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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Gebäude ist brüchiger, als die Polizei erlaubt

08.01.2019

Oldenburg Dieser „Fall“ könnte die Polizei weitaus länger beschäftigen, als es dem Staatlichen Baumanagement recht ist: Wie erst jetzt auf NWZ-Recherche bekannt wurde, sind am 29. Dezember gleich zwei faustgroße Steinbröckchen aus der Fassade des Staffelgebäudes am Friedhofsweg gebrochen und zu Boden gefallen. Personen kamen dabei zwar nicht zu Schaden, trotzdem hat die Behörde reagiert und an für Mitarbeiter und Besucher potenziellen Gefahrenstellen Absperrband gespannt, das Gelände so vorsorglich gesichert.

Noch in dieser Woche soll nach NWZ-Informationen ein Sachverständiger die betroffene Fassadenplatte aus Waschbeton – die Abplatzungen ereigneten sich auf der rückwärtigen Seite des Turms, am Durchgang zur Kraftfahrzeughalle, in einer Höhe von etwa drei Metern – aber auch weitere Teile der Fassade genauer unter die Lupe nehmen. „Untersuchungsmethode und -umfang legen wir bei einem ersten Ortstermin gemeinsam fest“, heißt es jetzt aus dem Staatlichen Baumanagement (SB) Ems-Weser, das für über 5000 Objekte zwischen Oldenburg, Aurich und Wilhelmshaven verantwortlich zeichnet. Erst nach diesem Prüftermin könne über mögliche bauliche Auswirkungen, auch finanzielle, informiert werden. „Eine Prüfung der Fassade hatten wir schon einmal vorgenommen“, sagt SB-Leiter Klaus Wieting, „das ist aber schon ein paar Jahre her – und war unauffällig.“

Wandernde Probleme

Unabhängig vom Ergebnis dieser Prüfung: Zahlreiche Mängel werden seit Jahren aus dem inneren Kreis angemahnt, der Sanierungsstau nicht minder – trotz knapp millionenschweren Umbaus vor zweieinhalb Jahren. „Mittelfristig muss da was passieren“, so sagte noch Polizeichef Eckhard Wache 2016 zur NWZ. Jetzt aber ist 2019 – und die Probleme gibt’s nach wie vor, verlagern sich nun offenbar vermehrt nach außen.

Bei den letzten Ausbesserungsarbeiten wurde in der Hauptsache die Wache umgebaut. Waffenkammer und Lüftungsanlage wurden in diesem Zuge gleich mitsaniert, einiges energetisch nachgerüstet, der „Heizkreislauf verbessert“, wie es hieß. Was man halt für etwa 800.000 Euro in einem rund vierzig Jahre alten und damals knapp 60 Millionen Mark teuren Gebäude so anstellen kann.

130.000 Euro gab es damals zusätzlich vom Land, um asbestbelastete Dichtschnüre und andere Schadstoffe entfernen zu lassen – aus der Lüftungsanlage und einzelnen Bauabschnitten. Von Vollständigkeit kann man da nicht sprechen. Zumal im Gebäude (wie in vielerlei derartigen Liegenschaften) bekanntermaßen aufgrund einer möglichen Asbest-Belastung seit Jahren nur noch Profis Bohrungen und Arbeiten am Putz vornehmen dürfen.

All dies lässt zumindest vermuten, dass von der Außenhaut abgeplatzte Steinchen nicht das einzige Problem am Staffelbauwerk sind. Unter anderem ist ein zweistelliger Prozentsatz an Fenstern im Gebäude nicht mehr funktionstüchtig, lässt sich nicht mehr öffnen.

Noch mehr Fenster sind undicht, fast alle sind „wunderbare Kälte- und Wärmebrücken“, wie es heißt. Das gehe so weit, dass bei entsprechenden kalten Stürmen Kollegen „mit Heizlüfter oder Anorak“ im Büro sitzen müssen“. Das ist energetisch natürlich höchst kontraproduktiv. Aber: Hersteller und Ersatzteile dieser Fenster seien lang passé, die Hausmeister behelfen sich entsprechend.

„Nicht beunruhigend“

Immerhin: Nach NWZ-Informationen ist eine Sanierung der Fenster offiziell angemeldet; „passend“ dazu scheint nun also auch die Fassade zu bröckeln. Sprich: eine umfassende Außensanierung würde jetzt mehr Sinn denn je machen. Die schweren witterungsanfälligen Waschbetonplatten müssten entfernt werden und würden wohl nicht wieder angebracht – eine Sanierung im großen Stil also, rein behördlich sicher kein Schnellschuss. Und der jüngste Vorfall sei überdies „nichts, was wahnsinnig beunruhigt“, so Polizeichef Eckhard Wache. Am Montag hatten Gerüstbauer bereits ein Überdach im rückwärtigen Bereich installiert, mit Netzen würden später weitere Stellen gegen – möglicherweise herabfallende Teile abgesichert. Der Dienstbetrieb sei nicht beeinträchtig, die Benutzung des Haupteingangs – also dort, wo das rot-weiße Absperrband seit einigen Tagen vorsorglich flattert – für Bürger „in gewohnter Weise möglich“, heißt es aus dem Staatlichen Baumanagement.

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Vernachlässigt

Eineinhalb Kilometer weiter Richtung Innenstadt steht ein anderes prominentes Beispiel für Altersfolgen am Bau. Das Finanzamt an der 91er Straße wurde zwischen 1974 und 1977 gebaut, das stark asbestbelastete Gebäude weist „gravierende Betonschäden an den Fassadenplatten und Außenstützen auf“, heißt es. Mitarbeiter hatten schon früher über Unzufriedenheit geklagt. Jetzt wird der Turm Geschichte. Abrisskosten? 15,5 Millionen Euro. Die Bauplanung für den kleinen Zwilling nahe Pferdemarkt sei trotz zeitlicher Nähe des Bezugstermins (Finanzamt 1977, Polizei 1982) schon damals zehn Jahre älter gewesen. Dort problematische Aufhängungen seien am Friedhofsweg nicht eingesetzt worden, auch bestünde das „Skelett“ des Gebäudes aus anders postierten Pfeilern – die Tragfähigkeit sei hier nicht gefährdet. Nur eben die Laune der hiesigen Mitarbeiter: Manche sprechen von der „nötigen Abrissbirne“, andere von „Flickwerk“, das „in fünf bis zehn Jahren eh durch ist“.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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