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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Oldenburger Im Einsatz Für Flüchtlinge: Diese Grenzerfahrung bleibt im Gedächtnis

30.10.2015

Oldenburg ... und bitte lächeln! Es ist dieses eine Erinnerungsfoto an einen Einsatz, wie sie ihn wohl niemals mehr vergessen werden: Handy raus, Kamera-App ein, Klick, Handy aus – und weiter geht’s. Hauptkommissarin Melanie Füllbrunn und Hauptmeisterin Ruth Tönnies, beide im Revier Oldenburg stationiert, sind derzeit für die Bundespolizei in Freilassing eingesetzt. Und nach Lächeln ist ihnen dort so kaum zumute. Im Süden des Landes nehmen sie an der Grenze Menschen in Empfang, die keine Heimat mehr haben, aber sich bei ihnen erhoffen. Die können ihnen die Oldenburgerinnen aber nicht geben.

Es ist eine belastende Erfahrung, eine ganz außergewöhnliche noch dazu. Auch Daniel Hunfeld war vor zwei Wochen dort, jede Nacht an der Fußgängerbrücke über die Saalach bei der Bundesstraße 304. Dort also, wo Flüchtlinge die Grenze von Österreich nach Deutschland passieren. Hunderte. Tausende. Kontrolliert, aber eben in Massen. Und obwohl ihn die allgemeine Stimmung ebenda „sehr positiv überrascht“ habe, sagt er auch: „Es ist nicht immer so einfach. Es gilt, mit noch mehr Fingerspitzengefühl zu agieren.“

Hier können Sie Flüchtlingen im Nordwesten helfen

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Der Arbeitstag dauert 12 bis 16 Stunden ohne Pause, wirkt aber für Wochen nach. Fünf Oldenburger – unter einer dreistelligen Zahl Beamter aus dem gesamten Bundesgebiet – machen just in diesen Tagen solche Erfahrungen. 15 waren es bislang. Und auch die meisten anderen Kollegen aus der Übermorgenstadt werden es ihnen noch gleichtun.

Im Schnellverfahren

„Wir wollen die Einsätze auf möglichst viele Schultern verteilen“, sagt Hunfeld, „damit die Belastung relativ gleich bleibt, aber auch alle Kollegen diese Situation einmal erleben.“ Diese Situation: das sind beispielsweise Stichkontrollen an der Autobahn, auf der Taxifahrer Flüchtlinge illegal über die Grenze schleusen. Das sind Prüfungen in Sonderzügen. Das sind „Fast-ID“-Verfahren, für die massenhaft Fingerabdrücke genommen, und auch Menschen für Durchsuchungen in so genannte „Bearbeitungsstraßen“ geführt werden. Das sind aber auch Verhandlungen mit dem österreichischen Bundesheer über Menge und Auswahl der Flüchtlinge, die die Grenzseiten nach Deutschland wechseln dürfen. Maximal zehn pro Durchgang, die dann auf Lichtzeichen oder über das Okay via „Kinder-Walkie-Talkies“ von Ehrenamtlichen in Österreich auf den 150 Meter langen Brückenmarsch zu den Bundespolizisten in Freilassing entsandt werden. „Sie sind überglücklich, wenn sie ankommen“, hat Hunfeld erlebt, „vor allem die Kinder.“

Multimediareportage über Flüchtlinge in Oldenburg: 5000 Kilometer Richtung Hoffnung

Bleiben können sie dort nicht. Für viele geht es direkt in ein ehemaliges und 1000 Menschen fassendes Möbellager nebenan. Die meisten werden mit Zügen aber nach den Kontrollen quer durch Deutschland gefahren. Nach Berlin, Düsseldorf, Hannover – wo sie dann weiter „durchgeschleust“ werden bis zum vorläufigen Bestimmungsort.

Ruth Tönnies ist Mutter von zwei Kleinkindern und derzeit in Teilzeit beschäftigt. Trotzdem hat sie sich für neun Tage Freilassing gemeldet. Andere Beamte sind Familienväter, trotzdem vor Ort aktiv. Oder vielleicht auch gerade aus diesem Grund. „Alle Kollegen sind sehr bemüht – es zahlt sich aus, wenn dort erfahrene Väter und Mütter eingesetzt werden“, so Hunfeld. Familien mit Kleinstkindern oder Hochschwangere werden an der Grenze bevorzugt – das ist für alle Wartenden rundum auch so in Ordnung.

Große Solidarität

Die meisten Flüchtlinge vor Freilassing kommen aus Syrien, dem Iran oder Irak. „Teilweise sehr gebildete Menschen, mit denen man gut auf Englisch kommunizieren kann.“ Und nahezu allen merke man die Strapazen der langen Reise an. Doch der Zustrom ebbt nicht ab.

In der Oldenburger Dienststelle arbeiten zwei Kollegen bereits Akten ab, die die Bundespolizei in Rosenheim derzeit nicht mehr bewältigen kann. Amtshilfe über hunderte Kilometer hinweg. „Die Solidarität ist sehr groß“, sagt der 42-Jährige. Und angesichts der ungewissen Landeslage wohl auch nötig. Im kommenden Jahr sollen bundesweit 3000 neue Bundespolizisten ausgebildet werden, vielleicht sogar in verkürzter Lehre. Wie viele von ihnen wann auch nach Oldenburg kommen mögen – und was sie dann zu leisten imstande sind, ist unklar. Wie so vieles. Schon jetzt stehen aber die hiesigen Einsatzpläne für Freilassing und rundum bis Jahresende fest. Dass die Zeiten ab Januar geordneter sind – daran wagen sie kaum zu glauben: „Denn noch sind die Menschen vom Balkan, die in den Wintermonaten hier Schutz suchen, nicht dabei.“

Es ist eine Ausnahmesituation, wie es sie in Deutschland so noch nie gegeben hat – dessen sind sich alle Beamten im Oldenburger Revier bewusst. Entsprechend groß sind die Bemühungen, ihr wohlwollend und gemeinsam zu begegnen. Handyfotos sind da zwar eine schnelle Erinnerung – tatsächlich benötigen Einsatzkräfte wie Füllbrunn und Tönnies diese aber eigentlich nicht. Erfahrungswerte wie diese bleiben im Gedächtnis.

So oder so.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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