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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Als die Trinkerfürsorgestelle Geburtstag feierte

11.12.2017

Oldenburg Nichts ist so spannend wie die Geschichte einer Stadt. Und gleichermaßen so amüsant. Wer durch die Jahrhunderte alten und längst vergilbten Gemeindeblätter der Stadt Oldenburg stöbert, entdeckt dort zwischen den Zeilen Ereignisse und Beschlüsse, die sich bis in heutige Zeiten ausgewirkt haben. In unserer Serie, die in loser Folge veröffentlicht wird, stellen wir die außergewöhnlichsten oder auch nachhaltigsten Einträge eines ganzen Jahres vor. Heute: das Jahr 1909.

Büchereibesuche

„Der Verein Lese- und Bücherhalle war auch im vorigen Jahre bestrebt, die Lese- und Bücherhalle weiter auszugestalten und allen berechtigten Anforderungen zu genügen. In der Lesehalle wurden eine englische Zeitschrift (Family Herold), eine amerikanische (The Outhing), sowie eine französische (Les Annales) neu ausgelegt; auf einem besonderen Tische wurden Jahresberichte oldenburgischer Vereine, Schule, Anstalten, sowie Schriften, die Tagesfragen behandeln, ausgebreitet und an der Wand, dem Eingange gegenüber, eine Uhr angebracht: Die Lesehalle wurde auch in diesem Jahre aus allen Kreisen unserer Stadt fleißig besucht; abends war es oft so voll, daß kein Stuhl mehr zu haben war. Daß in einer Anstalt, die von morgens neun bis abends zehn Uhr jedem zugänglich ist, ohne daß Aufsicht geübt wird, nicht immer alle Besucher die nötige Rücksicht auf einander nehmen, daß der eine etwa mit brennender Zigarre kommt, der andere wohl gar einen Hund mitbringt, ist kein Wunder. (...) Leider ist es auch in diesem Jahr wieder vorgekommen, daß Zeitungen und Zeitschriften beschädigt oder gar entwendet wurden. Dadurch erwachsen dem Verein nicht nur Unkosten, sondern der Vorstand muß auch vor dem Ausstellen einer Handbibliothek Abstand nehmen. Die Benutzung der Bücherhalle war auch in diesem Jahre sehr stark. Es wurden 1036 Lesekarten ausgestellt und zwar an 286 weibliche und 750 männliche Personen. Die Übersicht über die Gesamtzahl der Ausleihe 1908: 34 158, davon schöne Literatur und Unterhaltung 30 130. Aus dieser Übersicht ergibt sich die außerordentlich starke Benutzung unserer Bücherei.“

Wälle und Graben

„1. Die Hausfideikommiß-Direktion überträgt als Verwalterin des vorbehaltenen Krongutes an die Stadt Oldenburg das Areal des sogenannten alten Festungsgrabens (...) unter folgenden Bedingungen: Auf dem abgetretenen Areal und in der näheren Umgebung desselben dürfen keine industriellen, oder Auge, Ohr und Geruch belästigenden Anlagen errichtet werden. Auch sind keine Wirtshäuser zugelassen. (...) 2. Die Hausfideikommiß-Direktion überträgt als Verwalterin des vorbehaltenen Kronguts das Areal der die innere Stadt umgebenden Wälle, mit Ausnahme des Paradewalles, mit allen darauf ruhenden Rechten und Pflichten (...) unter folgenden Bedingungen an die Stadt: (...) Die Stadt verpflichtet sich, die Wallanlagen stets in gutem Zustande und mit gärtnerischem Schmuck versehen zu erhalten, sowie Bauten auf demselben nur mit Zustimmung seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs zuzulassen, ausgenommen Blumenpavillons, Anschlagsäulen, Denkmäler und ähnliche kleine Bauwerke, auch Bedürfnisanstalten. Die Reitwege sind zu erhalten.“

Alkoholismus

„Die städtische Trinkerfürsorgestelle blickt am 1. Juni auf ein einjähriges Bestehen zurück. Sie steht unter der Leitung des Stadtsyndikus. Die wesentliche praktische Arbeit liegt in den Händen von Fräulein Frieda Lübsen, die für dieses Amt gegen Gehalt angestellt ist. (...) Die Fürsorge beruht auf dem Grundsatze unbedingter Freiwilligkeit. Sie tritt also nicht ein, wenn eine Familie sich ernstlich dagegen sträubt. Durch öfters wiederholte Besuche wird versucht, in der Hausordnung und der Hauswirtschaft die Interessen der Angehörigen zu wahren und auf den Trinker selbst moralisch einzuwirken. (...) Immer aber ist zunächst das Ziel, durch geeignete Vorstellungen, allenfalls durch polizeiliche Vorladung, eine Aenderung in dem Lebenswandel des Trinkers zu erreichen. Ein Mittel, das einen großen Schritt auf dem Wege zur Besserung bedeutet, besteht zum Beispiel in der Herbeiführung einer Verständigung dahin, daß der Arbeitgeber des Trinkers den Arbeitslohn ganz oder zum Teil an die Helferin oder an einen Familienangehörigen ausbezahlt. Die Trinker werden nach Möglichkeit dem Guttemplerorden zugeführt. (...) Immerhin darf gesagt werden, daß die Erfolge der Fürsorgearbeit bisher über Erwarten günstig sind und daß sie einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft gewähren.“

Sehen Sie historische Fotos aus Oldenburg in unserem Spezial „Stadtgeschichte Oldenburg“.

Gaswerk

„Auch in diesem Betriebsjahre hat der Gaskonsum wieder erfreulich zugenommen. (...) Die Steigerung in der Gasabgabe fällt im wesentlichen auf den bezahlten Privatkonsum, doch ist auch der eigene Bedarf der Stadt für Straßenbeleuchtung gestiegen, da 142 neue Straßenlaternen aufgestellt wurden. Bei der Leuchtgasabgabe ist leider ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen. (...) Es ist dies wohl in erster Linie auf den im October 1908 eingeführten 8 Uhr Ladenschluß, sodann aber auch auf die Ausbreitung des elektrischen Lichtes, die allgemeine Geschäftsflauheit und zu einem Teil auf die Verwendung sparsamer Brenner zurückzuführen. (...) Das Beleuchtungsgebiet umfaßt außer der Stadt und dem Stadtgebiet Oldenburg noch einen Teil der Gemeinde Eversten und einen Teil der Gemeinde Ohmstede. Das mit Gas versorgte Gebiet hat annähernd 32000 Einwohner. (...) Zur Gasbereitung wurden im Ganzen 8 988 990 kg Kohlen verarbeitet.“

Stadtbeleuchtung

„Am 1. Mai 1909 waren vorhanden: 749 Abendlaternen in Oldenburg, 402 Nachtlaternen in Oldenburg, 20 Abendlaternen in Eversten, 51 Abendlaternen in Ohmstede, 47 Abendlaternen im Stadtgebiet, 42 Tariflaternen in Oldenburg. (...) Auf 1000 Einwohner kommen in Oldenburg 41 Straßenlaternen. Sämtliche Laternen sind mit Gasglühlicht versehen, und es dienen größtenteils zur Beleuchtung Zahnradbrenner mit Zündflamme. (...) Die Abendlaternen brennen bis abends 11 Uhr, die Nachtlaternen die ganze Nacht. (...) Auf das ganze Rohrnetz verteilt, beträgt die durchschnittliche Entfernung zweier Laternen von einander 48,6 Meter. (...) Der Stadtrat wolle die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung für die Lange-, Achtern-, Heiligengeist-, Stau- und Schüttingstraße sowie für den Markt- und Kasinoplatz beschließen, sich damit einverstanden erklären, daß dem Herstellungswert des Elektrizitätswerks 15 666 Markt hinzugeschrieben werden und wolle 9500 Mark für Kandelaber und Masten bewilligen.“

Strafenstatistik

„Übersicht des städtischen Polizeiwachtmeisters, der Schutzleute und des Feldhüters: Festgenommen wurden wegen Diebstahls 44 Personen. Weitere Festnahmen wegen Unterschlagung (4 Personen), Sittlichkeitsverbrechens (1), Betrugs (3), Körperverletzung (2), Hehlerei (1), Widerstand (1), Sachbeschädigung (1) Bedrohung (3), gewerbsmäßiger Unzucht (2), Angabe falschen Namens (2), zufolge Aufforderung der Behörde (17), steckbrieflicher Verfolgung (29), Bettelns (89), Trunkenheit und Unfug (222), Obdachlosigkeit (374). (...) Außerdem der Behörde zur Anzeige gebracht wurden in diesem Jahr (Auszug): wegen Diebstahls 187 Personen, nächtlicher Ruhestörung (191), Straßenübertretung (520), Uebertretung der Fahrradordnung (432), Handel mit Torf (12), Beamtenbeleidigung (7).“

Was sonst noch war

„Kostenfreie  Abtretung des Areals des Lindenhofsweges an die Klosterbrauerei, soweit das Areal an die Gründe der Brauerei grenzt und Erwerb einer Grundfläche zur Verbreiterung der Ehnernstraße.“
 „Der Stadtrat wolle die Einführung des englischen Unterrichts bei den Stadtknabenschulen und des französischen Unterrichts bei den Stadtmädchenschulen zu Ostern 1910 beschließen (...)“
 „Der Stadtmagistrat Oldenburg verpachtet an den Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, Bezirksverein Oldenburg, für ein an der Ecke von Stau und Güterstraße als Kaffeeschenke zu errichtendes massives Gebäude einen Platz zur Größe von etwa 60 qm gegen eine jährliche, am 1. Mai jeden Jahres bei der hiesigen Stadtkämmerei zu zahlenden Pacht von 30 Mark.“

Weitere Jahrgänge der Oldenburger Gemeindeblätter finden Sie in unserem Online-Spezial „Zurück geblickt“.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

Weitere Nachrichten:

Bücherei | Ostern | Lambertimarkt

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