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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Er kennt das ganz große Krabbeln

02.06.2018

Oldenburg Wenn Andreas Kemper auf seiner täglichen Tour an einer Tür klingelt, weiß er nie was ihn erwartet. „Da kann wirklich alles kommen. Manche Leute übertreiben maßlos, wenn sie sich bei uns melden und ich dann rausgeschickt werde. Ich bin aber auch schon angegriffen worden, weil den Leuten nicht gepasst hat, was ich zu sagen hatte“, berichtet der 51-Jährige.

Kemper ist gelernter Schädlingsbekämpfer und kommt immer dann zum Einsatz, wenn sich unbeliebte tierische Mitbewohner eingenistet haben. „Das fängt an bei Silberfischen und Brotkäfern und hört auf bei Ratten, Mardern und Schlangen“, berichtet er. Die NWZ hat ihn eine Zeit lang auf einer seiner Touren in Oldenburg begleitet.

Infos nicht immer korrekt

Kemper ist für den Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung Horst Drath in und um Oldenburg im Einsatz. „Ich habe zwar immer Vorinformationen, bevor ich losfahre, die stellen sich aber nicht in jedem Fall als wahr heraus“, erklärt der Schädlingsbekämpfer. An diesem Tag führt ihn die erste Tour in den Westen der Stadt. Der Bewohner eines Wohnblocks hat einen Ungezieferbefall gemeldet.

Kemper braucht nicht lange, um sich einen Überblick zu verschaffen und die Situation einzuschätzen: „Hier haben sich Ratten breit gemacht“, erklärt er, hockt sich neben die Hauswand und hebt einen Stein an, unter dem sich ein Rattenloch befindet.

Auch die Ursache für den Befall kann er sofort benennen – das Vogelhäuschen, das nur wenige Meter entfernt steht und unter dem noch die Schalen der Körner liegen, die hier ausgestreut wurden. „Vogelfütterung ist schön und gut aber man lockt auch andere Tiere an, die das Futter fressen“, erklärt der Kammerjäger.

Kein Vogelfutter mehr verstreuen

Um das Rattenproblem zu lösen, empfiehlt er mit Nachdruck, die Vogelfütterung einzustellen und stellt zur Sicherheit auch eine Plastikbox mit Giftinhalt auf. „Viel mehr kann ich jetzt noch nicht tun, man muss abwarten, was passiert und gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen“, berichtet der Profi.

Kurz darauf ist er bei einem weiteren Kunden, dessen Haus von kleinen Käfern befallen ist. Der Kunde hat einige von ihnen in einem Glas gefangen und will von Kemper wissen, was zu tun ist.

Der Schädlingsbekämpfer schaut sich die Käfer an und lässt sich die befallene Stelle zeigen, an der in diesem Moment nichts zu sehen ist. Noch ist er sich nicht sicher, um welche Käferart es sich handelt, Kemper vermutet Brotkäfer, einen Vorratsschädling, der Lebensmittel befällt, sich aber auch in Kleidung aus Naturfasern wie Seide wohl fühlt. Sicher ist sich Kemper aber erst, wenn er die Tiere unter einem Mikroskop untersucht hat. Deshalb nimmt er die kleinen Käfer zur genaueren Begutachtung mit in den Betrieb.

Käfer in engen Ritzen

„Je nachdem, was bei der Untersuchung herauskommt, schlage ich dem Kunden weitere Schritte zur Bekämpfung vor“, erläutert Kemper. Wahrscheinlich sei ein Einsatz von Gas. „Die Käfer sitzen in so engen Ritzen, dass man so vorgehen muss, wenn man alle Tiere erwischen will“; sagt der Kammerjäger.

„Schädlinge können theoretisch jedes Haus oder jede Wohnung befallen“, berichtet Horst Draht, Inhaber der Firma Draht, für die Kemper arbeitet. Oft sei Mülllagerung ein Grund für den Befall. „Der Abfall zieht die Schädlinge an, die dann zum Beispiel durch Risse im Mauerwerk, lose Dichtungen oder Fallrohre in die Räume kommen“, so Draht weiter. Typische Schädlinge in Oldenburg seien meist Ratten und Mäuse aber auch Ameisen, Schaben und Käfer.

Fallen regelmäßig prüfen

Die Bekämpfung der Tiere könne unterschiedlich gestaltet werden und sei nicht immer einfach. „Wir können Gift oder Lebendfallen benutzen, auch der Einsatz von Schlagfallen wie die klassische Mausefalle ist möglich, dabei gibt es aber einiges zu beachten“, erläutert Draht. Die Fallen müssten zum Beispiel regelmäßig kontrolliert werden. Eine Maus, die durch den Bügel einer Mausefalle nicht erschlagen worden sei, würde sich stundenlang quälen, bevor sie schließlich sterbe.

„Das passiert beim Einsatz von Gift, das schmerzlos tötet, nicht. Hier müssen wir aber aufpassen, dass das Gift nicht den Falschen trifft“, sagt Draht. Deshalb stelle man im Falle der Rattenbekämpfung Plastikboxen auf, die nur schwer zu öffnen sind, von Ratten aber problemlos betreten werden können.

Im besten Fall komme es aber gar nicht so weit, denn Schädlingsbekämpfer seien heute oft vorsorgend aktiv. „Unser Unternehmen arbeitet zum Beispiel mit Bäckereien und Krankenhäusern zusammen, in denen wir regelmäßige Kontrollen vornehmen und im schlimmsten Fall sofort aktiv werden können.

Die Schabendusche

Einen der schlimmsten Fälle seines Berufslebens hätte Drath bei diesem Vorgehen wohl nicht erlebt. „Ende der achtziger Jahre wurden wir in eine Bäckerei gerufen, weil der Bäcker Schaben gesehen hatte. Wir haben dann die abgehängten Decken mit Gift abgespritzt und die toten Schaben aus den Zwischenräumen geholt. Da sind so viele Tiere runtergefallen, das war eine regelrechte Schabendusche“, erinnert sich Draht.

„Man darf in diesem Beruf nicht zu zart besaitet sein“, wirft sein Kollege Andreas Kemper ein. Auch er hat schon skurrile Situationen erlebt, so wie die Hütte im Wald, die für Sex-Spiele genutzt wurde.

Regelrechte Herausforderungen seien für ihn aber Messi-Wohnungen und Leichenfunde. „Das geht an die Nieren – auch wenn ich einiges gewöhnt bin,“ sagt er.

Wolfgang Alexander Meyer Redakteur / Redaktion Oldenburg/Westerstede
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