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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Roter Teppich für Oldenburgs Kunden

28.03.2014

Oldenburg Rolf Knetemann kennt den Wandel im Handel. Schließlich ist der Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest seit 35 Jahren in der Verbandsarbeit aktiv. Die ersten Discounter, Zentren auf der „Grünen Wiese“ – nur Beispiele dafür, was die Welt der Einzelhändler durcheinandergewirbelt hat. „Jetzt“, sagt Knetemann, „stehen wir mit dem wachsenden Online-Handel aber vor einer Herausforderung mit ganz neuer Qualität“.

Der Grund: Zum ersten Mal treten Konkurrenten auf, „die keine Verkaufsfläche benötigen“. Deswegen sei ein Preiskampf des stationären Handels mit den „Neuen“ nicht zu gewinnen. Denke man die Vision der Mitbewerber zu Ende, „findet der Handel irgendwann in einem schmucklosen Büro im Gewerbegebiet statt, die Ware steht bis zum Versand in Lagerhallen.“

Das dürfte Vision bleiben, meint Knetemann: „Die Menschen wollen nicht auf die Lust und Freude am Einkaufsbummel verzichten.“ Doch er warnt davor, das als Selbstläufer zu sehen: „Der Einzelhandel muss sich ständig neu erfinden.“ Beratung, Präsentation, Einrichtung der Geschäfte müssten immer umgekrempelt werden. „Die Menschen wollen etwas erleben“, sagt er, „das müssen wir ihnen bieten.“

Das bedeute auch, Personal ständig zu schulen. „Ein schlichtes ,Kann ich Ihnen helfen?’ reicht nicht mehr“. Vielmehr müssten gute Verkäufer den Kunden „lesen“, an Alter, Verhalten und Erscheinung erkennen, wie er anzusprechen ist. Individualität ist Trumpf.

Bedeutung des Handels in Zahlen

7376 Beschäftigte haben allein die Einzelhändler, die ihren Hauptsitz in Oldenburg haben – etwa zehn Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt. 2013 haben 326 junge Leute in Oldenburg eine Einzelhandelsausbildung gestartet.

Der Umsatz der Händler belief sich 2013 auf 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt zählte die IHK in der Stadt 2547 Betriebe.

„Wir leben in einer satten Gesellschaft mit stagnierenden Umsätzen, vollen Schränken und sinkender Bevölkerungszahl – und stehen im Wettbewerb mit Branchen wie Kommunikation, Freizeit, Urlaub“, sagt Knetemann. Deswegen lebe der Handel „vom besonderen Angebot, nicht von der Nachfrage.“ Entscheidend sei das Umfeld, „die Erlebniswelt Innenstadt, wo man dem Kunden den Roten Teppich ausrollen muss“. Da sei Oldenburg weit vorn, weil sich Geschäftsleute und Stadt ständig Neues einfallen ließen, um die Menschen zu locken. Wenn sie denn erst mal da sind, müsse natürlich jedes Geschäft für sich punkten. Aber: Politische Ideen wie Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, Abschaffung von Parkplätzen oder rigide Ansätze der Verwaltung gegenüber Kaufleuten, die Blumen oder Bänke aufstellen, seien in dieser Hinsicht „kontraproduktiv“.

Den Online-Handel zu verteufeln, sei keine Option, sagt Knetemann. Das Internet müsse für stationäre Händler zum Instrument der Kundenansprache und -bindung werden. „Nicht jeder“, sagt der Verbandsgeschäftsführer, „kann einen Online-Shop eröffnen, weil die Kosten jenen einer Filialeröffnung nahe kommen.“ Aber Ware und Aktionen jenen Kunden ständig zu präsentieren, die den ganzen Tag am Smartphone hantieren – das könne überlebenswichtig werden.

Knetemann erwartet, dass das Internet noch weitere Gewohnheiten aushebeln wird – etwa die Ladenöffnungszeiten. „Internet-Kunden sind Einkaufen rund um die Uhr gewohnt.“ Der stationäre Handel werde über kurz oder lang auch an seinen gewohnten Zeiten etwas verändern müssen.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwzplay.de 
Thorsten Kuchta
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2102

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