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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Biogas-Technik für Hurtigruten

08.05.2019

Oldenburg Was einmal aus dem Nachfolger der Brand Werft werden würde, hätte 1999 keiner gedacht. Wo der Oldenburger Schiffbauer vor 20 Jahren zwischen Werften-Globalisierung (in Richtung China) und schwierig werdenden Bedingungen an der Hunte zerrieben wurde, entstehen heute „größere Schiffe als wir hier jemals hätten bauen können“, sagt Hartwig Brand, der frühere Werft-Chef. Geplant werden sie von seiner HB Hunte Engineering, die er mit seinen Kindern Frerk und Wiebke führt.

Die Zahl der Mitarbeiter ist in den 20 Jahren kontinuierlich gewachsen, von 5 auf 35: Schiffbauingenieure und Schiffbautechniker, Maschinenbauingenieure und Maschinenbautechniker, Versorgungstechniker und Kaufleute. Tendenz: weiter steigend.

„Der Anfang war für meinen Vater schwierig“, sagt Frerk Brand. „Die Werft war sein Lebenswerk. Danach mussten wir im Minus-Bereich neu anfangen.“ Aber die Familie hat sich herausgearbeitet und es mit ihrem Team zum gefragten Konstruktionsbüro geschafft, vor allem für Gastanker und Schwergut: Das jüngste Schiff von HB Hunte Engineering, das in den USA in den nächsten Tagen das erste Mal beladen wird, ist der 236 Meter lange und 36 Meter breite Ethan-Tanker „JS Ineos Marlin“ – entwickelt für Ineos, eine Gruppe chemischer Betriebe in Privathand mit Sitz in London (Umsatz 2015: 40 Milliarden US-Dollar).

Das Spektrum reicht in der Schiffskonstruktion von der Entwicklung des Dreimasters Alexander von Humboldt II (2011 in Dienst gestellt, entwickelt mit Tobias Bender von Marigraph, Bremen) bis zu innovativsten Frachtschiffentwürfen: etwa für den 36 000-Kubikmeter-Tanker, der gerade auf der Dalian-Werft in Nordchina für den saudischen Chemiekonzern Sabic gebaut wurde – bis zur „Ineos Marlin“ mit ihren 85 000 Kubikmetern.

Die größten Schiffe, die die Brand Werft bauen konnte, waren 130 Meter lang und 20 Meter breit – mehr ließen die Bedingungen nicht zu: oft Feederschiffe als Zulieferer und Verteiler für große Seeschiffe. Inzwischen werden Feeder überhaupt nicht mehr in Deutschland gebaut, sagt Brand, sondern im Ausland – dreimal so groß wie früher.

Viele Aufträge aus Leer

Seine Sporen hat sich Geschäftsführer Frerk Brand (47) nach dem Besuch Wirtschaftsgymnasiums und dem Studium von Schiffbau und Meerestechnik an der Hochschule Bremen im Ausland verdient – mit Schiffskonstruktionen, aber auch mit Spezialentwürfen wie für den finnischen Saimaa Kanal.

Einer der großen Auftraggeber ist Hartmann Gas Carriers in Leer, im Segment der Gastanker bis 10 000 Kubikmeter ist die Reederei einer der weltweit führenden Anbieter. Flüssiggastanker (für petrochemische Gase) zählen aufgrund ihrer komplexen Ausstattung zu den technisch anspruchsvollsten Schiffstypen – und das Oldenburger Konstruktionsunternehmen vom Werftweg hat genau hier eine riesige Erfahrung und einen seiner Schwerpunkte. Frerk Brand sagt: „Für Hartmann haben wir die modernsten, innovativsten und effizientesten Gastanker entwickelt. Dabei kümmern wir uns um alle Probleme – vom kleinen Problem bis zu hoher Komplexität, auch wenn es sehr schwierig und zeitkritisch ist. Und alles wird hier am Werftweg gemacht.“ Weil die Auftragslage so gut ist, muss inzwischen bei Kapazitätsengpässen auch mit Arbeitnehmerüberlassung gearbeitet werden. Bald sollen weitere Mitarbeiter fest eingestellt werden.

Ein Grund dafür ist, dass die Oldenburger sich auch im Refit-Bereich einen Namen gemacht haben: Viele Schiffe stehen zur Modernisierung an, weil sie an neue Umwelt-Standards angepasst werden müssen. Ein Beispiel: Um den neuen, weltweit verpflichtenden Regeln für Ballastwasser zu genügen, müssen zum Teil ganze Flotten neuer Wasserballast-Behandlungsanlagen bekommen – damit nicht Organismen beim Auffüllen der Ballasttanks aufgenommen und am Zielort irgendwo auf dem Globus wieder abgepumpt werden, die dort nicht hingehören und auch nicht erwünscht sind.

„Wir können das dazu nötige Engineering anbieten und haben die Technik“, sagt Frerk Brand. Weil im Maschinenraum nicht viel Platz ist, weil der für die Ladung gebraucht wird, arbeiten die Oldenburger mit einem 3D-Scanner an Bord, um die Behandlungsanlage platzsparend einzuplanen. An Land werden dann alle nötigen Stahlbauteile und Rohre vorproduziert, damit die Liegezeit in der Werft nur kurz ist.

Bei neuen Trends vorne

Neben ihrem Hauptgebiet Gastanker – zunehmend auch mit LNG (Flüssigerdgas) betrieben – und Schwergut ist HB Hunte im neuen Biogas-Refit unterwegs. Gerade hat die norwegische Høglund Group (mit ihrer Tochter Høglund Gas Solutions in Hamburg) mit HB Hunte als Partner den Auftrag erhalten, für die norwegische Reederei Hurtigruten biogasfähige Brennstoff-Versorgungssysteme zu entwickeln. Sie müssen sowohl mit Flüssigerdgas als auch mit verflüssigtem Biogas (LBG) funktionieren. HB Hunte ist für die mechanische Gastechnik und die Konstruktion der Tanks zuständig. Im Rahmen des Projekts wird erstmals ein großes Passagierschiff auf LBG umgerüstet – ein erneuerbarer Energierohstoff, der aus Fischereiabfällen und anderen organischen Produktionsresten entsteht.

Hartwig Brand freut sich über die gute Entwicklung am Werftweg: „Ich bin mit dem Status heute sehr zufrieden. Wir haben seit 1969 Gastanker gemacht, ich bin froh, dass wir das auf diese Weise weitermachen können und sehr glücklich, dass meine Kinder das weitermachen. Und es sind ja immer noch Brand-Schiffe, auch wenn sie woanders gebaut werden.“

20 Jahre „HB Hunte Engineering“

Seit über 100 Jahren entstehen innovative Schiffskonzepte an der Hunte – vom Holzschiffbau bis heute zu neuartigen, umweltfreundlichen und bahnbrechenden Technologien.

Eingestellt wurde der Schiffbau auf dem dem eigenen Werftgelände 1997, aber die Konstruktion ging weiter: Ende 1997 gründete Hartwig Brand mit einem kleinen Stab ehemaliger Werftkonstrukteure dort das Ingenieurbüro Hartwig Brand, über das er seine lange Erfahrung im Schiff- und Maschinenbau als Berater, Planer und Gutachter in die Branche einbringt.

Mitte 1999 gründete Brand unter Beteiligung der Kinder der Familie – Wiebke und Frerk Brand – die HB Hunte Engineering GmbH, die sich zu einem national und international agierenden Unternehmen für moderne und kreative Spezialschiffsentwürfe entwickelt hat.

Das Portfolio reicht von der Schiffskonzeption bis hin zu den Fertigungsunterlagen und beinhaltet alle dazugehörigen Disziplinen wie Schiffbau, Maschinenbau, Elektrotechnik und Gasanlagentechnik, inklusive aller Dienstleistungen wie Konstruktion, Berechnungen, Projektmanagement, Bauüberwachung und mehr. Zahlreiche Schiffe entstanden nach der Konstruktion aus Oldenburg. Allein für die Hartmann Reederei hat die HB Hunte seit 2000 sämtliche Gastanker entwickelt und konstruiert. Sie gelten als modernste und leistungsfähigste Gastanker, die weltweit im Einsatz sind.

Von 2001 bis 2018 wurden fünf LPG/LEG Gastankertypen (für 5000, 6500, 8600, 36000 und 85000 m³) entwickelt und 21 Schiffe nach diesen Entwürfen gebaut. Die jüngsten Entwürfe Eco-star 36k und Ecostar 85k waren die weltweit größten LEG Tanker mit Drucktanks und die ersten Schiffe, die mit ihrer Ladung Ethan oder LNG angetrieben werden können. Sie gelten als die am weltfreundlichsten betriebenen Gastanker weltweit. Auch für die koreanische Gruppe Samkang entwirft HB Hunte Gastanker wie LNG Bunkerschiffe.

Derzeit ist die HB Hunte Engineering im Auftrag von zwei Umbauwerften und der Hurtigruten Reederei aus Norwegen mit dem Detail Engineering und der Gasanlagenplanung für sechs Umbauten von Passagierschiffen auf einen umweltfreundlichen Schiffsantrieb mit LNG „sehr gut ausgelastet“, so das Unternehmen.

Neben großen Projekten gibt es auch viele kleinere Aufgaben wie die Unterstützung lokaler Bauunternehmen (z.B. Pontonsystem für Wasserbau) – bis hin zu Werkstattzeichnungen und Fertigungsunterlagen für Megayachten.

Infos unter www.hb-hunte.de

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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