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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Oldenburg war nicht  sein Traumziel

12.06.2012
NWZonline.de NWZonline 2015-07-24T09:34:18Z 280 158

Serie:
Oldenburg war nicht  sein Traumziel

OLDENBURG Eigentlich wollte Samba Camara gar nicht nach Deutschland. Seine Traumziele seien Australien und Amerika gewesen, erinnert er sich. Doch jetzt, erzählt der gebürtige Senegalese, fühlt er sich in Oldenburg sehr wohl.

Camara betreibt an der Alexanderstraße das Geschäft „Le Makoussa“. Er handelt mit Kunsthandwerk aus ganz Afrika. Kultfiguren von den Éwé, die in Togo und Ghana leben, finden sich neben großen marokkanischen Teetablets, Berber-Schmuck und afrikanischen Trommeln. „Senegalesen sind von Natur aus Händler“, ist der 56-Jährige sicher.

Als Händler gekommen

Als Händler ist Camara auch nach Deutschland gekommen. Das war 1993. Ein Freund hatte ihn gebeten, ihn bei der Nahrungsmittel-Messe Anuga in Köln zu vertreten. Als die vorbei war, reiste Camara aber nicht zurück nach Senegal, er blieb einfach in Deutschland.

In seiner am Atlantik gelegenen Heimatstadt Saint-Louis hatte Camara nach einem Wirtschaftsstudium die Disco eines großen Hotels geleitet. Dieses ging jedoch Pleite, Camara ist vor seiner Deutschlandreise arbeitslos, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Es fällt ihm schwer für seine zwei Kinder zu sorgen. Aus Europa will er Geld schicken. Auch sein Sohn wird später auswandern. Er wohnt in Spanien.

In Deutschland versucht Camara nicht, Asyl zu bekommen. Er rechnet sich dafür nur geringe Chancen aus. „Und ich hatte schlimme Berichte gehört, wie man dann lebt. Asyl wäre nichts für mich.“ Camara wird ein „Illegaler“.

Ungefähr zwei Jahre lebt er in der Illegalität, diese Zeit muss von Angst geprägt gewesen sein. Camara: „Ich musste immer aufpassen, dass ich nicht kontrolliert werde.“ Doch einmal, in Bremen, passiert es. Bei einer Kontrolle wird er erwischt, die Polizeibeamten machen ihm zur Auflage, sich bei der Ausländerbehörde um einen Aufenthaltstitel zu bewerben. Camara verlässt stattdessen die Hansestadt und geht nach Berlin.

Sechs in einem Raum

Ein Jahr bleibt er an der Spree. „Es war eine sehr schöne Zeit“, sagt Camara heute und beschreibt ein Leben, das wohl nur wenige als schön bezeichnen würden. „Wir haben uns mit sechs Afrikanern ein Zimmer geteilt, das war billig. Um 17 Uhr sind wir dann alle raus und haben in den Kneipen irgendwelche Sachen verkauft.“ Gegen 23 Uhr seien sie meist zurückgekommen, hätten gemeinsam Reis gekocht und gegessen. „Es war wie in Afrika“, schwärmt Camara mit glänzenden Augen.

Am Ende des Jahres 1994 heiratet Camara die Künstlerin Helga Baumgärtel, dadurch bekommt er ein Aufenthaltsrecht und später die deutsche Staatsbürgerschaft. Das Paar hatte sich noch in Bremen auf einem interkulturellen Fest kennengelernt. Die beiden ziehen nach Oldenburg, wo Baumgärtel Kunst unterrichtet. Camara fängt an, auf den Märkten der Region T-Shirts und Gürtel zu verkaufen, später steigt er um auf afrikanisches Kunsthandwerk. 2004 schließlich eröffnet er seinen Laden. Einmal pro Jahr fährt Camara für mehrere Monate auf Einkaufstour. Meist durch Afrika, aber demnächst will er mit seiner Frau auch mal nach Asien. In Städten und Dörfern kauft er direkt bei den Herstellern ein.

Besonders stolz ist er auf seine Zusammenarbeit mit einer Initiative aus seinem Heimatland Senegal. Diese Gruppe, die von arbeitslosen Jugendlichen gegründet wurde, recycelt unterschiedliche Materialien und stellt daraus Dinge her, die Camara dann in seinem Geschäft verkauft. Er zeigt auf das Prunkstück: „Setzen Sie sich darauf, der hält das aus.“ Es handelt sich um einen Sessel, dessen Gestell aus dünnen Rohren gefertigt ist. Die Sitzfläche ist sehr bunt. Sie besteht aus gebrauchten Kronkorken. Daneben finden sich Spielzeug aus Blech und Aktenkoffer aus alten Fanta-Dosen.

Nur selten Angst

In Deutschland fühle er sich sehr wohl, sagt Camara. Allerdings berichtet er auch, dass er gelegentlich mit offenen Rassismus konfrontiert wird. Besondere Angst habe er einmal gehabt, als ihm in Oldenburg jemand von einem Auto aus „Neger!“ zugerufen und ihn mit einer Flüssigkeit beworfen hatte. „Im ersten Augenblick habe ich gedacht, dass es sich um eine Säure handelt“, erinnert Camara sich. Doch solche schlimmen Erlebnisse seien die Ausnahme. Camara: „Oldenburg ist ein angenehmes Pflaster.“

 @ Mehr Infos unter http://www.NWZonline.de/integration-oldenburg