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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Gastrokritiker Gustol Schaut Sich Um: Alles corona-korrekt in Oldenburgs Gastronomie?

12.05.2020

Oldenburg „Mensch, GustOL – dass man dich für einen Restaurantbesuch überreden muss, hätte ich mir auch nicht träumen lassen“, drängelt mein Chef leicht durchs Telefon. Eigentlich wollte ich mir ja noch ein paar Tage Zeit mit meinem ersten Ausgang lassen, denn ein kleiner Corona-Schisser bin ich ja schon. Allerdings gibt es wohl keine Branche, für die ich mich so sehr freue, wie für die Gastronomie, die wohl am härtesten von den Corona-Beschränkungen betroffen ist. Also auf, und gucken, wie das nach dem Lockdown in Oldenburg wieder anläuft.

Gestern Abend habe einen Tisch bei „Mamma Mia“ für 12 Uhr reserviert. Am Telefon hat mich ein Kellner darauf hingewiesen, dass das Amt noch vorbeikommen will, und er nicht versprechen könnte, ob alles so auch klappt. Man spürt: Die Verunsicherung ist noch da, nach diesem harten Eingriff durch Virus und Regierung. Ich gab ihm meine Telefonnummer, höre bis heute aber nichts mehr.

Aber bitte mit Maske

Auf dem Weg zum Restaurant schießen mir viele Gedanken durch den Kopf. Wird denen jetzt die Bude eingerannt? Ist es eigentlich corona-korrekt, mich jetzt wieder unter die Leute zu mischen? Ich laufe über eine Ampelkreuzung und ein Mann, der mir entgegenkommt, muss plötzlich laut husten. Die Frau neben ihm macht mit aufgerissenen Augen einen Sprung zur Seite. Ich zucke kurz, bemerke aber den mächtigen Gilb in seinem grauen Bart. Klassischer Fall von Raucherhusten, denke ich. Doch trotzdem: Corona ist und bleibt gegenwärtig.

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Vor dem „Mama Mia“ wartet Kollegin Nicki, die mich heute begleitet, und hält mir schon eine Flasche Handdesinfektion hin, die dort für die Gäste steht. Durch die Glastür kann man sehen, dass alle Kellner, die dort rumwirbeln, einen Mundschutz tragen. Den Klassiker: die hellblaue OP-Maske. Wir überlegen kurz, setzen unseren aber nicht auf. Macht wohl nichts, denn wir werden ohne besonderen Hinweis zu unserem Platz gebracht.

Mir fällt auf: Wo sonst im „Mamma Mia“ alles dicht an dicht steht und man selten mehrere freie Plätze sieht, ist jetzt alles recht luftig. Einige Tische, die außer Betrieb sind, dienen jetzt als Dekoständer für Blumen, Gefäße oder eine Art Präsentkörbe. Die Kellner sind hier immer noch flott unterwegs, legen aber kurz vor den Tischen beinahe eine Art Vollbremsung hin. Die restlichen anderthalb Meter werden dann recht langsam zurückgelegt. Vorsichtig reichen Hände in Einweghandschuhen Speisekarten, Besteck – später dann Getränke und Essen.

Der Chef schaut nach dem Rechten

Nach rund einer Viertelstunde scheint das Regime in Punkto Masken nicht mehr so locker zu sein. Zwei Erwachsene mit Kind, die munter reinmarschieren, werden freundlich darauf hingewiesen, ihren Mundschutz aufzusetzen. Dahinter folgen zwei Männer in Anzügen, die vorbildlich maskiert das Restaurant betreten und in einigen Metern Sicherheitsabstand neben uns Platz nehmen. Als sie die Masken abnehmen, muss ich schmunzeln und flüstere zu Nicki: „Hier kontrolliert wohl noch der Chef persönlich“. Sie grinst wissend – es ist Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der gerade die Speisekarte studiert.

Auch wenn sich vieles geändert hat, eines nicht: Die Pizza bei „Mamma Mia“ ist immer noch klasse. Diesmal sogar noch besser, denn sie war wohl einen Tick länger im Ofen. Der Rand ist etwas dunkler, knuspriger, röstaromatischer. Und auch bei Nickis Salat gibt es nichts zu meckern. Nach dem Essen bittet uns der Kellner noch, unsere Kontaktdaten in einen Block zu schreiben. Das sei jetzt Pflicht. „Aaah, endlich darf ich mich ins Goldene Buch eintragen“, scherze ich. Beim Bezahlen zücke ich gewohnheitsgemäß das Bargeld – überlege kurz ob ich doch die Karte nehmen soll – lasse es aber dabei. Kein Protest.

Als wir herausgehen, bemerke ich, dass auch die Köche alle Mundschutz tragen. Die Armen. Mir reicht es schon, wenn ich das Ding eine halbe Stunde im Supermarkt aufhabe, so stickig-nervig empfinde ich es. Und sie müssen die Masken die ganze Zeit hinter dem heißen Ofen tragen.

Noch viele Plätze frei

Den Nachtisch in Form von Kaffee und Kuchen nehmen Nicki und ich im „Florian Grand Café“ ein. Hier werden wir schon gleich am Eingang gebeten, uns ins „Goldene Buch“ einzutragen und unsere Masken aufzusetzen. Name und Telefonnummer sind schnell notiert, und schon werden wir zu unserem Platz geführt. Auch hier das gleiche Bild. Alles schön mit Abstand, alle Servicekräfte tragen den hellblauen OP-Mundschutz. Wie im „Mamma Mia“ werden hier die Plätze nach dem Abräumen noch einmal desinfiziert und nicht nur abgewischt, wie in der Vor-Coronazeit. Auch für das „Florian“ habe ich im Vorfeld sicherheitshalber eine Reservierung gemacht, aber das wäre wohl gar nicht notwendig gewesen. „Wenn noch Plätze frei sind, lassen wir Gäste auch so rein“, sagt eine Kellnerin. Eine Reservierung wird laut Verordnung zwar empfohlen, sei aber nicht Pflicht.

Nachdem ich Nicki draußen verabschiedet habe, gehe ich noch etwas durch die Innenstadt und schaue spontan in Läden rein. Natürlich mit Maske. Ich frage unter anderem im „Woyton“ und im „Celona“, ob ich spontan eintreten könne. Jedes Mal gab es eine positive Antwort, denn viele Plätze sind in den Gaststätten noch frei. Ob es an der Mittagszeit liegt – oder am kalten Wind, der heute durch Oldenburg fegt: Trotz wochenlangem Lockdown haben die Leute nicht gleich Gaststätten gestürmt. Viele sind wohl doch geduldiger, vorsichtiger und verständnisvoller als man denkt.

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