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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

„Pille danach“ nicht leicht erhältlich

11.04.2013

Oldenburg

Ergebnis einer bundesweiten Studie von Pro Familia ist, dass Mädchen oder Frauen nicht selten mit abschätzigen Reaktionen konfrontiert werden, wenn sie mit dem Wunsch nach der „Pille danach“ Notdienstzentralen aufsuchen.

Auch in Oldenburg scheint der Zugang zum Präparat schwierig: Die 38-jährige Karin H. ist bestürzt über das ärztliche Beratungsgespräch in der Notdienstpraxis – bei der sie die „Pille danach“ haben wollte. Die Praxis befindet sich in den Räumen beim Evangelischen Krankenhaus in der Auguststraße.

In anderen EU-Ländern ist das Präparat frei in Apotheken erhältlich, in Deutschland ist ein ärztliches Rezept Pflicht. Das bedeutet, dass Frauen an Wochenenden und Feiertagen auf Notdienstzentralen und Klinikambulanzen angewiesen sind – wie auch Karin H.

Wenn die Zeit drängt

An einem Sonntagnachmittag versagte ihre Verhütungsmethode: Das Kondom riss. Eine Stunde später saß Karin H. im Wartezimmer der zentralen Notdienstpraxis an der Auguststraße – um sich die „Pille danach“ verschreiben zu lassen. So schildert sie es. Die Zeit drängt. Denn für die Wirkung des Präparats gilt: je schneller eingenommen, desto effektiver. In der Packungsbeilage eines der gängigen Medikamente heißt es: „Diese Verhütungsmethode sollte so bald wie möglich angewendet werden, vorzugsweise innerhalb von 12 Stunden und nicht später als 72 Stunden (drei Tage) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr.“ Doch innerhalb der ersten zwölf Stunden erhielt Karin H. das Präparat nicht: Der diensthabende Arzt weigerte sich, das Medikament zu verschreiben.

Das geht aus dem Notfall-/Vertretungsschein hervor, er liegt der NWZ  vor. Dort heißt es: „Zeitfenster für Pidana 72. Std., selbiges nicht verordnet sondern morgen zur gynäkologischen Beratung geraten“. Pidana ist der Name einer häufig verordneten „Pille danach“.

Diese Notiz bedeutet für Karin H. vor allem eines: In den wirksamsten zwölf Stunden des Präparats bekommt sie es nicht. Ihre nächste Anlaufstelle ist eine gynäkologische Praxis – die nicht vor Montagmorgen zu erreichen ist. Am Montagvormittag dann verschreibt die Frauenärztin von Karin H. das Präparat. „Zwar sagte mir der Arzt, dass mein Zyklus so stabil sei, dass eine Schwangerschaft auszuschließen sei – aber ich wollte auf Nummer sicher gehen.“

Folgen des Gesprächs

Nun lautet ihr Fazit: „Im 21. Jahrhundert kann ein Mann darüber entscheiden, ob ich schwanger werde oder nicht.“ Karin H. fühlte sich in dieser Situation „ohnmächtig und gedemütigt“. Ihren Ehemann kennt sie seit 17 Jahren, seit 2006 sind sie verheiratet.

Die Akademikerin beschwerte sich umgehend bei der Ärztekammer. Im Antwort-Schreiben, das nach zwei Monaten einging, heißt es: „Zugegebenermaßen ist Ihnen Recht zu geben, dass die Erfolgsquote umso höher ist, je früher das entsprechende Medikament eingenommen wird“.

Karin H. half der Arztbesuch in der Notdienstpraxis bei ihrem Anliegen nicht weiter – sondern stellte neben der Rezeptpflicht eine weitere Hürde dar. Antje Heinemann-Sanders, Leiterin von Pro Familia Oldenburg, erklärt: „Aus der Sicht einer Beraterin gibt es natürlich eine Hemmschwelle, in eine Notarztpraxis oder ins Krankenhaus zu gehen und sich durchzufragen. Dass es Probleme bei der Verschreibung gibt, erleben wir immer wieder.“

Der diensthabende Arzt erklärte auf Anfrage der NWZ : „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Medikament nicht gebraucht wurde, erschien mir so groß, dass ich den Hinweis auf die Wirksamkeit von zwölf Stunden ignoriert und es auch deswegen nicht verordnet habe. Ich bedauere, dass die Patientin sich belastet fühlt, dass ich ihr die Dimensionen ihres Handelns benannt habe.“

Wie halten es die Konfessionellen Krankenhäuser mit der „Pille danach“?

Nach dem Verständnis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) unterdrücken und verzögern die Wirkstoffe der „Pille danach“ den Eisprung. So können Schwangerschaften nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert werden.

Evangelisches Krankenhaus: Pressesprecherin Angela Rieger-Garthoff erklärt: „Die Pille danach wird auf Wunsch verordnet. Patientinnen kommen mit so einem Anliegen oft über die Notaufnahme zu uns. Mit einem Urintest wird überprüft, ob sie bereits schwanger ist. Das und eine Beratung sind natürlich Pflicht. Weitere gynäkologische Untersuchungen sind nicht notwendig.“

Pius-Hospital: Professor Rudy Leon de Wilde, ärztlicher Direktor des Krankenhauses und Klinikdirektor der Gynäkologie, erklärt auf Anfrage der NWZ : „Wissenschaftlich gesehen ist es nicht klar, ob die „Pille danach“ eine Befruchtung oder eine Einnistung der Eizelle verhindert. Solange das nicht eindeutig ist, ob potenziell ein beginnendes Leben beendet wird, verschreiben wir ein solches Präparat nicht. Das wäre mit der katholischen Lehre als katholisches Krankenhaus nicht zu vereinbaren. Wir nehmen aber jede Patientin an, untersuchen und beraten sie. Medizinische Betreuung abzulehnen, kommt für uns nicht infrage.“

Für eine rezeptfreie Vergabe der „Pille danach“ hat sich der Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ausgesprochen.

Keine Abtreibungspille ist die „Pille danach“. Das Medikament verhindert lediglich den Eisprung – ähnlich wie die „Antibabypille“, erklärt Antje Heinemann-Sanders, Leiterin von Pro Familia Oldenburg.

www.profamilia.de

Evelyn Eveslage
Wardenburg
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2730

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