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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Keine Kätzchen unter dem Tannenbaum

22.12.2017

Oldenburg Man kennt es: Schon lange hegen die Kinder den Wunsch, einen Hund, eine Katze oder ein kleines Kaninchen in die Familie aufzunehmen. An Weihnachten könnte man ihnen damit eine große Überraschung unter dem Tannenbaum machen. Doch: Das Tierheim Oldenburg positioniert sich ganz klar gegen Tiere als Geschenk.

Gerade an den Tagen kurz vor dem großen Fest erreichen viele kurzfristige Anfragen das Tierheim. Besonders Katzen und Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen seien beliebte Geschenke, erklärt Tierheimleiter Dominic Köppen. Soll das Tier aber als Weihnachtsgeschenk dienen, gibt es direkt eine Absage. „Da gibt es auch keine Diskussion.“ Die Anschaffung eines Tieres soll gut überlegt sein, damit es kurze Zeit später nicht wieder umziehen muss. Darüber hinaus sei Weihnachten ein ungünstiger Zeitpunkt für eine Vermittlung und den Umzug des Tieres, da an den Feiertagen sehr viel Trubel herrscht. „Zur Eingewöhnung ist das viel zu viel für so ein Tier“, sagt Köppen.

Hektik an den Feiertagen

Da stimmt Renate Merkel, 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Ammerland, zu. „Da ist meist zu viel Hektik“, sagt sie. Die Kinder rennen herum, das Haus ist voll und es ist oft auch laut. Und kurz danach geht es Silvester mit dem Stress für die Vierbeiner gleich weiter.

Über den Tierschutzverein werden meist nur Katzen oder Kleintiere wie Kaninchen vermittelt. Sind die Interessenten alleinstehend oder ein ruhiges Ehepaar und haben gerade zu den Feiertagen Zeit, ein Tier aufzunehmen, würde grundsätzlich einer Vermittlung zugestimmt werden. Aber auch hier: Nur wenn die Anschaffung des Tieres durchdacht ist und es nicht als Weihnachtsgeschenk dienen soll.

Auch die Tierheimmitarbeiter sind sensibilisiert. Mittlerweile sagt die gute Menschenkenntnis ihnen, ob der Familienzuwachs durchdacht wurde. Gerade der Vermittlung von Hunden geht eine längere Kennenlernphase voraus, so Köppen. Dabei müssen alle Parteien des Haushalts den Vierbeiner im Heim besuchen und sich mit ihm vertraut machen.

Die Mitarbeiter reden mit den Kindern über die Verantwortung, die ein Tier mit sich bringt. Bei den Besuchen stellt sich dann oft heraus, ob ein Hund das Richtige für die Familie ist, sagt Köppen.

Obwohl das Tierheim Vierbeiner nicht als Geschenk sehen will, kommen Leute immer noch an andere Möglichkeiten, die Tiere zu beschaffen. Köppen nennt das Verkaufsportal Ebay-Kleinanzeigen als größtes Problem. Tiere können über die Plattform vor den Feiertagen angeschafft werden, ohne dass die neuen Besitzer eine fachliche Beratung oder Tipps zur Eingewöhnungszeit kriegen.

Verkauf bei Ebay

Sobald die dort gekauften Hunde Probleme machen oder das Training zu anstrengend wird, landen sie jedoch wieder zum Verkauf im Internet. „Den Hund hat man bei Ebay sehr schnell gekauft und genauso schnell wird er wieder verkauft“, erklärt Köppen.

Bei Katzen sehen die Gründe anders aus: Die Samtpfoten werden oft weitervermittelt, weil ihnen in der Wohnung langweilig wird und sie keinen Partner zur Beschäftigung haben. Wenn die Tiere nicht kastriert sind, markieren sie in der Wohnung und werden lästig. Und so landen sie nach drei oder vier Besitzerwechseln im Tierheim.

Besonders im Februar oder Ostern sei das Heim voll mit Vierbeinern, die über Ebay angeschafft worden seien. Köppen rät dringend dazu, sich direkt an die Einrichtung zu wenden, wenn es nach Weihnachten mit dem Tier nicht klappen sollte. So könne unnötiger Stress vermieden werden.

Einen strikten Stopp wie in anderen Tierheimen gibt es in Oldenburg zur Weihnachtszeit nicht. „Wenn man einen kompletten Vermittlungsstopp macht, holen sie sich die Tiere bei Ebay“, sagt Köppen. Man müsse eine Alternative bieten und offen dafür sein, Menschen zu beraten.

Vorfreude schenken

Daher empfiehlt das Tierheim und auch der Tierschutzverein, Kindern die Vorfreude auf den Vierbeiner zu schenken. Man könne während der Feiertage mit der Familie das Thema beginnen und vorbereiten. Damit etwas unter dem Weihnachtsbaum liegt, könne man ein Buch über das Tier verschenken, sagt Merkel.

Anna-Lena Sachs
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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