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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Bald weniger Handel in der City?

07.12.2018

Oldenburg Gerade ist Oldenburg deutschlandweit in puncto Lebensqualität auf Platz 1 gelandet. Die Innenstadt ist Teil dieses überragenden Ergebnisses. Auch die Moderatoren des geplanten neuen Rahmens für die Innenstadt-Entwicklung hatten der City bereits ein extrem gutes Zeugnis ausgestellt.

Insofern erscheint es interessant, wohin der Arbeitskreis Bündnis Innenstadt das „Herzstück der Stadt“ (O-Ton Oberbürgermeister Jürgen Krogmann) in den nächsten zwölf Jahren lenken möchte. Deshalb gibt es an dieser Stelle ein paar Auszüge aus dem Kleingedruckten, das im Zwischenergebnis der Arbeitskreis-Sitzungen steht. Denn hier finden sich auch Hinweise auf die Risiken – etwa des Szenario 3, das im jüngsten Wirtschaftsförderausschuss von Linken (Hans-Henning Adler) und Grünen (Sebastian Beer) favorisiert wurde. Wörtlich unter Szenario 3: „Es können weitreichende Eingriffe in das Eigentum Privater stattfinden bzw. notwendig werden. Dabei ist unklar, wie Eigentümer darauf reagieren.“

Hier findet sich auch der Hinweis, dass die favorisierte Umnutzung bestehender Flächen als Wohnraum durchaus zu einer verringerten regionalen Ausstrahlung als Einkaufsstadt führen können. Weiteres Risiko sei das Heraufziehen von „Konflikten durch Nutzungsmischung und Dichte“.

Szenario 1

Nach Szenario 1 soll die „gut aufgestellte Einzelhandelslandschaft als heutige Kernfunktion der Innenstadt quantitativ und qualitativ durch neue Anbieter, agile Shoppingkonzepte und innovative Multichannelkonzepte weiter profiliert werden“. Dazu würden u.a. zählen:


 Maßnahmen zur Steigerung auswärtiger Besucher.
 Erweitertes Einkaufserlebnis, das sich an alle Alters- und Zielgruppen richtet.
 Steigerung der Aufenthaltsqualität, auch durch nicht-kommerzielle Räume fürs Sitzen und Spielen.
 Unterstützung solcher Investoren, die zu einer Premium-Einkaufslandschaft beitragen.
 Weniger Niedrigpreis-Segment.
 Mehr Flexibilität, Experimentierbereitschaft, Kurzfristigkeit in B- und C-Lagen.

Die CDU (Christoph Baak) hatte im Ausschuss Sympathien für Szenario 1 gezeigt, das insbesondere die relativ hohe Einkaufsqualität zukunftssicher ausbauen will.

kommentar

Angriff auf

Einkaufsstadt

Es ist ein Verdienst des Oberbürgermeisters, dass die drei Szenarien für die künftige City in den Wirtschaftsförder-Ausschuss gelangt sind. Denn es ist gut, dass die Öffentlichkeit erfährt, welche Gedankenspiele es um die Zukunft ihrer Innenstadt gibt.

Manche Veränderung wäre absolut wünschenswert: Eine bessere Nutzung der – oft leeren – Obergeschosse zum Beispiel.

Im Szenario 3, für das sich Teile der Politik stark machen, fällt – neben einigen sympathischen Überlegungen zu einer „grüneren und jüngeren“ City – aber eines auf: Respektlosigkeit gegenüber dem Eigentum anderer. In zwölf Jahren soll danach die Innenstadt umgekrempelt sein, vorbei an den Interessen derer, denen hier fast alles gehört. Oder wie hoch ist ihr Anteil in diesem Arbeitskreis?

Egal auf welche Weise dieser massive Strukturwandel in kürzester Zeit erzwungen werden soll: Weichen müssten wohl zuerst die Schwachen – wie das Kaufhaus der Gemeinnützigen Werkstätten oder kleinere inhabergeführte Einzelhändler –, die sich in Randlagen und nicht in jenem „Kernbereich“ befinden, auf den das Szenario 3 den Handel künftig beschränken will. Was wollen sie streichen? Die Kurwickstraße, die Gaststraße, die Haarenstraße? Alle drei?

Statt einer Stärkung des Gesamtpakets, wird ein Angriff auf die Einkaufsstadt gefahren. Auch im Szenario 2 muss man noch viel genauer über die Folgen einzelner Punkte nachdenken.

Die Einzelhandels-Qualität der Innenstadt ist ihr region-weites Alleinstellungsmerkmal. Sie muss mit Augenmaß gestärkt und sicher weiterentwickelt werden. Aber mit Bedacht. Nach Oldenburger Art.

Autor unter

Szenario 2

Im Arbeitskreis selbst hatte es – wie berichtet – eine knappe Mehrheit für das Szenario 2 (vor dem Szenario 3) gegeben, das die Innenstadt „jünger“ und insbesondere am Abend belebter machen möchte. Im Folgenden einige Punkte daraus.


 Das Flächenpotenzial in den 2. und 3. Obergeschossen wird genutzt (z.B. für Start-up-Unternehmen, Kreativwirtschaft...).
 Urban Gardening setzt neue Akzente auf Dächern und Fassaden im öffentlichen und privaten Raum.
 Öffentliche Flächen sind wetterfest weiterentwickelt (zumindest temporär).
 Es gibt Zukunftslösungen für das Fahrradparken (z.B. in die Höhe).
 Die Universität/Wissenschaft kommt in die Innenstadt (z.B. auch die Mensa) und befördert eine neue, andere Lebenskultur.
 Die Geschäftszeiten haben sich verändert.
 Es gibt 100 Prozent Internet in der Innenstadt.
 Die Nutzung von Flächen wird schnell, flexibel und einfach.
 Es gibt außerschulische Lernräume und außermuseale Museumsräume.
 Es gibt innerstädtische Spielplätze und Kitas.
 Die Innenstadt wird Ort für studentisches und junges Wohnen.
 Die Mischung von Handel, (Sub-)Kultur, Bildung und Gastronomie strahlt in die Region.

Hier findet sich auch die Formulierung: „Die Zukunft der Automobilität muss in den Blick genommen werden.“

Szenario 3

Laut Szenario 3, das die Innenstadt großstädtischer anlegen und „Kiez Feelings“ schaffen möchte, soll die City in 12 Jahren so aussehen:


 Die Obergeschosse sind umgebaut, erschlossen und genutzt.
 Es gibt Dachwipfelgänge und grüne Dächer.
 Es gibt Hochhäuser in der Innenstadt.
 Es gibt vielfältige soziale Infrastruktureinrichtungen.
 Vertikale Gärten sorgen für ein gutes Innenstadtklima.
 Blockinnenbereiche sind entkernt und aufgestockt.
 Der Handel hat sich auf einen Kernbereich konzentriert.
 Das Leben in der Innenstadt ist ökologisch und nachhaltig, mehr Fair-Trade.
 Es gibt ausreichend Raum für Kinder.
 In den 2. und 3. OGs sind neue Arten von Gemeinschaftsräumen entstanden.

Trotz seiner Sympathien für diesen Zuschnitt, wies Hans-Henning Adler darauf hin, dass eine solch massive Veränderung angesichts der Eigentumsverhältnisse wohl an Grenzen stoßen dürfte.

Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110

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