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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Bahn setzt erneut Fahrgäste vor die Tür

09.04.2018

Oldenburg /Hannover Das Problem ist bekannt, geändert hat sich nichts: Am Freitag wurden erneut Intercity-Passagiere im Hauptbahnhof zum Ausstieg gezwungen. Der Zug, der zwischen Emden und Leipzig verkehrt, war offenbar überfüllt.

Wie der 38 Jahre alte Augenzeuge am Freitagabend der NWZ berichtet hatte, forderte die Zugbegleiterin die Fahrgäste zunächst auf, den Zug zu verlassen und stellte ihnen einen Gutschein in Aussicht. Weil die Resonanz nicht so groß war, so berichtet der Oldenburger, seien in einer zweiten Durchsage Reisende im Nahverkehr aufgefordert worden auszusteigen. Die Polizei sei angefordert worden; der Zug werde ansonsten geräumt. Aufgrund der „recht harschen Drohung“ hätten die meisten Passagiere, die den Zug im Rahmen des Nahverkehrs nutzen wollten, den IC tatsächlich verlassen. „Der Zug war danach ausgesprochen leer“, berichtete der Bahnkunde, der auf dem Weg nach Magdeburg war, der NWZ. Sicherheitsdienst-Mitarbeiter hätten die Eingänge nach dem Ausstieg der Passagiere bewacht. Der Zug, planmäßige Abfahrt 15.35 Uhr, habe Oldenburg mit gut zehn Minuten Verspätung verlassen.

„Sicherheitsgründe“

kommentar

Das ist keine

Lösung

Die Idee, IC-Züge auch für den Nahverkehr zu öffnen, ist prinzipiell gut. In der Praxis läuft die Kombination von Fern- und Nahverkehr zwischen Oldenburg und Bremen aber schlecht.

Wenn Bahn und Land anbieten, dass Kunden ohne Zuschlag Intercity-Verbindungen nutzen können, müssen sie auch die Kapazitäten dafür schaffen. Denn wenn mehr Fahrgäste kommen als Plätze da sind, entstehen nur Verwirrung und Ärger – so wie an diesem Wochenende. Andernfalls darf den Nahverkehrskunden der IC erst gar nicht schmackhaft gemacht werden.

Es dürfte eine Frage des Geldes sein: Wenn das Land die Deutsche Bahn entsprechend bezahlt, könnte das IC-Angebot wachsen. Oder aber die Nordwest-Bahn würde ihre Taktung im Nahverkehr ausbauen.

Wir reden viel über attraktivere Bahn- und Busangebote. Der Engpass zwischen Oldenburg und Bremen ist ein Beispiel. Hier müssen Bahn und Land handeln.

Nach dem Bericht am Samstag auf NWZonline.de meldete sich eine Passagierin, die am Samstag aus einem überfüllten Intercity (Abfahrt Oldenburg 13.35 Uhr) aussteigen musste. Alle Fahrgäste mit Nahverkehrsticket oder ohne Sitzplatzreservierung seien gebeten worden, den Zug zu verlassen, berichtete die 28-Jährige aus der Wesermarsch der NWZ. „Offiziell wurde durchgesagt, dass der Zug aus Sicherheitsgründen geräumt werden müsse.“ Die Fahrgäste seien aufgefordert worden, die nächstmögliche Verbindung der Nordwest-Bahn nach Bremen nehmen.

Eine Freundin und sie seien nach dem Hinweis auf die Sicherheit freiwillig ausgestiegen, sagte die Bahnkundin, die auf dem Weg nach Hannover war. Am Bahnsteig habe „Verwirrung und Unverständnis“ geherrscht. Mit der Polizei sei nicht gedroht worden. Der IC sei mit 15 Minuten Verspätung und deutlich weniger Fahrgästen abgefahren.

In den sozialen Netzwerken löste der Bericht von NWZonline ein lebhaftes Echo aus. Dabei wurde Kritik an der Deutschen Bahn laut. Einige Nutzer verwiesen aber auch auf die Nordwest-Bahn, die bis Bremen doch nur wenige Minuten länger unterwegs sei als der IC.

Bereits in der Vergangenheit hatte Bahnpersonal Fahrgäste in Oldenburg gezwungen, einen überfüllten Intercity zu verlassen. So war im August 2016 die Bundespolizei eingeschritten; 70 Fahrgäste mussten aussteigen.

Hintergrund der Probleme ist, dass bestimmte IC-Verbindungen zwischen Emden und Bremen zuschlagsfrei sind. Die Landesnahverkehrsgesellschaft hat eine entsprechende Vereinbarung mit der Deutschen Bahn getroffen. Der Nahverkehr sollte in Stoßzeiten entlastet werden.

„ICs nur eine Ergänzung“

Am Wochenende waren keine Reaktionen von Bahn oder Landesgesellschaft erhältlich. In der Vergangenheit hatte die Bahn betont, sie erfülle die Vorgaben des Landes. Es sei zudem unwirtschaftlich, zusätzliche Waggons an betroffene ICs anzuhängen. Denn der Bedarf bestehe lediglich zwischen Oldenburg und Bremen; die restliche Strecke würden die Kapazitäten nicht benötigt.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft hatte damals auf Nahverkehrsangebot zwischen Oldenburg und Bremen verwiesen. „Wir wollen natürlich nicht, dass diese Angebote, die ebenfalls eine schnelle Verbindung bieten, weniger gefragt sind“, hatte ein Sprecher nach einem früheren Zwischenfall erklärt. Die IC-Züge seien lediglich „als Ergänzung“ gedacht.

Christoph Kiefer
Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2101

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