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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Vermüllt Oldenburg immer mehr?

12.09.2018

Oldenburg „Das ist eine Schande“, schimpft Kunigunde Kruthaup-Bartsch. Auf dem Weg von ihrer Wohnung in die Innenstadt kommt die 75-Jährige seit Wochen an einer wilden Müllkippe in der Alexanderstraße vorbei. „Und es kommt anscheinend auch keiner auf die Idee, mal etwas zu tun. Stattdessen kommt noch Zeug dazu. Man könnte fast meinen, es sieht keiner.“

Sperrmüll

Was ist Sperrmüll? Zum Sperrmüll gehören Möbel, Matratzen, Teppiche, Fußbodenbeläge und andere sperrige Abfälle, die zu groß für die Restmülltonne sind. Metall und Elektroschrott werden separat abgefahren.

Stadt Oldenburg Eine Sperrmüllabfuhr kann per Sperrmüllkarte oder online unter www.stadt-oldenburg.de beantragt werden. Die Gebühr für die Abholung beträgt 25 Euro. Die Menge darf vier Kubikmeter nicht überschreiten. Einzelne Teile dürfen maximal 75 Kilogramm wiegen. Sperrmüll bis zu zwei Kubikmetern kann außerdem an der Wertstoffannahmestelle Neuenwege, Barkenweg 6, für 8 Euro je Kubikmeter abgegeben werden. Weitere Infos gibt es unter Telefon  2 35 20 00.

Landkreis Oldenburg In der Müll-Grundgebühr ist eine gebührenfreie Sperrmüll-Abfuhr pro Jahr enthalten. Sie kann per Karte oder online beantragt werden. Die Menge darf die Angaben im Formular nicht überschreiten. Mehrmengen werden nicht abgefahren. Infos unter Telefon  0 44 31/8 53 43.

Landkreis Ammerland Jeder Haushalt kann zwei Sperrmüllabfuhren im Jahr kostenfrei beantragen. Anforderungskarten gibt es bei dem Kreis und den Gemeindeverwaltungen. Mit der Karte kann Sperrgut auch kostenfrei zur Deponie nach Mansie angeliefert werden. Online-Anforderungen sind nicht möglich. Die Menge ist auf fünf Kubikmeter begrenzt. Infos unter Telefon  0 44 88/56 24 60.

Angefangen hat es etwa Ende Juli mit einem weißen Sofa, das an der Straße stand. „Nach ein paar Tagen wanderte ein Wäschekorb dazu, später ein Kinderwagen, gefüllte Müllbeutel und noch allerlei anderer Kram“, erzählt Kruthaup-Bartsch. „Manchmal kommt jemand dran vorbei und holt etwas raus, ein andermal legt dann jemand anders wieder etwas hin.“ Was jetzt dort liegt, dürfte allerdings für niemanden mehr zu gebrauchen sein, denn alles ist kaputt. Auch die vermeintliche Hauptattraktion, das weiße Sofa, hat schon diverse permanente Schattierungen angenommen.

Nur wenige Meter weiter stand laut Kunigunde Kruthaup-Bartsch ein braunes Sofa, das über einige Wochen hinweg immer mehr „Gesellschaft“ bekam. An diesem Dienstag war zumindest das Sofa verschwunden, lediglich ein kaputter Couchtisch lag noch dort. Und auch in der Pariser Straße habe rund drei Wochen lang Hausrat an der Straße gestanden. „Der wurde aber am Dienstag wohl abgeholt, bis auf ein paar Farbeimer“, erzählt Kruthaup-Bartsch. „Als ich daran vorbei kam, hatte schon wieder jemand etwas dazu gestellt.“

Laut Stadtsprecher Stephan Onnen ging die Meldung über die Müllkippe in der Alexanderstraße auch beim Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) ein. Nach dessen Auskunft sollte die Ansammlung noch am Dienstag abgeräumt werden. Während Sie diese Zeilen lesen, könnte das weiße Sofa also endlich verschwunden sein.

Dem Vernehmen nach soll sich ursprünglich einmal ein Zettel mit der Aufschrift „Zum Verschenken“ an dem Sofa befunden haben. „Der AWB weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass auch die vermeintlich gute Absicht kein Freifahrtschein für das An-die-Straße-Stellen von ausrangierten Möbelstücken oder Haushaltsgegenständen ist“, sagt Onnen dazu. „Wer gut Erhaltenes loswerden und damit etwas Gutes tun möchte, darf sich gerne an den Verschenkmarkt wenden.“

Den Eindruck vieler Oldenburger, dass die wilde Vermüllung immer schlimmer wird, kann die Stadt so nicht bestätigen. „Nach unserer Einschätzung ist die Zahl wilder Müllkippen in den vergangenen Jahren relativ konstant“, so Onnen. „Das gilt übrigens auch für die vom AWB angenommenen Sperrmüllmengen.“

Ursachen dafür, dass es immer wieder solche wilden Müllkippen gibt, sind offenkundig Bequemlichkeit und fehlendes Unrechtsbewusstsein. Der AWB betont, dass es sich dabei um kein Kavaliersdelikt handelt. „Wir freuen uns, wenn uns die Bürger verwertbare Hinweise auf Verursacher geben und rufen ausdrücklich dazu auf, ein wachsames Auge zu haben“, sagt Onnen.

In Fällen wie beim weißen Sofa ist anzunehmen, dass der Verursacher aus dem direkten Umfeld kommt. In solchen Fällen drohen Bußgeldverfahren, die, je nach Art und Umfang der Vermüllung, Strafen zwischen 50 und 2500 Euro nach sich ziehen können. „Verfahren werden regelmäßig eingeleitet, wenn uns Verursacher bekannt geworden sind“, so Onnen weiter. „Dazu sind wir auf Zeugen angewiesen. Übrigens: Auch das ,Dazustellen’ von Sachen bei regulär angemeldetem Sperrmüll wird als illegale Müllentsorgung gewertet.“

Anfang des Jahres hatte die Untere Naturschutzbehörde die Wiedereinführung eines kostenlosen Sperrmülltermins ins Gespräch gebracht. Beim AWB ist man aber der Ansicht, dass das Problem damit nicht gelöst würde. „Nach den Erfahrungen des AWB plagen sich auch Kommunen mit kostenlosem SperrmüllAngebot weiterhin mit wilden Müllablagerungen herum“, so Onnen.

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