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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Blick zurück nach Oldenburg zur Kaiserzeit

08.12.2018

Oldenburg Das Rathaus, der Hauptbahnhof, das Dobbenviertel, die Hauptpost oder das Theater: Das Stadtbild änderte sich rund um das Jahr 1900 rasant. Zwischen 1890 und 1910 wuchs Oldenburg um 10 000 Einwohner auf 30 242 – ohne Osternburg, Eversten und Ohmstede, die erst später eingemeindet wurden. Stadtmuseums-Chef Andreas von Seggern widmet sich in seinem historischen Bildband „Oldenburg um 1900 – Zwischen Restauration und Aufbruch“ dieser spannenden Zeit, in der zum Ende der Epoche das Kaiserreich in sich zusammenfiel.

Blick von der Lambertikirche: Die dänische Kanzlei (rechts am Schloss) wurde 1894 für den Anbau des Theaterflügels abgebrochen.

Die Stadt Oldenburg war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Zentrum des vorwiegend agrarisch strukturierten, abseits großer Fernhandelswege gelegenen Weser-Ems-Raumes im äußersten Nordwesten Deutschlands, schreibt von Seggern in seiner Einführung. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges verlief ihre Entwicklung weit weniger dynamisch als in vielen anderen Teilen des Reiches. Industrie hatte sich vor allem im vor den Toren der Stadt gelegenen Osternburg angesiedelt.

Die Stadt war geprägt durchs Militär und den Hof des Großherzogs. Sie war zudem ein regional bedeutender Handels-, Banken- und Dienstleistungsplatz. Oldenburg lag allerdings auch abseits des großen wirtschaftlichen und politischen Geschehens. Es hatte sich eine gewisse Abneigung gegen das Fabrikwesen mit seinen rauchenden Schornsteinen und seiner unruhigen proletarisch geprägten Bevölkerung entwickelt, was laut von Seggern auch erklären könnte, warum Osternburg mit seiner Glashütte und anderen Fabriken erst 1924 eingemeindet wurde.

Industrie in Osternburg: In der Glashütte arbeiteten viele Männer – wie hier bei der Flaschenherstellung. Die Aufnahme aus dem Jahr 1898 zeigt allerdings auch, dass Kinderarbeit üblich war.

Den Oldenburgern mögen die Veränderungen dennoch gewaltig erschienen sein – auch aufgrund der großen bereits erwähnten stadtbildprägenden Gebäude, die entstanden. Die Wohngebiete dehnten sich in den Westen und Nordwesten aus, stießen jedoch nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. Von Seggern: Der 1893 in Oldenburg geborene und aufgewachsene Philosoph Karl Jaspers erinnerte rückblickend in der Stadt „eine Stimmung, die (...) bedrückte und ödete. Die Stimmung grauen Regens, trüber Scheiben, die Bilder von schlecht riechenden Schutthaufen, verwahrlosten Bauplätzen gehörten zur Stadt.“

An der Aufbruchstimmung fühlten sich die Oldenburger allerdings trotz der ablehnenden Haltung gegen die Industriealisierung dennoch beteiligt. „Geradezu beispielhaft dafür standen die spektakuläre, auch überregional wahrgenommene Landesausstellung 1905 sowie die Landung des Luftschiffes LZ 11 „Victoria Augusta“ am 7. Juli 1912 auf dem Rennplatz in Ohmstede, die von einer enthusiastischen Menschenmenge verfolgt wurde“, schreibt von Seggern.

Straßenbau: Die Heiligengeiststraße wurde um das Jahr 1900 herum ausgebaut.

Nicht ohne Stolz konnte das evangelische „Oldenburger Sonntagsblatt“ im Frühjahr 1913 auf einen beeindruckenden, in den zurückliegenden Jahren vollzogenen Wandel verweisen: „Die Stadt Oldenburg wird im Sommer von Ausflüglern viel aufgesucht. Wer sie längere Zeit nicht gesehen hat und sie nun wieder durchwandert, der muß gestehen, daß sie sich außerordentlich entwickelt hat und überall neue, kräftige Ansätze zeigt. Der neue Bahnhof ist im Entstehen, die Wohnhäuser auf dem ,neuen Dobbenviertel’ rücken den Dobbenteichen immer näher, eine Frauenbadeanstalt ist fertig gestellt, in den Straßen fahren geschmackvolle und geschickt geleitete Autodroschken, und was der guten Dinge mehr sind.“

Wie kaum ein anderes Bauvorhaben drückte sich wohl in der Bahnhofsfrage der Mentalitätswandel, dem auch die Stadt Oldenburg spätestens mit dem beginnenden 20. Jahrhundert unterlag, beispielhaft aus, schreibt von Seggern weiter. Der erste, 1879 eröffnete „Centralbahnhof“ war vermeintlich zeittypisch historisiert und mutete vielen Zeitgenossen eher wie eine Bahnhofsburg an. Der Bau wurde nie angenommen und auswärts eher als Auswuchs residenzlerischer Romantik verspottet. Für ein Bauwerk dieser Größenordnung ungewöhnlich, wurde das Gebäude bereits 1911 wieder abgerissen und durch einen auch für damalige Verhältnisse in Form und Funktion modernen Bau im Jugendstil ersetzt, der noch heute vom verspäteten Oldenburger „Aufbruch in die Moderne“ zeugt. Das Buch (ein tolles Weihnachtsgeschenk) ist im Handel sowie Stadtmuseum erhältlich.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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