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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

So sah es früher am Markt in Oldenburg aus

30.09.2017

Oldenburg Die Planungen für das große Marktcarré – zwischen Rathausmarkt und Baumgartenstraße, Pistolenstraße und Achternstraße – sorgen weiter für Unruhe. Gegenüber der NWZ äußerte sich jetzt auch die Eigentümerin des denkmalgeschützten Hauses an der Ecke Markt/Achternstraße mit dem Eiscafé San Marco.

Die langjährige Pekol-Geschäftsführerin Martha Hakelberg-Pekol, die selbst in dem Haus wohnt, sagte gegenüber der NWZ: „Bei dieser Planung stellen sich auch jenseits der Architektur verschiedene Fragen. Dazu gehört der Umstand, dass hier eine zusammenhängende Verkaufsfläche von 5000 Quadratmetern geschaffen werden soll und die Stellplätze einfach mit einer entsprechenden Zahlung abgelöst werden. Das wird für Probleme sorgen – zumal jeder Normalsterbliche selbst für Parkplätze sorgen muss.“

Was soll „so ein Ding“ am Markt?

Für die Kunden bleibe es nach wie vor entscheidend, für den Einkauf in der Innenstadt dort auch einen Parkplatz vorzufinden. Ihr stelle sich zudem die Frage, wie man „angesichts der Lage der BLB da so ein Ding hinsetzen will“.

„Halbherzig und Misslungen“: Das sagen die Oldenburger zu dem Entwurf

Dass der riesige Lichthof zwischen Markt und Baumgartenstraße dann ebenfalls für Verkaufsfläche zugebaut werde, sei aus ihrer Sicht für die Innenstadt „überdimensioniert, wenn man sich die nicht ganz einfache Entwicklung von großen, zusammenhängenden Flächen wie Lambertihof oder Schlosshöfen anschaut“.

Auch die Frage nach der Erreichbarkeit der umliegenden Geschäfte und Wohnungen während der langen Bauphase seien nicht geklärt. Als direkte Nachbarin habe sie sich zudem gewundert, „dass ich erst aus der Zeitung erfahren habe, dass sie diesen Bau hier vorhaben“.

Lange die Heimat von Pekol

Pekol, das 230 Mitarbeiter beschäftigte, hatte das Haus nebenan, in dem immer die Leitstelle des Unternehmens war, an die BLB verkauft, als das Busunternehmen wegen der Schaffung der Fußgängerzone die Innenstadt verlassen musste. In dem denkmalgeschützten Eckhaus war lange „Pekol-Reisen“, das später von Wolters-Reisen aus Bremen übernommen wurde. Martha Hakelberg-Pekol: „Das lief aber als Pekol weiter, weil kein Oldenburger mit einem Bremer Unternehmen verreisen wollte.“

Die geplante Architektur des Siegerentwurfs findet die frühere Pekol-Chefin „zumindest, was die Giebel-Idee angeht, gut, aber es ist eine zu große, zusammenhängende Fläche ohne Parkplätze, das funktioniert aus meiner Sicht nicht auf Dauer“.

Eine Alternative? Oldenburger Architekt bringt neue Ideen ins Spiel

Die BLB-Immobilien, die den Abriss und die Neubebauung plant, wenn es bis zum Ende des Jahres grünes Licht dafür gibt, wollte sich am Freitag nicht dazu äußern. Mitarbeiter Benjamin de Beisac sagte auf Anfrage: „Da möchte ich im Moment nichts zu sagen. Wir nehmen die Kritik aber sehr ernst und bewerten sie für uns.“ In absehbarer Zeit wolle sich die BLB Immobilien GmbH aber damit auch öffentlich beschäftigen.

Denkmalschützer wundert sich

Unterdessen hat sich Friedrich Precht, der langjährige oberste Denkmalschützer der Stadt, auf Anfrage zum Thema Marktcarré geäußert. Precht sagte am Freitag: „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft – und das umfasst auch die Architektur. Wie kann es sein, dass ein Komplex, der nicht einmal 50 Jahre alt ist, wieder weg soll? Aus meiner Sicht wird bei solchen Entscheidungen voreilig geurteilt. Wir reden hier von stabilen Stahlskelettbauten.“

Im Übrigen sei der Komplex zum Teil von Meckseper, Boyken und Pfeiffer geplant worden, die auch für die Weser-Ems-Halle verantwortlich zeichneten. Precht: „Das ist nicht uninteressant für Oldenburg.“ Der frühere Denkmalschützer sagt: „Man kann das verändern und weiterentwickeln. Aber man sollte nicht immer alles abreißen.“ Für ihn sind alle sechs vorgestellten Entwürfe „nicht überzeugend“.

Sorgen macht ihm auch der Teil zur Achternstraße. Das Haus Nr. 35 (bei Hussel) sei von 1853. „Nur das Eckhaus mit dem Eiscafé und Wöltje würden von dem ganzen Komplex stehen bleiben.“ Auch im Blick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung passe die Planung nicht ins Bild.

Bestehenden Komplex weiterentwickeln

Precht empfiehlt, grundsätzlich „ein bisschen mehr Respekt zu zeigen gegenüber dem, was die Generationen vor uns geschaffen haben“. Das gelte auch für die 60er- und 70er-Jahre. Er selbst könnte sich vorstellen, mit dem Komplex in einer weiterentwickelten Form „mehr Leben in die Stadt und an den Markt zu bringen, indem man zum Beispiel Vorlesungsbereiche der Universität dort hinein holt und Studentenwohnungen und Gastronomie“.

Das Bild vom Rathaumarkt aus dem April 1970 entstammt dem Buch „Neues Oldenburg – Der Wandel der Innenstadt in den 1950er und 1960er Jahren“ von Werkstattfilm (2017), 65 Seiten, reich bebildert, 18 Euro; erhältlich bei der NWZ, bei Werkstattfilm und im Buchhandel.

Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110

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