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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

„Die Mädchen sind sehr wählerisch“

18.12.2017

Oldenburg Nichts ist so spannend wie die Geschichte einer Stadt. Und gleichermaßen so amüsant. Wer durch die Jahrhunderte alten und längst vergilbten Gemeindeblätter der Stadt Oldenburg stöbert, entdeckt dort zwischen den Zeilen Ereignisse und Beschlüsse, die sich bis in heutige Zeiten ausgewirkt haben. In unserer Serie, die in loser Folge veröffentlicht wird, stellen wir die besondersten oder auch nachhaltigsten Einträge eines ganzen Jahres vor. Heute: das Jahr 1919.

Kinderheim

„Unser neues Kinderheim in Rothenfelde, das am 1. September 1917 in noch recht unfertigem Zustande erstmalig von unseren Kindern bezogen und sodann am 2. Mai 1918 endgültig in Benutzung genommen wurde, hat unseren hohen Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen. Der in der Zeit von Mai 1916 bis Juni 1918 ausgeführte Neubau ist infolge des Krieges natürlich viel teuerer geworden als veranschlagt und hat alles in allem 280000 Mark gekostet. (...) Der Verein [Oldenburgischer Verein für Kranken- und Kinderpflege, Anm. d. Red.] ist damit in den Besitz eines schönen und für seine Zwecke überaus praktisch eingerichteten Hauses gelangt, das den kurbedürftigen Kindern aus dem Herzogtum auf lange Jahre ein gutes Unterkommen sichert und das zur Hebung der Volksgesundheit erfolgreich beitragen kann. (...) Im fünften Kriegsjahre konnten trotz der mißlichen Ernährungsverhältnisse doch noch wieder 459 Kinder im Oldenburger Kinderheim aufgenommen werden (...) Auch in diesem Jahr bildeten nebst allgemeinen Ernährungsstörungen sowie allgemeiner Körperschwäche und Blutarmut die verschiedenen Formen der Skrofulose wieder das dankbare Heilobjekt bei der größten Mehrzahl der Kinder. (...) Gestorben ist von den erkrankten Kindern keins; dagegen hatten wir den von uns allen schmerzlich empfundenen Verlust der sehr tüchtigen und braven Krankenschwester Käthe Hüpers zu beklagen, die nach schon fast überstandener Grippe einer plötzlich eintretenden Herzlähmung am 20. Oktober zum Opfer fiel. (...) Wenn den Kindern auch im vergangenen regenreichen Sommer vielleicht etwas weniger als sonst die Möglichkeit gegeben war zu länger dauerndem Aufenthalt in den Waldungen, so war doch immer noch reichlich Gelegenheit gegeben zum Genusse der herrlichen frischen Waldluft.“

Müllabfuhr

„Zur Abfuhr von Müll, Asche und sonstigen Hausabfällen wird im Stadtgebiet ein Bezirk gebildet (...) Die trockenen Hausabfälle, als Müll, Küchenabfälle, Knochen, Asche, Schlacken, Glas, Scherben, kleine Metallstücke und dergleichen, sind für die Abfuhr in leicht zu befördernden Gefäßen (...) zu sammeln. Die Abfuhr des Sperrguts geschieht getrennt von der Abfuhr der übrigen Hausabfälle. Laub, Unkraut und sonstige Gartenabfälle von mäßigem Umfange, jedoch mit Ausschuss von Holz und Strauchwerk, werden abgefahren (...) Die Gefäße und Behälter müssen vollständig dicht, haltbar und mit Handgriffen sowie mit Deckeln versehen sein, dürfen bis zu ihrem oberen Rande nicht mehr als 50 Liter Inhalt haben und nicht über den Rand hinaus gefüllt sein. (...) Die jährliche Gebühr für die Abfuhr der Hausabfälle beträgt für jeden Haushalt 6 Mark.“

Arbeitslosigkeit

„Während die Zahl der Arbeitslosen Ende Januar 2435 betrug, war bis zur Mitte des Monats ein Steigen auf 3265 festzustellen. Grund für diese Erscheinung war lediglich das starke Frostwetter, das staatliche Notstandsarbeiten, Bau- und Erdarbeiten unmöglich machte. (...) Größere Arbeitsmöglichkeiten boten sich auf den verschiedenen Moorgütern, jedoch waren für Moorarbeit nur ganz vereinzelt Leute zu gewinnen. Als Grund ihrer Weigerung ins Moor zu gehen, gaben sie teilweise an, daß der Lohn zu niedrig sei, teilweise waren sie nicht gewillt, in Akkord zu arbeiten. (...) Delmenhorst hat immer noch die größte Zahl der Arbeitsuchenden, jedoch war am Schlusse des Monats auch hier eine Besserung festzustellen. (...) In der Landwirtschaft war eine steigende Nachfrage nach Arbeitskräften festzustellen. Im Holzgewerbe sind gute Möbeltischler sehr begehrt, während Bautischlern nicht in allen Fällen Arbeit nachgewiesen wurde. Bäcker und Schlachter konnten nach wie vor nicht untergebracht werden. An Schuhmachern und Schneidern herrschte immer noch empfindlicher Mangel. (...) Ein bedauerlicher Mangel herrschte an offenen Stellen für Lehrlinge. (...) Die Entlassung der Frauen und Mädchen aus den Fabriken bewirkte, sie sich mehr als bisher für häusliche Dienste zur Verfügung stellten. Jedoch wurde geklagt, die Mädchen inbezug auf Stellen sehr wählerisch seien, und daß abgeschlossene Dienstverhältnisse oft nach kurzer Dauer wieder gelöst würden. Die Abneigung der Mädchen, in die Landwirtschaft zu gehen, besteht fort, sodaß eine größere Anzahl von offenen Stellen für Mägde nicht besetzt werden konnte.“

Sparkasse

„Die für die Stadt Oldenburg errichtete Sparkasse führt den Namen ,Städtische Sparkasse Oldenburg i.O.’ und hat ihren Sitz in Oldenburg i.O. Sie will Gelegenheit geben, Ersparnisse sicher und verzinslich anzulegen und Darlehen zu erhalten. (...) Die Sparkasse besteht als eine selbständige Anstalt unter Gewähr der Stadt Oldenburg. (...) Alle Verbindlichkeiten der Sparkasse bilden eine städtische Lastd und werden als solche getragen, wenn jemals das eigene Vermögen der Sparkasse zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten nicht ausreichen sollte. Das Kassen- und Rechnungswesen der Sparkasse ist von dem Kassen- und Rechnungswesen der sonstigen Gemeindeverwaltung völlig getrennt zu halten. (...) Die Sparkasse nimmt Einlagen in Beträgen von mindestens einer Mark zur Verzinsung an, hat jedoch das Recht, unter Umständen die Annahme ganz oder teilweise zu verweigern, ohne zur Angabe von Gründen verpflichtet zu sein. Die Einlagen eines Sparer sollen den Betrag von 5000 Mark nicht übersteigen (...)“

Weitere Einträge

„Der Gesamtstadtrat wolle 1. den Erwerb des an der Wilhelmstraße Nr. 15 belegenen Hausgrundstücks von Fräulein Marie Hülsemann für einen Kaufpreis von 19500 Mark, zuzüglich 300 Mark Verkaufskosten, beschließen, 2. für den Umbau dieses Hauses und für die Einrichtung mit Betten, Wäsche und Möbeln bis zu 61500 Mark bewilligen und 3. zur Umzäunung des Wilhelmstraße Nr. 17 belegenen Absonderungshauses mit einer Planke 2500 Mark bewilligen.“
 „Für die Anschaffung eines automobilen Krankenwagens wurden bis zu 20000 Mark bewilligt.“ 
 „Der Stadtrat wolle sich damit einverstanden erklären, daß der als Bauzuschuss für den Neubau eines Kunstgewerbemuseums bewilligte Betrag von 30000 Mark zur Verwendung für die Einrichtung eines Kunstgewerbemuseums in einem vorhandenen Gebäude an die Landessparkasse ausgezahlt wird.“
 „Der Stadtrat wolle einen Ausschuss aus 5 Mitgliedern wählen, der im Einverständnis mit dem Magistrat und nach eingehenden Verhandlungen mit den Vorstehern aller einzelnen städtischen Betriebe, Bureaus und Verwaltungszweige prüft, ob, wo und in welcher Weise sich Ersparnisse im städtischen Haushalt erzielen lassen.“
 „Gesuch des Ziegenzuchtvereins, um Gewährung von Mitteln zu Prämien für die Ziegenschau. Als Zuschuss wurden von der Vertretung 50 Mark bewilligt.“
 „Der Gesamtstadtrat wolle 1. der anliegenden Vereinbarung mit der Verwaltung der Klävemannstiftung über die Errichtung von Mietshäusern zustimmen, 2. 295595 Mark für den Bau zweier Miethäuser mit Stallungen einschließlich der Kosten für die Bauleitung (...) bewilligen (...).


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Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

Weitere Nachrichten:

Delmenhorst | SV Bad Rothenfelde

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