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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Schlechte Architektur führt zu Depressionen

20.05.2019

Oldenburg „Kann Städtebau denn glücklich machen?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich der Verein Bauwerk in dieser Sommersaison. „Ja“, gab Prof. Felizitas Romeiß-Stracke zur Eröffnung der Reihe eine klare Antwort – „wenn die Architekten sich mehr Mühe geben würden, den Städtebau zu Resonanzoasen zu machen.“ Resonanz sei der zentrale Punkt.

Städtebau und Architektur können zum Glück beitragen, wenn sie bei den Menschen, die sie benutzen, Resonanz zulassen. Sie also berühren und festhalten. An vielen Gebäuden moderner Architektur jedoch gleite der Blick sofort ab. Es seien gleichförmige, langweilige Fassaden. „Manchmal ist sogar der Eingang nicht einmal gekennzeichnet“, so die Expertin. In diesem Zusammenhang wurde in der anschließenden Diskussion von dem Publikum auch die Architektur im Oldenburger Hafen kritisch benannt. Für den Jenaer Soziologen Hartmut Rosa ist das Spüren von Resonanz ein Grundbedürfnis. Er sage sogar, dass Depressionen auftreten können, wenn dieses Bedürfnis nicht befriedigt wird. Romeiß-Stracke zeigte ein Bild von der Piazza del Campo in Siena (Italien). Die klassische Resonanz an diesem Platz (auch im Publikum): „Oh, wie schön.“

Die Deutschen seien ziemlich unglücklich. Im World- Happiness-Report stehe Deutschland 2017 an 16. Stelle. Norwegen an 1. Es gehöre bei uns zum guten Ton, vor allerlei Angst zu haben, meinte die Professorin für Soziologie. Die Zuversicht sei uns abhandengekommen. Statt Utopie herrsche die Zukunft der Katastrophen. Sie spricht von der teutonisch grimmig-grummeligen Erdenschwere. Und der Städtebau könne dazu beitragen, Menschen ein wenig glücklicher zu machen. Aber letztlich bestehe der Städtebau aus Häusern, die funktionieren sollten. Laut Le Corbusier (1887-1965), einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts, muss ein Haus folgende Bedingungen erfüllen: Es soll Schutz vor Hitze, Kälte, Regen, Räubern und neugierigen Blicken bieten. Genügend Licht und Sonne und Wohnzellen zum Kochen, Arbeiten und Privatleben vorhalten. Es ist keine Rede von Resonanz. Romeiß-Stracke spricht von der „Verklotzung“ der Architektur und einfallslosen Flachdach-Kisten. Bürgerinnen und Bürger lehnen sich inzwischen dagegen auf und haben Angst vor dem Verlust eines Stückes ästhetischer Heimat.

Bei der Suche nach Schönheit in der Architektur bemüht die Referentin das Buch von Alain de Botton „Glück und Architektur“. „Die Wahrnehmung ist süchtig nach Schönheit. Der Entzug ist schmerzlich, die Entwöhnung kommt einer Verkrümmung, ja Verkrüppelung gleich. Deswegen leiden wir ganz handfest an der Verunstaltung“, so de Botton. Er ist kein Architekt. Schönheit sei über Jahrzehnte in der Fachdiskussion der Architekten ein verpönter Begriff gewesen, hatte Romeiß-Stracke festgestellt. Erst neuerdings sei es erlaubt, wieder über Schönheit in der Architektur zu reden. Der Beitrag, den Architekten und Städteplaner leisten können, ist noch längst nicht ausgereizt. Sie sollten von den Resonanz-Oasen lernen und zur Architektur-Biennale nach Venedig fahren, schloss Romeiß-Stracke ihren Vortrag.

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