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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

„Mitleid reicht nicht! Tut etwas!“

09.12.2018

Oldenburg Gesenkte Blicke, tränengefüllte Augen, manche drehen sich um und gehen. Auf einer Bühne läuft ein Video. Es zeigt bisher noch nicht veröffentliche Aufnahmen aus dem Schlachthof der GK in Oldenburg, der sich hinter der aufgebauten Bühne befindet. Vor vier Wochen deckte das Deutsche Tierschutzbüro Tierquälereien auf, die hinter diesen Hoftüren stattfanden.

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Mit heimlich gefilmten Videomaterial, inzwischen mehr als 600 Stunden, gingen sie an die Öffentlichkeit. Seitdem ist der Schlachthof stillgelegt. Damit das so bleibt, demonstrierten mehrere Hundert Menschen am Samstag für die endgültige Schließung des Betriebes. Trotz des ungemütlich-nasskalten Wetters kamen über 450 Demonstranten, um ihre Forderungen zum Ausdruck zu bringen.

„Dort sieht man eine Kuh, die unsachgemäß betäubt wurde und einfach abgestochen wird. Solche Aufnahmen haben wir hundertfach!“, kommentiert Jan Peifer, Geschäftsführer des Tierschutzbüros, die Videoaufnahmen, die auf einer großen Leinwand zu sehen sind. Er verweist auf Mitarbeiter, eventuelle Veterinäre, die zu der Tötungssituation hinzukommen und auf suchende Blicke nach Kameras der Mitarbeiter. Es sind Gesten zu sehen, wie ein erhobener Daumen, der symbolisieren soll, dass die Arbeit gut verrichtet wurde.

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Eine weitere Szene zeigt einen Mitarbeiter, der in eine Ecke des Betriebes uriniert. „Diese Menschen dort haben überhaupt keinen Respekt!“, kommentiert Pfeifer die Szene. Aus dem umstehenden Publikum kommen wütende Rufe. Die Stimmung ist bedrückend. Eine Frau fängt an zu weinen, mehrere Demonstranten wenden sich ganz ab mit den Worten, dass sie das nicht ertragen würden. In den Gesichtern aller ist Entsetzen zu lesen. Quälereien durch Elektroschocks, Kehlschnitte bei vollem Bewusstsein, grundloses Schlagen und Treten von ausgedienten Milchkühen. Dazu eine Kontrollinstanz, die tatenlos dabei zuschaut. Das sind die Vorwürfe des Tierschutzbüros gegen den Rinderschlachthof. Und das alles soll dieses Videomaterial beweisen. Das Tierschutzbüro habe bereits vor einigen Wochen Strafanzeige gegen die hiesigen Amtsveterinäre erstattet und rät an dieser Stelle allen Anwesenden es ihnen gleich zu tun.

„Es ist das eine zu wissen, was dort drinnen passiert, das andere es immer wieder zu sehen. Das hat mehr Nachdruck“ , sagt Roland Walz (25), einer der Demonstranten. „Zu viele gucken weg, keiner will wissen unter welchen Umständen, das Fleisch in die Verpackung gelangt.“, ergänzt Charlotte Witthohn (22). Für beide sei es die erste Demonstration, gewiss aber nicht die letzte.

Zusammen singen alle ein Protestlied. Anschließend versammeln sich die Demonstranten ein paar Meter weiter und stellen sich mit selbst gebastelten Schildern und Plakaten auf. „Mitleid reicht nicht! Tut etwas!“, „Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz. Glück und Unglück.“ Die Botschaft ist eindeutig. Überdies hat das deutsche Tierschutzbüro große rote Buchstaben vorbereitet und verteilt diese an die Menge. Sie ergeben den Satz „Schlachthof schließen“. Gemeinsam werden Parolen gerufen, angefeuert durch die Mitarbeiter des Tierschutzbüros. „Schlachthof schließen!“, ertönt es laut durch ein Megafon, gefolgt von den über 450 Teilnehmern. Trillerpfeifen ertönen, es wird im Takt geklatscht. „Schlachthof nein! Die Lösung muss vegan sein!“ Es ist ein Spektakel!

„Wir müssen mehr Präsenz zeigen, tätig werden. Ich bin froh, hier zu sein.“, sagt Andre Pluschke (21).

Anja Stürzer (53) ist sogar extra aus Hamburg angereist. „Ich finde es noch wichtiger, dass eine artgerechte Nutztierschutzhaltung vonstattengeht, dass die Schlachtung ethisch vertretbar vollzogen wird. Das ist bei diesem Hof keineswegs der Fall.“ Sie sei Flexitarierin, esse also selten Fleisch, jedoch ausschließlich von einem Ökohof, wo man sehen könne, wie die Tiere vorher leben und sie keine derart grauenvolle Schlachtung vermute.

Es ist ein bunt gemischtes Publikum, Jung und Alt, Veganer, Vegetarier und Flexitarier. Dennoch mit einem gemeinsamen Ziel: Heute in erster Linie die Schließung des Rinderschlachthofes. Langfristig ein Ende der Tierquälerei.

Zum Schluss werden Kerzen angezündet und weiße Rosen zum Gedenken an die gequälten Tiere am Rand der Bühne niedergelegt. Darunter ein Banner auf dem die Teilnehmer ihre Wünsche und Forderungen verewigt haben. Peifer bedankt sich herzlich bei allen Mitwirkenden, er ist offenkundig überwältigt von der Anzahl der erschienenen Demonstranten und beendet damit die Demonstration. Alles verlief friedlich und ohne Zwischenfälle.

Live-Video des Deutschen Tierschutzbüros von der Demo in Oldenburg (Facebook):

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