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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Filmpremiere: Fleischindustriearbeiter haben kein Schwein gehabt

16.10.2020

Oldenburg Die junge Regisseurin Yulia Lokshina schreibt zwar in Ihrer Ankündigung des Films „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“, dass ihr mit dem Max-Ophüls-Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichneter Film einen erschreckenden Einblick in den Alltag der Fleischindustrie gibt, „Tote Tiere sind nicht aber nicht zu sehen“, schreibt sie. Vielmehr lässt sie die Arbeiterinnen und Arbeiter ebenso zu Wort kommen wie Kritikerinnen Kritiker der Fleischindustrie.

Fragen der Moral

Die Premiere fand am Mittwoch im Casablanca statt. Der Film entsandt im Jahr 2017, also vor dem Riesendebakel in der Fleischindustrie. „Regeln am Band“ ist ein hochaktueller Film über den Zustand der Arbeit und Fragen der Moral. Parallel dazu zeigt sie Münchenerin eine Gruppe von Abiturienten, die das Stück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ (Bertold Brecht, 1929/1930) proben und über die deutschen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu sprechen.

Verwoben mit den Gedankengängen der Jugendlichen und ihrer Auseinandersetzung mit dem Text in den Proben, erzählt der Film in unterschiedlichen Fragmenten über Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland. Schauplätze sind Orte im Oldenburger Land und Rheda Wiedenbrück. Das bekannte Tönnies-Logo mit den drei lachenden Tieren schwirrt durchs Bild, manchmal auch ein Viehtransporter.

Kein Einblick ins Innere

Kein Einblick ins Innere der Schlachtfabriken: „Ich möchte vielmehr die Menschen ansprechen, die sich für die notleidenden Menschen in den Fabriken einsetzen sollen“, so die Regisseurin in der anschließenden Diskussion. Die Beispiele, die im Film gezeigt werden, sind erdrückend. Um pünktlich bei der Arbeit zu sein, fährt ein Mitarbeiter mit einem Kollegen um ein Uhr nachts los und ist bereits um drei Uhr im Betrieb. Der Arbeitsbeginn ist aber erst um sechs Uhr. Die Zeit bis zum Arbeitsbeginn verbringt er irgendwo in der Fabrik.

Durch die gleichzeitigen Szenen aus der „Heiligen Johanna“, entstehen massive Vorwürfe gegen den Kapitalismus und den gesellschaftlichen Verhältnissen in unserem Land. „Die Reichen bezahlen nur Steuern, um die Polizeieinsätze bei den Demos zu finanzieren“, heißt es in dem Stück, das geprobt wird.

Integration unmöglich

Durch einen 17 Stunden Tag am Band wird deutlich, dass Sprachunterricht gar nicht möglich ist und eine Integration verhindert wird. Sehr kritisch werden die Behausungen gezeigt. Heruntergekommene Container und Campingwagen.

Eine zu Herzen gehende Geschichte im Film ist die Tochter von Michaela. Ihr Kind hat sie in einer Garage entbunden. Total desorientiert, weil sie nicht weiß wohin mit dem kleinen Kind. Sie wählt ein Gebüsch, wo sie das geborene Kind ablegen kann. Nach der Geburt geht sie mit einer Betreuerin noch einmal die ganze Strecke ab. Von der Garage zur „Ablagestelle“. Von der Regisseurin sehr gut als „Traumatherapie“ gedacht.

Tönnies und Meyer Werft

Daniela Reim von der Beratungsstelle für Mobile Beschäftige ist selbst Rumänin und seit vielen Jahren in Deutschland. Sie kennt einige Firmen, die nicht so ganz ordentlich mit den Migrantinnen und Migranten arbeiten. Neben Tönnies ist es auch die Meyer Werft in Papenburg. „Inzwischen gibt es überall einigermaßen vernünftige Arbeitsverträge, aber das war lange nicht so“, Reim.

Beim Verlassen des Kinos war eine große Betroffenheit des Publikums zu spüren. Die Arbeit der jungen Regisseurin wurde mit Applaus gewürdigt.

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