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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

„Peking“ nach Deutschland gebracht

06.11.2017

Oldenburg Beim traditionellen Herrenabend der Oldenburgischen Schiffergesellschaft wurde am Freitag der Epoche der Flying P-Liner gedacht. Anlass war die Überführung der „Peking“ von New York nach Deutschland im Sommer – nach 85 Jahren in der Fremde. Der volle Saal bei Wöbken zeigte das hohe Interesse an der Geschichte dieser Schiffe. In seinem einführenden Vortrag über die Viermastbarken der Flying P-Liner ging Kapitän Uwe Koch auch der Frage nach, woher der Nimbus kommt, der diese Schiffe noch heute umgibt.

Die Flying P-Liner waren Segelschiffe im Besitz der Reederei F. Laeisz, die ab der späten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für ihre Robustheit, Sicherheit und Geschwindigkeit berühmt waren. „Flying“ ist auf überragende Geschwindigkeit und „P-Liner“ auf den Anfangsbuchstaben ihrer Namen zurückzuführen. Andere berühmte Flying P-Liner waren die baugleiche „Passat“, die „Preußen“, die „Pommern“, die „Pamir“ oder die „Padua“, die heute noch als „Kruzen-shtern“ unterwegs ist.

Deutschland hatte bis 1890 nur einen kleinen Anteil an der Welt-Segelflotte. In den zwanzig Jahren bis 1910 kehrte sich dieses Verhältnis um. In den anderen Handelsflotten wurden die Segler mehr und mehr durch die Dampf-schifffahrt verdrängt. Dass in Deutschland bei gleichzeitigem Aufstieg zur Industriemacht die Segelschifffahrt noch einmal zur großen Blüte kam, hatte viel mit der Begeisterung der Bevölkerung für alles marine zu tun.

Die dann gebauten Segelschiffe und insbesondere die Flying P-Liner waren das technologische Endprodukt einer Jahrtausende langen Entwicklung im Bau von Segelschiffen. Nach Überzeugung von Kapitän Koch hat es „seit dieser Zeit keine besseren Großsegler mehr gegeben“.

Über die wechselvolle Geschichte der „Peking“ und ihre Überführung nach Deutschland berichtete Ma-thias Kahl, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Viermastbark Peking“. Sein Vater war noch als Jungmatrose auf der „Peking“ gefahren. Dadurch atmete er die Geschichte schon in jungen Jahren ein. Das Schiff mit der Baunummer 205 war wie seine Schwestern auf der Salpeterfahrt eingesetzt. Wirtschaftlich möglich war das, weil fast der gesamte Raum unter Deck als Laderaum zur Verfügung stand. Keine Maschine, keine Hilfsdiesel und auch keine Treibstoffvorräte waren nötig. Die Stammbesatzung bestand aus 31 Mann. Die zusätzlichen 43 Seeoffiziersanwärter kosteten nichts. Für sie wurde sogar Lehrgeld bezahlt.

Die Salpeterfahrt dauert mit Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg bis 1932. Dann wurde das Schiff unter dem Namen „Arethusa“ als Ausbildungsschiff für schwererziehbare Jungs in England eingesetzt. 1974 wurde sie schon einmal Hamburg angeboten – für 400 000 DM. Die Pläne scheiterten an der Frage, ob die „Peking“ die Überführung übersteht. Anlässlich der 200 Jahrfeier Amerikas im Jahre 1976 wurde das Schiff aber sogar nach New York geholt und kam dort ins South Street Seaport Museum.

Nachdem bekannt geworden war, dass der Liegeplatz nicht mehr zur Verfügung stand und dass auch die Substanz des Schiffes nicht mehr hinreichend war, entstand insbesondere in Hamburg der Wunsch, das Schiff zurückzuholen. Nach Überführung durch das Dockschiff „Combidock III“ konnte die „Peking“ nach 85 Jahren in der Fremde am 2. August 2017 in Brunsbüttel wieder ausgedockt werden – kräftig unterstützt vom Bund, der für die Überführung und Restaurierung 26 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Der Verein „Freunde der Viermastbark Peking“ will nach der zweijährigen Restaurierung ein Stück deutscher Seeschifffahrtsgeschichte wieder lebendig werden lassen und die „Peking“ ins geplante Deutsche Hafenmuseum bringen.


Infos:   www.peking-freunde.de 
Mehr Infos:   www.oldenburgische-schiffergesellschaft.de 

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