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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

OB macht Oldenburg zur Klinkerburg

02.01.2018

Oldenburg Der Blick fällt auf Januar bis Dezember. Was das Jahr so bringen könnte...

Januar

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hat ein wunderbares Weihnachtsfest verbracht. Freundschaftlich unterstützt von seinem Kumpel Gerhard Wessels, Vorstand bei den Gemeinnützigen Werkstätten, die sich ja seit neuestem auch in der Gastronomie betätigen. Krogmann („ich bin im Gegensatz zu anderen ein bekennender Befürworter der Inklusion“) hat sich das Essen fürs Weihnachtsfest und für seine Silvesterparty vom Catering-Service der Werkstätten quasi direkt ins Wohnzimmer liefern lassen. Krogmann: „Ich bezahle das, versteht sich ja wohl von selbst.“

Februar

Schon Silvester hat er verbal unter Freunden eine Rakete gezündet, nun wird es ernst. Der OB will für alle Neubauten und nicht nur am Hafen Klinker vorschreiben. Auch für die geplante neue Straße vom Fliegerhorst nach Wechloy favorisiert er nach historischem Vorbild eine Klinkerpflasterung. „Klinker aus Ton ist ein Naturprodukt. Das lässt sich doch hervorragend mit der Straße durch die Biotope vereinbaren“, meint er. Von Bau-, Verkehrs- und Umweltdezernentin Gabriele Nießen kommt kein Widerspruch, die möchte von ihm für eine weitere Amtsperiode vorgeschlagen und vom Rat gewählt werden.

In der Lindenallee rücken Bauarbeiter an. Es handele sich lediglich um eine kleine nachbessernde Maßnahme, heißt es von der Stadt. Die Arbeiten dürften nur wenig Tage in Anspruch nehmen.

März

Beflügelt von seinen städtebaulichen Erfolgen lässt der OB seine Kontakte nach Hannover spielen – Oldenburg soll künftig Klinkerburg heißen. Das geht den Volksvertretern im Stadtrat dann doch zu weit, sie verhindern die Umbenennung. Seine Majestät, der OB, nimmt das ungern zur Kenntnis. Man sieht sich immer zweimal im Leben, weiß er und zieht sich schmollend in die Ecke zurück. Seinen sozialdemokratischen Genossen hat er schon lange die Freundschaft aufgekündigt. Einige Oldenburger Architekten haben die Zeit genutzt und die Brutalismus-Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt (nicht an der Oder, sondern am Main) angeschaut. Dort will man Betonmonster aus den 60er und 70er Jahren – vergleichbar dem Oldenburger Finanzamt – retten, weil sie kulturgeschichtlich prägend für diese Jahrzehnte seien. Die Architekten steigen in diese Initiative ein und schlagen vor, das Finanzamt unter Denkmalschutz zu stellen und dort eine Kreativzentrale einzurichten, die die Innenstadt mit Aktionen beleben soll. Die Cafeteria bewirtschaften natürlich die Gemeinnützigen Werkstätten, die zum Ehrenmitglied des Hotel- und Gaststättenverbandes ernannt werden.

Die Lindenallee ist seit vier Wochen voll gesperrt. Dabei sei nur eine kleine Baugrube auf dem Gehweg zu sehen, schimpfen Anwohner. „Wir nehmen die Beschwerden ernst“, heißt es von der Stadt.

April

Das Umweltdezernat hat einen genialen Plan, der Luftverschmutzung auf dem Heilgengeistwall Herr zu werden – Pferdekutschen sollen die Busse und Autos ersetzen. Zudem ist das eine zusätzliche touristische Attraktion. Und um damit nicht den Ruf einer Zukunftskommune zu gefährden, für die die Übermorgenstadt längst im Vorgestern verschwunden ist, wird auf dem Fliegerhorst ein Testgelände eingerichtet für fahrerlose Elektroautos und ein Startup-Labor, das über Oldenburger Studenten direkt mit dem Tesla-Zukunftslabor von Elon Musk verbunden ist.

OB-Büroleiter Frank Hinrichs will sich digitaler aufstellen, trägt nun Nerd-Brille und Hipster-Vollbart und residiert für drei Monate im Silicon Valley. Das räumt anderen Chancen ein.

Auf der Lindenallee haben Bauarbeiter den gesamten Straßenbelag aufgerissen. „Die Vollsperrung ist nun gerechtfertigt“, teilt die Stadt mit. Die Frage nach den Baumaßnahmen, die diesen Schritt nötig gemacht haben, lässt sie unbeantwortet.

Mai

OB Krogmann hat seine platonische Liebe zu seiner Bau-, Verkehrs- und Umweltdezernentin entdeckt, nachdem sie in den Ausschüssen und im Rat für die Umsetzung all seiner ambitionierten Projekte kämpft. Ob Klinkerbauten oder Straßen mitten durch die Molchtümpel – der OB weiß die Dezernentin an seiner Seite. Der Lohn: Krogmann schlägt sie zur Wiederwahl für den Dezerntenposten vor. Im Mai wird außerdem der neue Bootsverleih eröffnet. Klar, dass es sich der OB nicht nehmen lässt mit seiner neuen Lieblingsdezernentin die erste Ruderpartie zu unternehmen.

Juni

Um die Bürgerbeteiligung für die kommende Gestaltung des Stadtmuseums noch zu vertiefen, werden für einen Sonntag Bürgerinnen und Bürger zum Visions-Workshop eingeladen (Hans-Henning Adler: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“). Sie dürfen im großen Saal Modelle bauen, wie später einmal alles aussehen soll. Damit avantgardistischere Ideen auch eine Chance haben, werden als Modellbaumaterialien Reis, Moos, Makkaroni, Gummibärchen, Balsaholz und biologisch-abbaubare Fingerfarben zur Verfügung gestellt.

Außerdem will man andere Saiten aufziehen: Damit für den Workshop (und darüber hinaus) ein friedliches Klima ins Stadtmuseum einzieht, wird vier Stunden lang eine Harfenistin beruhigende Töne spielen. Die restlichen vier Stunden wird eine CD mit Wal-Gesängen aus der Tiefsee zu hören sein. Außerdem wird eine Schamanin die Räume ausräuchern, damit böse Geister vertrieben werden.

Die Lindenallee ist weiterhin gesperrt. Arbeiter sind nicht zu sehen, dafür im Sand die Worte „Schöne Ferien“.

Juli

Das Staatstheater hat auf dem Rheinumschlaggelände einen großen Stadtstrand eingerichtet. Mit Laiendarstellern wird außerdem auf dem Freigelände das Musical „Les Misérables“ einstudiert. Endlich hat man Platz für eine große Revolutionsgeschichte. Schließlich gab es auch in Oldenburg eine Franzosenzeit. Oder sollte man doch lieber „Hamlet“ nehmen. Die Dänenherrschaft liegt näher. Die Stadt war eben schon immer sehr international aufgestellt. Mit China gab’s ja noch keine Scharmützel.

Und man kann nicht früh genug an Weihnachten denken: Oldenburg als Multi-Kulti-Stadt will vorbildlich politisch-korrekt sein bei der Auswahl des nächsten Weihnachtsengels. Im Rat wird darüber abgestimmt, dass nun in jedem Jahr ein Kind mit Vorfahren aus einem anderen Land als Weihnachtsengel für die Poster der Lambertimarkt-Kampagne werben soll.

Anwohner des Dietrichswegs, die Erfahrung mit generationsübergreifenden Baustellen haben, organisieren eine Solidaritäts-Strandparty auf der verwaisten Baustelle an der Lindenallee.

August

Hinter verschlossenen Türen wird über das „Defftig Ollnborger Gröönkohläten“ in Berlin debattiert. Dass eine Kohlkönigin wie Andrea Nahles das seriöse Kohlessen mit Karneval vergleicht, passte niemandem so recht. Schließlich verstehen es die Oldenburger als eine Art kollektives Brainstorming und Networking in Berlin. Man könnt es einen Grünkohl-Thinktank nennen, den es längst schon gab, als die kreative Klasse und mithin auch der Club Create noch im Molekularzustand in der Ursuppe schwamm. Um den Nahles-Karneval auszuschließen, wird erwogen, zum ersten Mal in der Geschichte einen ehemaligen Kohlkönig erneut zu proklamieren. Never change a winning Team. Mit Stephan Weil weiß man, was man hat. Dazwischen passt kein Kohlblatt. „Wir sind die Niedersachsen.“

Derby-Time zum Start der neuen Regionalliga-Spielzeit: Auf der Plastikwiese an der Alexanderstraße treffen Aufsteiger VfL Oldenburg und der SSV Jeddeloh aufeinander. Traditionsduell auch eine Woche später beim VfB, der den Erzrivalen BV Cloppenburg empfängt. Zum Oberliga-Auftakt in der Jürgen-Krogmann-Kampfbahn zu Dornstede.

Der VfL Oldenburg organisiert derweil ein Beach-Handball-Turnier auf der Baustelle Lindenallee.

September

Hoch „Poppea“ beschert Oldenburg Temperaturen von mehr als 35 Grad. Die Eisenbahnbrücke verbiegt sich, und nichts geht mehr. Alle Bahnreisenden müssen mit Bussen von und nach Hude gefahren werden. Genutzt wird die Zeit, um abzufragen, wie die Reisenden sich das neue Hafenviertel vorstellen. Die meisten wollen eine Bebauung mit Reetdachhäusern und wünschen sich eine Uferpromenade mit Gaslaternen. Schnell wird von sogenannten Influencern ein Ausflug nach Berlin organisiert und dort als Ideal Le Corbusiers Wohnmaschine als Gegenentwurf vorgeführt. Mehr in Beton und Stahl gegossene Theorie geht nun wirklich kaum als Gegenentwurf.

Sensation zum Internationalen Filmfest: Star-Wars-Erfinder George Lucas entdeckt im Reiterstandbild Graf Anton Günthers das erste Laserschwert der (Film-)Geschichte und lässt den Vater aller Jedis von der Waschstraße in Kreyenbrück per Luftbrücke zum Hollywood Boulevard nach L.A. transportieren.

Die Stadt kündigt an, mit dem Bauunternehmen, das für die Arbeiten in der Lindenallee zuständig ist, ein Gespräch zu vereinbaren.

Oktober

Zum Kramermarkt bringt das Informatik-Institut Offis in einem Feldversuch den weltweit ersten autonomen Umzug auf die Straße. Eingebettete Systeme sorgen für selbstfahrende Wagen, von den Straßenrändern werfen menschenähnliche Roboter kamelleähnliche Speicherchips auf die Fahrzeuge, die wegen dieser erkannten Gefahr ständig stoppen müssen und der Umzug erstmals bis tief in die Nacht dauert. Der NDR überträgt weiter live, autonom gesteuerte Kameras werden nicht müde und dessen Stammpublikum ist ohnehin längst eingeschlafen.

Die Baufirma, die die Lindenallee-Baustelle betreut, ist nicht mehr aufzufinden. Die Stadt zeigt sich überrascht. „Dabei stand die AAA Schnell & Billig GmbH ganz oben bei Google“, heißt es.

November

Die erste Schneeflocke erreicht Oldenburger Boden, sofort kommt der Berufsverkehr zum Erliegen. Deutsche Bahn und VWG stellen ihren Personentransport ein, doch der Pressesprecher der Stadt meldet: Wir sind auf alles vorbereitet. Die Streusalzspeicher sind gut gefüllt.“

Ein städtischer Bautrupp beginnt, Liegestühle und Beachvolleyballfelder auf der Lindenallee abzubauen und die Straße herzustellen.

Dezember

Diese Ankündigung zum Fest überrascht: Der neue Internet-Streamingdienst Oeinsflix kündigt für 2019 ein neues Format an – die Rathaus-Dokusoap „Diese Krogmanns“. In der ersten Staffel geht es um einen Patriarchen, der seine ökologisch aktive, radfahrende Vegetarierin verlassen hat, um mit einer konservativen Automieze zusammenzuziehen, die ihm abends auch mal ein Schnitzel in die Pfanne legt. Wie es weitergeht, erfahren Sie im Abo des Ratsinformationssystems.

Bei einer Feierstunde mit den Anwohnern wird die Lindenallee für den Verkehr freigegeben. „Nun haben Sie erst einmal auf Jahre hinaus Ruhe“, verspricht Straßenbauamtsleiter Bernd Müller. Die Frage, warum Baufahrzeuge, Material und mobile Baustellentoiletten vorsorglich auf dem Schulhof des Herbartgymnasiums gelagert werden, bleibt unbeantwortet.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104
Oliver Schulz
Redakteur
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2094

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