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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Insektengift in Dachböden – Hohe Schadstoffwerte verheimlicht?

13.08.2018

Oldenburg /Hannover Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) soll den Mietern einer Oldenburger Siedlung besorgniserregend hohe Werte von krebserregenden Holzschutzmitteln verheimlicht haben. In der sogenannten „Englischen Siedlung“ im Stadtteil Alexandersfeld seien in den Dachböden sehr hohe Mengen des Insektengiftes Lindan nachgewiesen worden. Das berichtet das NDR-Fernsehmagazin „Hallo Niedersachsen“. 95 der 97 kleinen Häuser seien bewohnt. Die Mieter haben jetzt Strafanzeige gegen die Verantwortlichen gestellt, nachdem ihnen ein Gutachten anonym zugespielt worden sei. Der Vorwurf: vorsätzliche Körperverletzung durch Unterlassen.

Ein Gutachter, der die Statik der Dachstühle für Bima prüfen sollte, habe dort bereits Ende April Belastungen durch Holzschutzmittel vermutet. Er habe in neun Dachstühlen Holzproben genommen, in denen ein Labor zum Teil extrem hohe Lindanbelastungen gefunden habe. Experten sprechen dem Sender zufolge ab 100 Milligramm pro Kilogramm Holz von einer sehr hohen Belastung. In einer Probe seien 891 Milligramm pro Kilogramm Holz gefunden worden.

Wohl alle Dachböden kontaminiert

Der Gutachter sei zu dem Schluss gekommen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Dachböden der Siedlung kontaminiert sind. Die Räumlichkeiten sollten deshalb nicht mehr betreten werden. Alle Gegenstände, die dort lagerten, stellten eine Gesundheitsgefahr dar. Die Gefahr gehe vom Staub aus, der beim Betreten der Böden aufgewirbelt und eingeatmet würde. Schon beim Öffnen der Bodenluken drohe kontaminierter Staub in die Wohnräume zu gelangen.

„Wir sind entsetzt, wütend und sehr enttäuscht von unserem Vermieter“, sagt Rebecca Jahn aus dem Vorstand der Interessengemeinschaft „Englische Siedlung“, in der sich rund 60 Mietparteien zusammengeschlossen haben. Die Bima habe die Mieter bis heute nicht über die Risiken informiert. „Wir wollen, dass da jetzt aufgeräumt wird“, sagt sie: „Eigentum verpflichtet – hier leben Menschen zum Teil mit kleinen Kindern.“

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Jahn, die seit mehr als zehn Jahren in der Siedlung lebt, berichtet, viele Mieter würden seit langem über vermehrtes Husten und eine auffällig hohe Staubbelastung klagen. Im nächsten Schritt würden die Mieter nun einen Anwalt einschalten und mögliche zivilrechtliche Schritte prüfen. Die Bima müsse nun die betroffenen Häuser sanieren. Für Jahn und die meisten anderen Mieter steht fest: „Wir wollen hier nicht weg.“

Die Bima habe auf Nachfrage mitgeteilt, sie habe erst die Ergebnisse eines zweiten Gutachtens abwarten wollen, um die Bewohner nicht unnötig zu verunsichern, berichtet der NDR. Das zweite Gutachten habe ergeben, dass es in der Raumluft keine gesundheitsbedenklichen Lindanwerte gebe, wohl aber, dass der Staub in den Dachstühlen belastet sei.

Die Bundesanstalt besitzt nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 36 000 Wohnungen und Häuser, die zum größten Teil an Staatsbedienstete vermietet werden. Die Behörde könne derzeit nicht ausschließen, dass weitere Siedlungen oder Gebäude belastet seien, hieß es. Der Bestand solle nun geprüft werden.

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Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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