• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Chinesische Hilfe im Oldenburger Pflegenotstand

20.10.2017

Oldenburg „Unser System ist implodiert“, sagt Johannes Josefiok. Er ist Leiter des Seniorenwohnstifts Kreyenbrück – und hat sich der schwierigen Situation in der Pflege gestellt, mit einer guten Idee und asiatischer Hilfe. Vier junge Menschen aus China werden derzeit in den Oldenburger Hansa-Einrichtungen am Küstenkanal und in Kreyenbrück ausgebildet. Ein junger Herr beginnt in wenigen Tagen, zwei junge Frauen aus China werden im Dezember zur Ausbildung erwartet. Gemeinsam mit den 60 weiteren Mitarbeitern sollen sie sich um die Pflege alter und älterer Menschen kümmern, und hier auch künftig zum festen Mitarbeiterstamm gehören.

„Wir haben einen großen Bedarf in der Alten- und Krankenpflege“, bestätigte Arbeitsagentur-Chef Dr. Thorsten Müller am Donnerstag. Zahlreiche Stellen in der Pflege können zurzeit nicht besetzt werden. „Wir müssen alles tun, um den Bedarf zu decken.“ In den Heimen und im Sozialwesen gab es in Oldenburg im September 132 offene Stellen, im Gesundheitswesen 98 freie Stellen.

Letztlich entstehe in diesem Bereich „ein Riesenmarkt“, der auch für chinesische Pflegekräfte attraktiv sei, so Müller. Die Arbeitsagentur unterstütze und befürworte es, sich dort zu verstärken. Aus Osteuropa seien bereits Pflegekräfte hier tätig. Zurzeit seien es noch „eher wenige“ aus China, Oldenburg habe über seine partnerschaftlichen Beziehungen dorthin aber möglicherweise gute Chancen. Nötig seien in jedem Fall „Aufschulungen in der Sprache, auch in der spezifischen Sprache für Pflegekräfte“ sowie „eine Zertifizierung als Fachkraft auf deutschen Niveau“. Sie brächten allerdings „eine gute Grundlage und auch entsprechende Erfahrung bereits mit“. Innerhalb eines Jahres könnten sie sich hier für den Fachkräfteabschluss qualifizieren.

Von Idee zur Dauerlösung

Liegt die Zukunft der Altenversorgung und -betreuung also einfach nur 7500 Kilometer entfernt? Vor gut drei Jahren war es für Johannes Josefiok noch ein Gedankenspiel, jetzt aber scheint der Austausch zur Dauerlösung ausgereift, folgt man seiner Vision. „Wir übernehmen alle Auszubildenden", sagt er. Und: „Das ist eine Riesen-Chance für uns."

Ganz ähnlich scheint man es auch im weit entfernten Osten zu sehen. Dort erwartet man bei verschiedenen Bildungsträgern Ende Oktober Josefiok und Kollegen zu weiteren unterschriftsreifen Austausch-Vereinbarungen. In Zhengzhou, Qingdao und Peking, so Josefiok. In der Hauptstadt Chinas „sitzt das Mutterbüro des Ablegers aus Düsseldorf, mit dem wir zusammenarbeiten“.

In den geplanten Abkommen dürften wohl auch die Planungen Josefioks schriftlich fixiert werden. „Mittelfristig wollen wir einen Kurs für Altenpflege mit 16 bis 20 chinesischen Schülern anbieten“, sagt er, „aber auch zehn examinierte chinesische Krankenschwestern hier binnen neun Monaten zur Anerkennung bringen.“

Gewinn für alle Seiten

Harte Fakten, die allen Beteiligten nützen sollen. Nicht nur der hiesigen Pflegelandschaft und insbesondere Hansa, sondern auch den Weitgereisten selbst. „Alle erhalten bei uns Tariflohn“, so Josefiok. Und eben dies soll neben den weiteren Arbeitsbedingungen eine beachtliche Verbesserung sein, wie er sagt.

Warum China und nicht Arbeitskräfte aus anderen Landstrichen – personelle Möglichkeiten gäbe es ja schließlich? „Die chinesischen Kräfte sind lernbegeistert, haben keine aufgesetzte Freundlichkeit und sie haben Respekt vor dem Gegenüber, vor Älteren,vor der Kultur. Die Erziehung in China ist eine besondere.“ Mindestens im eigenen Hause und dem Umgang von Auszubildenden und Bewohnern zeige sich das immer wieder. Die Integration ist nicht in vollem Gange, sie sei in den vergangenen zwei Jahren längst erfolgt, so seine Einschätzung.

Alles spreche dafür, dem Fachkräftemangel auch mit den fremden Kollegen zu begegnen und nun auch „mit festen Zahlen aus China zurückzukommen“. Es sei an der Zeit, „weg von den reinen netten Delegationsbesuchen“ zu kommen und Fakten zu schaffen, „um im Pflegenotstand Gas zu geben“, heißt es.

Alles Aktuelle für Senioren im Nordwesten lesen Sie in unserem Senioren-Spezial.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2107
Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2110
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.