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Osternburger Feiern Jubiläum: Aus Bürger- wurde ein Gartenbauverein

20.12.2019

Osternburg Im gräflichen Salbuch von 1428 war von „de twe hus to Osterenborch“ die Rede. Die Erwähnung gilt als erstes geschichtliches Dokument Osternburgs. 591 Jahre ist das her, eine lange Zeit. Aus den zwei Häusern hat sich eine Ortschaft entwickelt, die 1616 von Graf Anton Günther als eigenständige Gemeinde anerkannt wurde. 1922 wurde Osternburg dann der Stadt Oldenburg zugeschlagen und eingemeindet.

Historisch betrachtet ein langer Weg, auf dem der Bürger- und Gartenbauverein Osternburg-Dammtor von 1859 gegründet wurde. Er ist nach dem Bürgerverein Dammtor Pöseldorf von 1848 in Hamburg der zweitälteste Bürgerverein in Deutschland und hat heute über 800 Mitglieder, teilt der Vorstand mit.

Der Hamburger Verein stellte soziale Themen in den Vordergrund seiner Aktivitäten, der im Vereinsregister eingetragene Osternburger Verein richtet seine Aktivitäten nicht auf kurzfristig angelegte Ziele aus, sondern kümmert sich als die Stimme des Stadtteils Osternburg in allen kommunalen Bereichen um die Angelegenheiten, die die Bürger betreffen. So hat er regelmäßigen Kontakt zur Stadtverwaltung, zu Parteien, Kirchen und anderen Institutionen. Er ist u.a. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Stadt Oldenburger Bürgervereine und der „Oldenburgischen Landschaft“.

Industrielle Revolution

Osternburg war die Keimzelle des wirtschaftlichen Aufschwungs Oldenburgs. Die Glashütte, die Werft, die Warpsspinnerei oder die Wagenbauanstalt sorgten für Arbeitsplätze und Umsatz in einer bis dahin strukturschwachen Region, in der die industrielle Revolution erst mit Verspätung ankam. Oldenburg war beispielsweise erst 1867 an das Eisenbahnnetz angeschlossen worden.

Der geschäftsführende Vorstand des Bürgervereins setzt sich aus dem amtierenden Vorsitzenden Ulf Prange, der Kassenführerin Ursula Hörmann und dem Schriftführer Geert Claußen zusammen. Die ehemaligen Vorsitzenden und Ehrenmitglieder Heidi Tauchert und Helmut Schultheiß unterstützen Prange bei seiner Arbeit.

Geert Claußen hat auf der Basis von Matthias Schachtschneider (1934-2019) „Osternburg – Ein Ort mit vielen Gesichtern“, 1999) die Geschichte des Bürgervereins aufgeschrieben:

Am 11. Dezember 1859 gründete sich der „Osternburger Verein“ im Schützenhof „Zur Wunderburg“ an der Wunderburgstraße (heute Straße „Am Wunderhorn“). Laut Statut Artikel 1 war sein Zweck, „durch freundschaftliche Unterhaltung, Lesen von Zeitschriften, gesellige Spiele, Tanz- und anderen Parthien den Mitgliedern Erholung von ihren Berufsgeschäften zu gewähren“. Es ging nur um Geselligkeit, denn die Statuten lauteten: „Jedes Mitglied des Vereins ist schuldig, dahin zu wirken, dass eine fröhliche und heitere Stimmung in der Gesellschaft unterhalten wird. Der Verein hatte es sich darüber hinaus von Anfang an zur Aufgabe gemacht, die „Interessen der Gemeinde Osternburg in jeder Weise zu fördern“. Öffentliche Aufmerksamkeit war aber offenbar nicht im Sinne des Vereins, denn über die Mitgliederstruktur und das Vereinsleben liegen keine Unterlagen vor. In der Folgezeit gab es in diesem Verein in Osternburg Bürger, die sich aus verschiedensten Gründen trafen, um ihre Anliegen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Aktiv wurden sie zum Beispiel bei Gemeinderatswahlen.

Alle Berufsstände

Ein Landtags- und Reichstagsabgeordneter aus Drielake regte an, in Osternburg einem Bürgerverein die entsprechenden Statuten zu geben und dabei die Ideen von 1859 einzubeziehen. Hier waren nunmehr „Menschen aller Berufsstände und aus allen Teilen der Gemeinde willkommen, die die Gemeindeinteressen vor die Sonderinteressen stellten und die Besserung der Gemeindeverhältnisse anstrebten“. In diesem Sinne wurde am 5. Februar 1898 der „Osternburger Bürgerverein“ gegründet. Noch im gleichen Monat wurde die Gaststätte „Harmonie“ an der Dragonerstraße Vereinslokal.

Ziel des Bürgervereins war es, die Interessen Osternburgs gegenüber der Landesregierung in Oldenburg zu vertreten. „Unsere Zeit steht im Zeichen einer außerordentlich raschen Entwicklung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens“. Dazu gehörten neben Veranstaltungen zur Unterhaltung und „Belehrung“ u. a. die Verbesserung im Kommunalwahlrecht, Aufstellung von Bebauungsplänen, Verbesserung der Straßen und Wege, der Straßenreinigung und Straßenbeleuchtung, die Anlage von Wasserleitungen und Kanalisation, die Anpflanzungen von Bäumen, die Einrichtung von Schulen und vieles mehr (vergleichbar den Aufgaben im heutigen Bürger- und Gartenbauverein Osternburg-Dammtor). Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914 waren die Vorbereitungen von Gemeinderats- und Landtagswahlen und die Aufstellung der Listen der Kandidaten Aufgaben und Themen im „Osternburger Verein“. Dabei gab es nicht selten „tagespolitische Meinungsverschiedenheiten und persönliche Rivalitäten.“ Es wurde auch „verbal kräftig ausgeteilt“. „Bürger, die nicht nach der Pfeife einiger Herren im Bürgerverein tanzen wollten, wurden nicht gewählt“.

Auch zu Beginn der Weimarer Republik 1919 bot der Bürgerverein den bürgerlichen Parteien, darunter die SPD, zum letzten Mal für deren Listen Mitglieder an. 1922 wurde Osternburg ein Stadtteil von Oldenburg. Dadurch veränderte sich auch der Aufgabenbereich des Vereins. Er richtete sein Augenmerk durch Vorträge städtischer Beamter auf die Entwicklung der städtebaulichen und technischen Infrastruktur des neuen Stadtteils, aber auch zur „Vorgartengestaltung, Balkonschmuck, Blumenpflege und Vogelschutz“. 1927 verteilte der Bürgerverein an Schulkinder 500 Blumenpflanzen und stellte 32 gestiftete Ruhebänke auf. Mitglieder pflanzten im Stadtteil 5000 Bäume und Sträucher. Auf der Bremer Heerstraße wurden 1934 Lindenbäume gepflanzt. Ab 1932 wurden Gärten und Vorgärten von einer Kommission prämiert; von 2000 besichtigten wurden 400 ausgezeichnet. Das alles zeigt, dass der Verein einen neuen Betätigungsbereich gefunden hatte.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 wurde auch der Bürgerverein neu strukturiert. Es gab jetzt eine Abteilung für „Heimatpflege“ mit den entsprechenden Veranstaltungen im Sinne der NS-Ideologie. Propaganda bestimmte auch das Wirken des Bürgervereins, der als Helfer der Staatspartei gesehen wurde. Bald passte ein Bürgerverein trotzdem nicht mehr als Interessenvertretung der Bürger in das politische Konzept. Die Bürgervereine wurden 1937 aufgefordert, sich aufzulösen, „da sie im nationalsozialistischen Staat keine Daseinsberechtigung mehr hatten“. Die Osternburger beschlossen allerdings, diesem Auflösungsbefehl nicht nachzukommen. Sie wandelten den Verein in einen „Garten-bauverein‘“ um und unterstellten ihn dem „Reichsnährstand“, der konzentrierte sich vor allem auf die Lenkung der Produktion, des Vertriebs und der Preise von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Der Beitritt geschah im September 1937 und wurde vom Staat anerkannt. Der Verein hieß jetzt „Gartenbauverein Osternburg-Dammtor“.

Förderung des Gartenbaus

Nunmehr betrieb der Verein in „keiner Weise Politik“, sondern die „Förderung des Gartenbaus durch Belehrung, Bezug und Verteilung von Düngemitteln, Sämereien und durch andere geeignete Mittel“. Der Bürgerverein fungierte so als Verwalter und Verteiler von Saatgut aller Art, aber auch als „Verschönerer“ von Straßen und Plätzen.

Nach 1945 blieb es bei diesen Aufgaben, nur nannte man sich ab 1948 „Obst- und Gartenbauverein“, ab 1951 mit dem Zusatz „Bürgerverein“ und ab 1953 mit dem heutigen Namen mit dem Zusatz aus der Tradition „von 1859“.

Das besondere Jubiläum begeht der Verein mit leichter Verspätung am Sonntag, 19. Januar 2020, mit einem Kohlessen für seine Mitglieder in der „Gaststätte Meiners“ in Hatten. Rund 160 der rund 800 Mitglieder haben sich bereits angemeldet.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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