mit 620.000 Euro ausgestattete Stiftung aus Zinserträgen und Spenden jedes Jahr mit über 30.000 Euro helfen, wenn Menschen in der Stadt oder im Umland in Not geraten waren oder besondere regionale Projekte wie die Ökumenische Wohnungslosenhilfe unterstützen. Für solche Engagements gewinnen Spenden nun noch weiter an Bedeutung.

Neue Wege

Weil fest verzinste Wertpapiere und mündelsichere Anlagen kaum noch ausreichen, den Stiftungszweck zu erfüllen, raten Experten zu langfristigen Anlagen in Substanzwerte wie Aktien und Immobilien. Die Volkswagen-Stiftung (2,9 Milliarden Euro Stiftungskapital) hat ihre Substanzwerte weiter erhöht und hält jetzt 33 Prozent Aktien und 14 Prozent Immobilien neben 49 Prozent fest verzinsten Wertpapieren und vier Prozent alternativen Investments. Wer mehr will, muss weiter ins Risiko gehen – ohne den Vermögensverlust zu riskieren. Große Stiftungsmanager raten etwa zu Rententiteln im Investment-Grade-Bereich – Anleihen von Schuldnern bester bis mittlerer Bonität.

Stiftungen mit geringem Vermögen können sich im „Vermögens-Pooling“ an Spezialfonds großer Stiftungen zu gleichen Konditionen beteiligen. Helfen kann auch ein Impact Investing: Dabei kann etwa eine Tagesstätte ein Darlehen mit entsprechender Verzinsung direkt aus dem Stiftungskapital erhalten.

So können kleine Stiftungen derzeit auf bis zu drei Prozent Rendite kommen, heißt es, bei großen Stiftungen kann es deutlich mehr sein.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2110
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.