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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Gefangenenbus mit Lümmelbank und Urinbeutel

02.05.2014

Oldenburg Michael Lambach betätigt von der Steuertafel im Fahrercockpit den Schließmechanismus für die Fünfer-Zelle im Fond des neuen Gefangenentransportbusses. Sein Kollege Thomas Hamann zieht die Tür auf. Fünf Polstersitze in einer Reihe – ein bisschen so wie im Linienbus – sind zu sehen. „Das ist unsere Lümmelbank“, schmunzelt Lambach, „besonders bei den jüngeren Gefangenen beliebt.“ Der 52-Jährige ist Transportleiter der Oldenburger Justizvollzugsanstalt.

Mit Panzerglas gesichert

Zwölf Zellen enthält das rollende Gefängnis, neben der Fünfer-Kabine gibt es Vierer-Zellen und Einzelkabinen – nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Der Blick nach draußen ist für die Häftlinge nur durch mit Panzerglas gesicherte Sehschlitze möglich. Maximal 28 Gefangene können befördert werden. Lambach und Hamann haben die Innenausstattung des ein- und ausbruchsicheren Fahrzeugs selbst entworfen. Die Basisversion wurde von der belgischen Herstellerfirma Van Hool gebaut. 560 .000 Euro hat die Sonderanfertigung, die seit Juli vorigen Jahres im Einsatz ist, gekostet, berichtet Thomas Völge, Fachbereichsleiter Finanzen der JVA. Der silber-blau lackierte Bus wirkt wie ein normales Einsatzfahrzeug der Polizei.

Apropos Polizei: Die übernimmt den Vorgängerbus des Gefängnisses – zum symbolischen Preis von 100 Euro. JVA-Leiter Gerd Koop übergab am Mittwoch Übertragungsurkunde und Schlüssel an Polizeipräsident Johann Kühme. Der Chef der Polizeidirektion wertet das als Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen zwei Landesbehörden. Die Ordnungshüter wollen die „grüne Minna“ als Gewahrsam-Mobil bei Demonstrationen und „Großlagen“ nutzen. Auch bei der Sicherung von Fußballspielen sei ein Einsatz denkbar, und zwar landesweit, so Kühme. Koop freut sich, dass der Bus in Oldenburg bleibt und als Ersatz weiter zur Verfügung steht, wenn das neue Fahrzeug einmal gewartet werden muss.

Die JVA Oldenburg ist eine „transportumlaufleitende Behörde für den Gefangenensammeltransport“, wie es im Amtsdeutsch heißt, und verfügt neben Hannover als einziger Standort in Niedersachsen über ein rollendes Gefängnis. Von hier aus gelangen Inhaftierte in andere Strafvollzugsanstalten, zu Gerichtsverhandlungen, Therapien. Hinter den Transporten steckt eine ausgeklügelte Logistik mit exakt festgelegten (geheimen) Routen und minutengenauem Fahrplan: „Wir sind täglich unterwegs“, sagt Michael Lambach. Mindestens drei Beamte sichern die Transporte. Mit dem alten Bus wurden seit 2002 rund 65.000 Häftlinge – darunter 5000 Frauen – quer durch Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen gefahren. 830.000 Kilometer wurden in zwölf Jahren zurückgelegt.

Zwischenfälle gab es nicht. „Jedenfalls keine nennenswerten“, winkt Lambach ab, der sich in dem mit modernster Technik ausgerüsteten Bus sicher fühlt. „Ich habe den schönsten Job in Niedersachsen“, sagt der Transportleiter.

Musik entspannt

Maximal vier Stunden sind die Gefangenentranporte am Stück unterwegs. Während der Fahrt sind Stopps für Toilettenpausen tabu. Stattdessen werden Urinbeutel verteilt. Im neuen Bus sind die Zellen klimatisiert und mit Radioempfang ausgestattet. Zwischen drei Sendern können die Gefangenen auswählen – „dadurch verlaufen die Fahrten deutlich entspannter“, weiß JVA-Chef Gerd Koop. Das Gefühl bedrückender Enge in den Zellen bleibt jedoch.

Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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