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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Weniger Ozonbelastung: Luft in Oldenburg wird sauberer

09.08.2018

Oldenburg Ozon, Sie erinnern sich vielleicht? Vor rund 20 Jahren beherrschte der Ozonwert die Schlagzeilen. Augen brannten, Hälse kratzten, Ärzte rieten von körperlichen Belastungen im Freien ab. Und heute? Geht keine Gefahr mehr von den aus drei Sauerstoffatomen bestehenden Molekül aus? 

Ozon bleibt gefährlich

„Mitnichten“, sagt der Allgemeinmediziner Ralf Witt. Das Thema sei allerdings in Vergessenheit geraten, ebenso wie der UV-Index. Und die mittlere Ozon-Belastung ist in den vergangenen Jahren tatsächlich zwischen zehn und 20 Prozent zurückgegangen, weiß Detlev Heinemann, Leiter der AG Energiemeteorologie an der Carl-von-Ossietzky-Universität. Tatsächlich sei die Luft in den zurückliegenden Jahrzehnten sauberer geworden. Heinemann: „Je weniger Schadstoff sich in der Luft befindet, um so weniger Ozon wird gebildet.“

Lesen Sie auch: 51 neue Busse sollen für bessere Luft in Oldenburg sorgen, Artikel vom 2. Juli 2018 Wann die Luft am Heiligengeistwall am dicksten ist, Artikel vom 22. Februar 2018

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In Bodennähe auftretendes Ozon wird nicht direkt freigesetzt, sondern bei intensiver Sonneneinstrahlung durch komplexe fotochemische Prozesse aus Vorläuferschadstoffen − überwiegend Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen − gebildet. Ozon wird deshalb als sekundärer Schadstoff bezeichnet, heißt es beim Bundesumweltamt.

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Ein Messwert reicht nicht

Körper nicht belasten

Und weiter: Die gesundheitlichen Wirkungen von Ozon bestehen in einer verminderten Lungenfunktion, entzündlichen Reaktionen in den Atemwegen und Atemwegsbeschwerden. „Bei körperlicher Anstrengung, also bei erhöhtem Atemvolumen, können sich diese Auswirkungen verstärken“, schreibt das Ministerium. Empfindliche oder vorgeschädigte Personen, zum Beispiel Asthmatiker, sind besonders anfällig und sollten bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen im Freien am Nachmittag vermeiden. Ab einem Ozonwert von 180 µg/m³ gibt es Warnungen an die Bevölkerung.

Hohe Werte

Im aktuellen Supersommer sind die Ozonwerte in Oldenburg zwar hoch, dennoch aber noch unter dem Grenzwert. Am Dienstag erreichte die Belastung im südlichen Oldenburg einen Wert von 171 µg/m³ Luft.

Wenig Stickstoffdioxid

Unterdessen hat die Stadt die Ergebnisse der zehn über das Stadtgebiet verteilten Passivsammler vorgestellt, mit denen die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid gemessen wird. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Er wurde an keinem der zehn Messpunkte überschritten. Die Ergebnisse liegen zwischen 13,4 und 22,8 Mikrogramm.

Die Werte im einzelnen: Langenweg (14,5 Mikrogramm), Butenweg (14,6), Bornhorster Straße (14), Hugo-Eckener-Straße (13,4), Wilhelm-Ahlhorn-Weg (15,7), Chaukenstraße (15,9), Wehdestraße (18,5), Georgstraße (20,1), Gerhard-Stalling-Straße (22,8). Es handelt sich dabei um die Durchschnittswerte nach acht Messzyklen seit November 2017 bis einschließlich Juni 2018. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim misst die Werte am Heiligengeistwall, wo der Grenzwert regelmäßig überschritten wird. Der Durchschnittswert lag im vergleichbaren Zeitraum bei 47,5 Mikrogramm. Dort drohen Fahrverbote.

Zweifel an Grenzwerten

 Dazu hat sich bereits die CDU geäußert: Mit Blick auf den von der Verwaltung vorgelegten Zwischenbericht sieht sich die Fraktion in ihrer Auffassung bestätigt, dass es in Oldenburg kein grundsätzliches Stickstoffdioxid-Problem gibt. „An neun von zehn Messstellen wird der Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm deutlich unterschritten“, stellt CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Klaukien fest. Lediglich der Referenzmesspunkt am Heiligengeistwall übersteigen den Grenzwert. „Dies war allerdings auch der Fall, als der Heiligengeistwall am vorvergangenen Wochenende aufgrund von Asphaltarbeiten gesperrt war“, ergänzte Fraktionsvize Christoph Baak, der zugleich auch Mitglied des Ausschusses für Stadtgrün, Umwelt und Klima ist. Nach Meinung der beiden Christdemokraten müsse es am Heiligengeistwall also auch abseits des Pkw-Verkehrs eine Ursache für die erhöhte Stickstoffdioxid-Konzentration geben. Dies gelte es nun herauszufinden.

Viel Unverständnis

Was viele Menschen nicht verstehen, sind die unterschiedlichen Grenzwerte. So gelten in Büros beispielsweise 60 Mikrogramm. Und in Industrie- oder Handwerksunternehmen, in denen viel Stickstoffdioxid anfällt, gilt sogar ein „Arbeitsplatzgrenzwert“ von 950 Mikrogramm.

Was auch immer wieder gefordert wird, ist eine Überprüfung des Messcontainers am Heiligengeistwall. Arbeitet er überhaupt korrekt? Zweifler verweisen u.a. auch darauf, dass das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim bei seiner jüngsten Studie zur Luftreinhaltung sich verrechnet hat. Hier wurden für Westerstede und Bad Zwischenahn völlig falsche Werte ermittelt. Nach heftigen Protesten muss die Studie nun neu überarbeitet werden.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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