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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Projekte in Oldenburg versetzen Naturschützer in Alarmstimmung

01.02.2018

Oldenburg Die Randbebauung des Weißenmoors in Ofenerdiek und die geplante Straße vom Fliegerhorst nach Wechloy: Es sind gleich zwei Bauprojekte, die die Oldenburger Umweltverbände an einen Tisch bringen.

Passender Ort des Pressegesprächs, das Umwelthaus hinter dem PFL. Denn es geht den Umweltverbänden nicht nur um diese beiden Projekte, es geht ihnen um die Natur im Ganzen, auch um ein lebens- und liebenswertes Oldenburg, beschreibt Nabu-Geschäftsführer Rüdiger Wohlers das Ziel. Dabei sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH), der Naturschutzbund (Nabu) und Oldenburgs ehrenamtlich arbeitender Beauftragter für den Naturschutz, Peter Janisch, nicht grundsätzlich gegen den Bau von Wohnungen oder einer Straße.

Das von etwa 100 auf über 200 Wohnungen angewachsene Bauvorhaben im Weißenmoor beurteilen sie als viel zu groß. Die geplante Verbindungsstraße vom Fliegerhorst nach Wechloy stellen sie auch nicht infrage, sie soll bloß an anderer Stelle gebaut werden, wo die wertvollen Biotope verschont bleiben. Die Trasse könnte am Heidbrook entlang und der BBS Wechloy vorbei Richtung Brookweg führen, schlägt Janisch vor. Rainer Buchwald (BSH) warnt davor, eine biologische Spange zu zerstören, die sich von Wechloy über den Fliegerhorst und Ofenerdiek bis zum Weißenmoor zieht. Dort leben vom Aussterben bedrohte Bergmolche, weiß der Biologe. Die nächsten Vorkommen gibt es erst wieder hinter Bremen und dann in den Mittelgebirgen, verweist er auf Oldenburg als einzigartigen Standort.

kommentar

Die Natur

schonen

Die Zeiten des lautstarken Protests sind vorbei. Unter dem Motto „Keine Straße durch die Bornhorster Wiesen“ demonstrierten Mitte der 80er Jahre Tausende gegen den Anschluss der Nordtangente an die Landesstraße 65 – letztendlich mit Erfolg. Protest artikuliert sich heute anders, sollte aber mindestens genauso ernst genommen werden. Im Internet existiert eine Petition gegen den Bau der Verbindungsstraße in Wechloy, die innerhalb von knapp zwei Monaten mehr als 1600 Unterstützer gefunden hat.

An der neuen Verbindung geht kein Weg vorbei. Die Stadt muss nun alle Kraft daran setzen, eine für die Natur möglichst schonende Lösung zu finden.

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Neben den Amphibien leben im Weißenmoor auch Libellen, seltene und vom Aussterben bedrohte Fledermausarten oder Laufkäfer. Die Bebauung werde auch den Grundwasserspiegel zum Nachteil der Pflanzen und Bäume senken, warnt Sabine Reimer vom BUND. Für den Ausbau der Straßen müssten Bäume gefällt werden, befürchtet sie weiter. Den Entwurf mit rund 100 neuen Wohnungen aus dem Jahr 2015 könne man zähneknirschend zustimmen, die doppelt so große und von SPD und CDU Ende 2017 gemeinsam vorgestellte überarbeitete Planung sei nicht zu akzeptieren.

Buchwald erinnerte daran, dass für einen Hausbau das Moor komplett auf dem Bauplatz abgeräumt werden müsse, um festen Baugrund zu schaffen. Dadurch würden klimarelevante Gase wie Stickoxide freigesetzt. Und überhaupt, die Luft: Das Weißenmoor gelte als Entstehungsgebiet für Frischluft. Buchwald: „Die vorgesehene Bebauung ist überdimensioniert und dem Stadtklima nicht zuträglich.“ In der Planung von 2015 seien 75 Hektar für den Landschaftsschutz ausgewiesen worden und zehn Hektar würden für die Bebauung geopfert. Die Zahlen hätten sich nun deutlich zuungunsten der Natur verschoben. Ohnehin vermisst Buchwald ein bodenkundliches und hydrologisches Gutachten.

„Die Grünflächen kommen in Bedrängnis, die Verbindungen zum Bürgerfelder Busch werden gekappt“, erklärte Janisch. Es würden Grenzen überschritten und das Niedermoor gnadenlos überbaut. Dabei gehe es nicht nur um den Naturschutz, sondern auch den Erhalt der Natur für die Bevölkerung als Erlebensraum. Und weiter: „Wir brauchen Grün in der Stadt für eine lebenswerte Zukunft.“

Allein durch den Bau einer 2,5 Kilometer langen Verbindungsstraße vom Fliegerhorst nach Wechloy durch die Wiesen werden 30 Hektar Natur zerstört, rechnete Reimer vor. Buchwald regte an, an einem Runden Tisch nach einer geeignete Straßenverbindung zu suchen. Die Umweltschutzverbände befürchten, dass nach dem Bau der Straße weitere Flächen in den Wiesen verloren gehen, die nach und nach in Bauland umgewandelt werden. Wohlers abschließend: „Die Stadt steht jetzt am Punkt zu entscheiden, ob es Wachstum um jeden Preis geben muss. Ist Wachstum ein Wert an sich?“

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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