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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Mit dem Schienenbus in die Innenstadt

10.10.2017

Oldenburg In sechs Minuten vom Zughalt Ofenerdiek zur Heiligengeiststraße oder in zehn Minuten vom Zughalt Krusenbusch zum Hauptbahnhof – für Innenstadtpendler oder Stadtbummler eine verlockende Vorstellung. Ein Konzept zur Eröffnung von Stadtteilbahnhöfen stellte am Montag die IBO-Interessengemeinschaft für die Bürger und ihre Umwelt im Großraum Oldenburg vor.

„Die IBO wird an ihren Informationsständen immer wieder von Bürgern auf das Thema Bahnhalte in den Stadtteilen angesprochen“, begründete IBO-Vorsitzender Ingo Splittgerber den Vorstoß. Erste Gespräche mit der Deutschen Bahn, dem Verkehrsministerium, der Nahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und der Stadt seien vielversprechend verlaufen. Täglich pendelten 40.000 Menschen nach Oldenburg ein, der Einzugsbereich reiche 150 Kilometer über die Stadtgrenzen hinaus. Das Schienennahverkehrskonzept erspare der Innenstadt zudem einen Teil des automobilen Verkehrs. Auch die lästige und zeitaufwendige Parkplatzsuche entfalle, wenn zumindest einige der Haltepunkte größere Parkflächen erhielten.

Am Tag des offenen Denkmals vor einigen Wochen waren die Menschen begeistert, mit dem Schienenbus vom provisorisch für einen Tag wiedereröffneten Bahnhof Ofenerdiek in die Innenstadt fahren zu können, berichtete Splittgerber weiter. Die neuen Haltestellen für die Schubgelenkwagen müssten nur 20 Meter lang sein, in Karlsruhe werde dieses als Ergänzung für die Regio-S-Bahnen gedachte Angebot erfolgreich eingesetzt. Sie kosten jeweils rund 150.000 Euro.

100 Passagiere haben in diesem dreiachsigen Gliederbus Platz, der von einer Brennstoffzelle angetrieben werden sollte. Dafür bräuchte man auf der Strecke von Rastede nach Huntlosen eine Tankstelle. Zentraler Bestandteil sei der neu zu errichtende Haltepunkt Heiligengeiststraße, der nach Einschätzung von Uwe Dieckmann von der IBO diesen notleidenden Innenstadtbereich erheblich aufwerten würde. Die Busse könnten ohne Fahrer unterwegs sein. Friedrich-Wilhelm Wehrmeyer (IBO) verwies auf die erheblichen Verkehrsprobleme, die in den kommenden Jahrzehnten auf die Stadt zurollten, wenn die Autobahnbrücken der Südumgehung und die Huntebrücke erneuert werden. Das habe Sperrungen und Staus zur Folge.

Die Stadt sollte unabhängig vom Bahnverkehr eine Machbarkeitsstudie für die Stadtteilbahnhöfe und den Schienennahverkehr in Auftrag geben, hieß es. Betreiber könnten laut Wehrmeyer die VWG, NWB oder EVB (Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser) sein. Ohnehin könnten die VWG-Busse die Zughalte ansteuern und damit den Öffentlichen Personennahverkehr deutlich attraktiver gestalten. Drei Gliederbusse seien dann zeitgleich im Einsatz, die für einen 30-Minuten-Takt sorgten. Haltestationen seien in beide Richtungen Rastede, Neusüdende, Ofenerdiek, Bürgerbusch, Alexanderstraße, 91er-Straße/Heiligengeiststraße, Hauptbahnhof Oldenburg, Stedinger Straße, Osternburg, Krusenbusch, Sandkrug, Barneführer Holz und Huntlosen.

kommentar von Thomas Husmann

Verlockender Plan

Das klingt verlockend – mit dem Schienenbus mal eben schnell von Ofenerdiek oder Krusenbusch in die Innenstadt fahren. Die Idee ist zwar nicht neu, die Stadtteilbahnhöfe wieder zu eröffnen, die geschlossen worden waren, als den Automobilen im wahrsten Sinn des Wortes Vorfahrt gegeben wurde, doch sie muss deshalb nicht schlecht sein. Oldenburg wächst und wächst und die Verkehrsinfrastruktur hält nicht mit.

Nicht zuletzt könnte der Schienenbusverkehr einen Beitrag dazu leisten, die Luft in der Innenstadt sauberer zu machen, wenn immer mehr Menschen darauf verzichten, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. An dieser Stelle sind Stadtverwaltung und Politik ohnehin in der Pflicht, bis Ende des Jahres ein Konzept zur Reduzierung der Stickoxid-Belastung auf dem Heiligengeistwall vorzulegen. Anderenfalls drohen empfindliche Strafzahlungen. Dieses Geld sollte besser in den Ausbau von Zughalten investiert werden. Der Bund legt zur Verbesserung der Luft ein milliardenschweres Programm auf, aus dessen Töpfen sich die Stadt bedienen sollte.

Gleichwohl verfolgt die IBO auch eigene Interessen. Der Schienenbusverkehr kann nur dann funktionieren, wenn auf das innerstädtische Schienennetz nicht noch mehr Güterverkehr kommt. Und das ist für die Initiative ein weiteres Argument für den Bau einer Umfahrungsstrecke.

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