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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Stadtgeschichte: Blick aus dem Schlagsahne-Paradies

14.10.2017

Oldenburg Wie es so war plötzlich ohne Autos in der neuen Fußgängerzone? „Ein ganz anderes Gefühl und eine Umstellung für viele“, sagt Maria Luise Elsken, die bei Schwarting in der Haarenstraße Mitte der 50er-Jahre Verkäuferin gelernt hat. Die Veränderung betraf auch die Kunden mit Statusdenken. Vorher wurde ja direkt vor der Schaufensterscheibe geparkt. „Dieses Gefühl, ich bin ,Herr von und’ zu mit meinem großen Wagen, das war damit auch vorbei.“

Und wie sah es unmittelbar davor in der Innenstadt aus? Marie Luise Elsken hat das von der Haarenstraße aus erlebt, aus dem Feinkostgeschäft von Luise Schwarting. Die 78-Jährige, die als Sechsjährige mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern mitten im Winter aus Beuthen in Oberschlesien vertrieben wurde und dann in Oldenburg landete, wäre sehr gern Säuglingsschwester geworden. Weil sie dafür aber 15 Mark im Monat hätte zuzahlen müssen, die sie nicht hatte (die Mutter starb, als die Tochter 13 Jahre alt war), machte sie von 1955 bis 1957 ihre Lehre bei Schwarting – für 30 Mark im Monat, inmitten von frischer Schlagsahne und Milch und Käse, Sahne, Salaten und Würsten.

All die Läden aus dem Umfeld der Haarenstraße hat sie in bester Erinnerung: der angesagte Modefriseur Huber, „der Zar von Oldenburg, zu dem alles hinging, was Rang und Namen hatte“ und Lebensmittel Holert und Hungerland und Gellermann und Zierrath mit seiner feinen Wäsche und Aussteuer, neben dem Bruns-Stammhaus die große Bodega von August Hinrichs, „ein Hüne von Kerl mit seinem Lockenkopf“, Damke und C.W. Meyer, Timpe und Hullen, dahinter die Suppenküche von Hinze, in der jeden Mittag Hochbetrieb herrschte, Paraat und Wuttig mit seinen Keilern und Fasanen und Hasen vor der Tür, Holzberg, Isensee, Blumen Herre, Spielwaren Schostak, Schneidermeister Meinecke, Butter und Milch von Kielmann, Brot und Brötchen von Harms, daneben Pralinés und feine Schokoladen von Dominé, und gleich gegenüber Schöneck und Kaiser’s Kaffee und die Gastwirtschaft Helms.

Und bei Luise Schwarting (vorher Johann Schwarting, später Peter Boyken, dann Dieter Hüper)? Vor allem Schlagsahne und Käse, aber hier und da auch Schaulaufen der heiratsfähigen Töchter wegen des jungen Junior-Chefs Peter Boyken. Sonntags rollten die schweren Schnittkäse mit dem Laster aus der Schweiz und Holland vor die Tür. Die feste Folie des Tilsiter schrubbte die junge Azubine, die da noch Prziklang hieß, in der Zinkwanne auf dem Kantenbord der Straße herunter.

Der schwere 25-Kilo-Butterblock aus der Molkerei Wardenburg wurde auf den Tresen gewuchtet und die Butter, die nicht mit Metall in Berührung kommen sollte, mit zwei Holzklatschern passgenau abgestochen und in echtes Pergament verpackt. Und dann schwang sich Marlies Prziklang aufs Rad, für die Milchtouren: sommers wie winters mit zehn Literflaschen Sahne am Lenker zur Wiener Konditorei, mit der 20-Liter-Kanne Sahne zum Café Berger und mit Vorzugsmilch und Kakao in Geschäfte und Privathäuser.

„Ja, wir mussten arbeiten“, sagt sie, „aber Luise Schwarting war auch sehr gut zu uns.“ Die Chefin hatte Stil: Morgens gab es für alle frischen Kakao aus Vorzugsmilch mit frischer Sahne, am Nachmittag Kaffee, wieder mit Sahne – und zur Kramermarktszeit auf dem Pferdemarkt durfte sie immer zu spät kommen, weil sie auf Kosten der Chefin vor der Arbeit unbedingt für alle Berliner und Victoria mitbringen sollte. Marie Luise Elsken: „Und zwar jeden Tag.“
Den Sonderdruck „50 Jahre Fußgängerzone“ gibt es im NWZ-Shop im Internet, in den NWZ-Geschäftsstellen, bei der OTM am Schloßplatz 16 und bei Isensee – für 4,90 Euro für NWZ-Abonnenten, sonst für 6,90 Euro.


  www.nwzshop.de 
Mehr Berichte dazu unter   https://www.nwzonline.de/fussgaengerzone 
Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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