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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Puzzleteile ergeben erschreckendes Bild

15.11.2014

Oldenburg 21 schlichte Grabkreuze stehen aufgereiht auf dem Neuen Osternburger Friedhof zwischen Cloppenburger Straße und An den Voßbergen. Namen und Daten erinnern an Getötete während des Zweiten Weltkriegs. Nur auf dem Stein ganz rechts fehlen diese Informationen. „3 unbekannte deutsche Soldaten, gest. Ende Apr. 1945“ ist dort bloß zu lesen. Dieser scheinbar harmlose Satz verweist tatsächlich auf abscheuliche Gräueltaten in den letzten Tagen vor Kriegsende.

Der Historiker Hans-Peter Klausch hat die Ereignisse dieser Zeit so weit wie möglich rekonstruiert. Am Donnerstagabend stellte er die Ergebnisse seiner Recherche auf Einladung des Fördervereins internationales Fluchtmuseum zahlreichen Zuhörern im Stadtmuseum vor.

Zeitzeugen berichten

In Tagebüchern, Briefen und bei Gesprächen mit Zeitzeugen war er auf grausame sogenannte Endphaseverbrechen gestoßen: Mindestens vier Menschen wurden an der Cloppenburger Straße als angebliche Deserteure – zur Abschreckung vor aller Augen – gehängt oder erschossen.

Offizielle Aufzeichnungen aus der Zeit sind rar, sie wurden entweder gar nicht erstellt oder vernichtet. Dementsprechend schwierig gestaltete sich für Klausch die Suche nach dem genauen Tathergang. Wie ein Kriminalist versuchte er in mühsamer Kleinarbeit, Hinweise in Texten zu finden, Querverweise zu deuten und Augenzeugen aufzutreiben. Zusammengesetz ergibt das Puzzle ein erschreckendes Bild.

Ziemlich sicher ist sich Klausch, dass am 23. April 1945 ein Soldat vor dem damaligen Gasthaus Bümmersteder Kurier, an der Abzweigung der Sandkruger Straße, erhängt wurde. Zwei weitere Fälle in diesen Tagen sind ihm bekannt für die Kreuzung Cloppenburger Straße und Bremer Straße. Am 25. April wurde ein weiterer Mann an der Kreuzung Cloppenburger Straße und Ewigkeit mit dem Strick getötet. Der exakte Ablauf der Morde ist allerdings ungewiss. So hat Klausch in der NWZ  vom 3. Mai 1946 einen Augenzeugenbericht gefunden, der besagt, dass einer der Männer per Genickschuss hingerichtet wurde, nachdem der Strick gerissen war. Einige Besucher des Vortrags bestätigten diese Version.

Spur führt zu Freikorps

Schwierig war auch die Suche nach den Tätern. Ein Augenzeugenbericht verwies auf ein SS-Standgericht, das die Todesurteile fällte. Klausch vermutet allerdings eine Verwechslung von Abkürzungen und daher ein damals eingesetztes Sonderstandgericht. Dies stand im Kielweg unter der Führung der 7. Fallschirmjägerdivision. Die Spurensuche nach den Vollstreckern der Todesurteile führte Klausch auf das der Division unterstellte Freikorps Adolf Hitler. Diesem Kampfverband gehörte auch Ludwig Thielebeule an, ein gefürchteter SA-Mann. Auf ihn ging unter anderem das tödliche Attentat auf den KPD-Landtagsabgeordneten Johann Gerdes im Jahr 1933 zurück. Der Zeitungsbericht von 1946 nennt Thielebeule auch als Todesschützen bei der Hinrichtung in Osternburg.

„So etwas hat es sehr oft gegeben in dieser Zeit“, meinte Klausch. Der Oldenburger Fall ist aus seiner Sicht Grundlage für weitere Untersuchungen in Stadt und Umland, weil es in diesem Bereich noch eine große Forschungslücke gebe.

Die Stabstelle Integration der Stadt Oldenburg hat den Vortrag gefördert. Nun hofft Klausch auf weitere Finanzierung aus öffentlichen Mitteln und Stiftungen, um die Arbeit fortsetzen zu können. Es wäre allein schon ein wichtiger Schritt, um den Nachfahren der Opfer Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen zu geben. Von den „unbekannten deutschen Soldaten“ vom Osternburger Friedhof sind inzwischen zwei Namen bekannt: Albert Bauer und Xaver Artmann, die ein grausames Ende in Oldenburg fanden, stammten aus Bayern.

Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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