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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Am Oldenburger Schloßplatz endet lange Tradition

15.12.2017

Oldenburg Am Schloßplatz geht wahrscheinlich eine Ära zu Ende: Fast 100 Jahre lang war unter der Hausnummer 14 ein Raumausstatter zu finden. Die letzten Geschäftsinhaber an dieser Adresse, Peter Fester und seine Frau Carola, setzen sich im März zur Ruhe. „Man merkt, dass man nicht mehr so belastbar ist wie früher“, sagt der 68-jährige Fester. „Irgendwann sagte mein Cousin in Berlin schließlich zu mir. Peter, kiek mal in deinen Ausweis.’ Da wusste ich, was er meinte.“

Mit dem Ratschlag schließt sich ein Kreis, denn über seinen Cousin kam der gebürtige Berliner zu seinem Beruf. „Mein Cousin war schon Raumausstatter und hatte unter anderem für die Queen gearbeitet“, erzählt Fester. „Da stand für mich schnell fest, dass ich sowas auch machen wollte.“ 1966 begann er in Berlin seine Lehre, zwei Jahre später hatte er den Gesellenbrief in der Tasche.

An illustren Kunden und Projekten sollte es ihm tatsächlich nicht mangeln. So legte er etwa eine Hundehütte mit Blattgold aus und gestaltete die Domizile damaliger Filmgrößen wie Sonja Ziemann und Ruth Leuwerik so wie des Traumschiff-Produzenten Wolfgang Rademann.

Nach Oldenburg führte ihn 1974 die Meisterschule. „Einen Tag nachdem ich hierher kam, habe ich meine Frau kennengelernt“, erinnert sich Fester. „Ich kam aus dem kaufmännischen Bereich, so haben wir uns auch beruflich gut ergänzt“, erklärt Carola Fester. 1980 machte sich Fester selbstständig, zunächst in der Alexanderstraße. 1983 übernahm er das seit 1919 am Schloßplatz ansässige Polstermöbel- und Dekorationsgeschäft Hermann Harms, das er noch zehn Jahre unter dem alten Namen weiterführte.

Spaß hat Peter Fester an seinem Beruf immer gehabt. „Jeder neue Kunde ist eine neue Herausforderung“, sagt er. „Man kommt zum Kunden in die Wohnung, das ist auch ein riesiges Vertrauen, was einem da entgegengebracht wird.“ Soviel Vertrauen bedeutet auch, dass er über mögliche prominente Oldenburger Kunden nichts verrät. „Dieter Bohlen hat jedenfalls noch nicht angerufen“, sagt er nur schmunzelnd.

Spaß hatte Fester auch als Lehrlingswart und als Vorsitzender in der Prüfungskommission der Raumausstatter- und Sattler-Innung Oldenburg. Zudem stand er der Innung viele Jahre als Obermeister vor. „In den Lehrlingsprüfungen hatte man es mit immer anderen Charakteren zu tun“, sagt Fester. „Gleichzeitig habe ich auch selbst immer neue kreative Impulse bekommen und so von den Prüflingen gelernt.“ Eine seiner eigenen Auszubildenden wiederum wurde 2003 als Bundessiegerin ihres Jahrgangs ausgezeichnet. Die dazugehörige Ehrung im Leipziger Gewandhaus war auch für die Festers ein besonderes Erlebnis.

Vieles hat sich auch verändert in den vergangenen Jahrzehnten. Unter anderem der Einrichtungsstil. „Früher war eine Ausstattung wirklich noch zeitlos“, sagt Fester. „Da hatte man Vorhänge, die nach 30 Jahren immer noch toll aussahen. Heute ist die Einrichtung vor allem puristischer geworden: Moderne Fenster ohne Vorhänge oder gar nackte, graue Betonwände sind heutzutage keine Seltenheit.“ Trotzdem sind seine Kunden ihm treu geblieben, sagt er – trotz boomenden Internethandels. „Einen Stoff in natura sehen und anfassen, das kann man nur im Laden. Und das schätzen unsere Kunden nach wie vor.“

Zumindest noch bis zum 31. März. Dann ist für Peter und Carola Fester Schluss. Ob es noch einen Nachfolger geben könnte, hängt auch vom Besitzer des Hauses ab, der das Geschäft neu vermieten wird. Um seine langjährigen Mitarbeiter Karsten Winter und Rieke Fruhner macht Fester sich keine Sorgen. „Die sind so gut, die werden ihren Weg machen“, sagt er. „Und wenn sie Unterstützung brauchen, sind wir da.“ Was er im Ruhestand machen wird, weiß er noch nicht genau. Aber: „Ich werde sicherlich nicht nur Hecken schneiden und Vogelhäuser bauen, sondern kreativ bleiben.“

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