• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Von wegen sorgenfrei! – Hier schießen die Gerüchte ins Kraut

11.04.2018

Oldenburg Der Ginster blüht, die Fenster sind geputzt, die Flagge weht mehr oder minder stolz überm Vereinsheim – trotzdem ist die Stimmung in der Kleingartenanlage „Sorgenfrei“ nun nicht gerade die allerbeste. Nicht erst seit dem langen, trüben Winter, sondern seit ein, zwei Jahren geht das schon mehr oder minder so. Erst recht zu jedem Start der Gartensaison.

Weil: „Es geht zu Ende“, wie Heider Höpken sagt und damit in erster Linie das ruhige Leben im hiesigen 3,5 Hektar großen Grün meint. Der Kassierer des diesbezüglich federführenden Kleingartenvereins Donnerschwee/Ohmstede fürchtet, dass all die hier in „Sorgenfrei“ über Jahrzehnte eingebrachte Liebe dem Bagger zum Opfer fällt. Dass sich Gartennachbarn verlieren, dass Steine Erinnerungen ablösen.

Es ist ein später Montagabend, als nach und nach die Pächter vom Frühjahrsputz aus ihren Kleingärten kommen, die Lauben und Törchen abschließen. „Wofür soll man noch groß investieren und pflegen, wenn es uns hier bald sowieso schon nicht mehr geben könnte?“, heißt es von einem jungen Pärchen. „Die machen doch, was sie wollen“, von einem älteren Gartenfreund. Von einem „Abriss des Vereinsheims in zwei Jahren“ ist die Rede. Auch andauernde behördliche „Rausekel“-Versuche werden vermutet – weil die Pacht mehrfach nahezu vierstellig erhöht worden sei.

Grund für die Sorgen und Gerüchte, die wie Unkraut aus dem Boden schießen, sind die jüngsten Entwicklungen im Bund und ein Schriftverkehr mit der Stadt. Das Gelände, auf dem rund 80 Pächter ihre persönliche Freiheit im Grünen genießen, befindet sich im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Und die hat nun Liegenschaften zu veräußern, die „nicht mehr für Bundeszwecke benötigt“ werden, so heißt’s dort in Bonn. Die tatsächliche Betriebsnotwendigkeit von Kleingartenanlagen (von denen besitzt der Bund via Bima zahlreiche) bewerten die Gartenfreunde sicherlich etwas anders als „die da oben“.

Drei Wohnblocks?

Ein gefundenes Fressen für die Stadt? Dass die Kommune drauf und dran sei, das Gelände an der Graf-Spee-Straße zu übernehmen, ist für manchen offenbar gesetzt: „Das wird so kommen, der Verkauf ist nur logisch“, macht’s die Runde. Wenngleich dies auch nicht sofort geschehe, sondern erst in einigen Jahren. Was hier mittelfristig folge, ahnen die meisten Pächter dank aktiver Gerüchteküche: Allesamt müssten sie nämlich bei einem Bima-Verkauf an die Stadt weichen, weil die GSG hier „drei Wohnblocks hinsetzen“ wolle, heißt es. Mögliche Ausgleichsflächen hätte die Kommune ja längst im Fokus – „bei Hollwege“. Auf den Pachtflächen am Feldkamp ist im Bebauungsplan ein optionales Kleingartengelände vorgesehen. Ach, und das wegfallende Vereinsheim solle dann „am Brahmkamp neu hochgezogen“ werden. Das alles klingt schon sehr konkret, wirkt vollends durchgeplant.

Es gibt da offenbar nur einen kleinen, winzigen Haken am ganzen Sorgen-Gebilde: „Die Stadt übernimmt das Gelände nicht, weil sie es nicht gekauft hat bzw. nicht kaufen wird“, so Stadtsprecher Stephan Onnen auf NWZ-Anfrage.

Tatsächlich hatte die Kommune vor drei Jahren den Kontakt zur Bima wegen der Anlage Sorgenfrei gesucht – allerdings nur, weil es ein Interesse an der Zuwegung gegeben habe. Letztere wurde dann auch gekauft, dies indes nur im Sinne einer Durchlässigkeit und Anbindung der Kaserne – „insbesondere weil damit auch ein direkter Zugang zur neuen Kita in Neu-Donnerschwee erfolgen kann“, so die Stadt.

„Keine Überplanung!“

„Die Kleingärtner brauchen sich aus Sicht der Stadt keine Sorgen zu machen“, betont deshalb Baudezernentin Gabriele Nießen. Nicht zuletzt, weil es für das Gesamtgelände keine Überplanung gebe, wie man beteuert. Auch die GSG beschwichtigt: „Wir haben keine Pläne und wissen auch nicht, wo das Gerücht herkommt“, so Geschäftsführer Stefan Könner. Der entscheidende Punkt aber: „Die Anlage ist nicht im Verkaufsportfolio und es ist auch nicht beabsichtigt, sie in nächster Zeit zu veräußern“, sagt zumindest Thomas von Seggern (Bima). Alles gut also? Mal sehen. Denn noch verwaltet die Bima ja das Gelände, bis auf weiteres. Ein Verkauf, irgendwann, an wen auch immer, könnte die Sorgen der Kleingärtner neu befeuern.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107