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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Herr Bonner, Frau Weiss, sind wir noch zu retten?

15.06.2019
Frage: Herr Bonner, Frau Weiss, sind wir noch zu retten?
Anne Weiss: Gute Frage. Klimaforscher sind sich zwar sicher, dass der Klimawandel, den wir jetzt erleben, menschengemacht ist. Daten und Szenarien gibt es viele. Wie sich das Klima genau entwickelt, wäre allerdings ein Blick in die Glaskugel. Fest steht, wenn wir als Weltgemeinschaft nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre aktiv werden, werden wir es nicht mehr schaffen.
Stefan Bonner: Dabei geht es nicht mal darum, die Welt zu retten, sondern die menschliche Spezies zu erhalten. In Indien waren es die Tage 49 Grad. Das ist nicht gesund und es wird schlimmer werden. Daran werden wir zugrunde gehen.
Frage: Ist das keine Schwarzmalerei?
Bonner: Nein. Wir müssen uns vor Augen führen, wo wir gerade stehen. Nämlich mitten im Klimawandel. Die Chance, den aufzuhalten, haben wir leider in den 70er und 80er Jahren verpasst. Bildlich gesprochen sind wir schon mit dem Auto über die Klippe. Wir können jetzt nur noch den Schaden begrenzen.
Frage: Und nun?
Bonner: Helfen nur noch radikale Schritte.

Lesung in Oldenburg zum Klimawandel

Anna Weiss kommt aus Bremen, arbeitete als Lektorin und schreibt für verschiedene Magazine. Die 43-Jährige lebt in Berlin. Sie schreibt mit und ohne Stefan Bonner Bücher über aktuelle Themen.

Stefan Bonner kommt aus Köln. Der 44-Jährige arbeitet freiberuflich als Autor, Redakteur und Übersetzer.

In Oldenburg ist das Autorenduo mit „Generation Weltuntergang“ am Dienstag, 18. Juni, 19 Uhr, im Horst-Janssen-Museum zu Gast. Der Eintritt ist frei.

Eingeladen wurden die Schriftsteller von der EWE-Stiftung im Rahmen der Reihe „EWE Stiftung unterwegs“.

Frage: Welche?
Bonner: Kurzgefasst müssen wir die Gesellschaft klimaneutral gestalten. Das betrifft unsere Ernährung, die Produktionsweise, die Mobilität und die Energie. Wenn wir nicht sofort beginnen, hier die notwendigen Schritte einzuleiten, wird das nichts mehr. So ist es zum Beispiel zwar löblich, dass die Briten gerade beschlossen haben, ab 2050 als erster G7-Staat klimaneutral zu sein – allerdings könnte das gemessen am aktuellen Tempo der Klimaveränderungen zu spät sein.
Frage: Was ist zu tun?
Bonner: Wir müssen Lösungen finden, auch welche, die mal unbequem sind. Dazu gehört das Fliegen. Innerhalb Deutschlands kann man die Bahn nehmen.
Frage: Fliegen Sie noch?
Weiss: Nein. Seit wir vor vier Jahren mit den Recherchen zu „Generation Weltuntergang“ begonnen haben, nicht mehr. Der Oldenburger Ökonom und Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech hat einmal gesagt, fliegen ist das beste Mittel, den größtmöglichen Schaden anzurichten. Wer selbst Kinder hat, zieht zwangsläufig Konsequenzen, weil er sie vor den Folgen des Klimawandels bewahren will.
Bonner: Und sich selbst. Auch wir werden die Folgen unseres Tuns noch erleben.
Frage: Wo liegt die Verantwortung?
Weiss: In der Politik genauso wie beim Konsumverhalten jedes Einzelnen. Das greift ja ineinander. Als Individuum muss ich bereit sein, meinen Teil zu tun. Gleichzeitig müssen von der Politik Verbote ausgesprochen, das heißt entsprechende Gesetze gemacht werden – Wirtschaftsunternehmen müssen klimafreundlich produzieren.
Frage: Was kann ich als Einzelner tun?
Weiss: Zum Beispiel regional und saisonal kaufen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es im Winter Spargel und Erdbeeren gibt und alles immer verfügbar ist. Im Sommer kaufen wir Mangos und Papayas, die in sehr trockenen und weitentfernten Gegenden angebaut werden und im Kühlhaus gelagerte Äpfel statt einfach nur Beeren und Rhabarber aus dem Landkreis.
Frage: Wie ernähren Sie sich?
Weiss: Wir leben beide vegan. Fleisch ist eben eines der CO2-intensivsten Lebensmittel. Nur noch getoppt von Butter. Allerdings ist eine pflanzliche Ernährung am sinnvollsten, wenn man dabei auf bewässerungsintensive und importierte Nahrungsmittel wie Avocados und Chiasamen verzichtet.
Bonner: Dazu kommt, dass laut Untersuchungen die grün-wählenden Veganer mit gutem Einkommen genau die sind, die gerne ein paar mal im Jahr in fremde Kulturen fliegen. Damit reißen sie mit dem Hintern ein, was sie vorne aufgebaut haben.
Frage: Sind sich die Grün-Wähler den unbequemen Konsequenzen bewusst?
Bonner: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Sich eine radikal andere Lebensweise anzueignen, ist schwer. Uns ist das auch erst durch unsere Recherchen bewusst geworden.
Weiss: Wobei sich das Bewusstsein ändert. Mit der Fridays-for-Future-Bewegung gehen Menschen endlich wieder auf die Straße. Unser Ziel ist es, das zu unterstützen.
Frage: Mit einem Sachbuch?
Weiss: Einem unterhaltsamen, leicht verständlichen.
Bonner: Und mit konkreten Tipps.
Frage: Wie geht’s weiter?
Weiss: Schriftstellerisch gehen wir erstmal getrennte Wege. Stefan schreibt einen Krimi und ich schreibe meine persönliche Geschichte. Ende Dezember erscheint das Buch, es heißt „Mein Leben in drei Kisten“. Es geht darum, wie glücklich ein nachhaltiges, minimalistisches Leben macht.
Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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