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FREIZEIT: „Ruhig Blut“ seit 55 Jahren vereint

22.07.2008

NADORST Es standen verschiedene Namen zur Debatte, als die Schlachtergesellen am 24. August 1955 einen Kegelclub gründeten. „Ruhig Blut“ erschien den 14 Gründungsmitgliedern dann irgendwie am passendsten – auch in Bezug auf ihre Berufstätigkeit. Zwei Jahre zuvor hatte sich die Schlachtergesellen-Brüderschaft Oldenburg aufgelöst. Um sich nicht ganz aus den Augen zu verlieren, entschlossen sich die Herren, sich zumindest regelmäßig beim Kegeln zu treffen.

Schnell bildete sich ein harter Kern von zwölf Kollegen, und diese Anzahl legte man per Satzung dann auch als Höchstgrenze fest. Von Anfang an und heute immer noch dabei sind Harry Gebken, der lange Obermeister der Oldenburger Fleischerinnung war, Günther Frenzel und Otto Schuster. „Bei uns durften nur Schlachter mitmachen“, erzählt der 83-jährige Gebken.

Die Regeln waren ohnehin streng. „Wer dreimal bei einem unseren 14-täglichen Kegelabenden fehlte, wurde aus dem Club ausgeschlossen und konnte auch nicht wieder aufgenommen werden“, so Gebken. Und wenn ein Kegelbruder auf einer Bahn zwei Pudel war, dann musste der die Pudelmütze aufsetzen. Er konnte sich aber durch eine „garnierte Runde“ davon freikaufen.

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In der Chronik, die der Club seit seiner Gründung führt, ist alles genau nachzulesen. Akribisch wurden hier jedes Königskegeln, jede Kohlfahrt, jedes Spargelessen und jede Sommertour beschrieben. „Auch heute noch führen wir die Chronik weiter“, sagt Harry Gebken.

Besonders interessant ist der Blick auf die erste Fassung der Club-Satzung. Gutes Benehmen war ein Muss. „Falls ein Kegelbruder das Ansehen des Kegelclubs durch unehrenhaftes Verhalten usw. schädigt, kann er durch einfache Mehrheit ausgeschlossen werden“, hieß ein Gebot.

Die Aufnahme neuer Mitglieder hatte auch einige Hürden. Wer sich für den Eintritt in den Club bewarb, musste dreimal hintereinander mitkegeln. „Beim dritten Mal kann er aufgenommen werden, wenn alle Mitglieder dafür sind“, gab die Satzung vor.

„Das ist heute nicht mehr so streng“, weiß Dieter Hanke. Schon die Tatsache, dass er Mitglied im Club ist, beweist diese Aussage. Hanke ist nämlich kein Schlachter, sondern Kaufmann, genauer: Textileinkäufer. „Als ich 1969 in den Club eintreten wollte, sah man das nicht mehr so eng. Mit mir wurde auch ein Bauunternehmer aufgenommen“, erinnert sich Hanke.

Viel hat sich bis heute geändert. „Wir sind jetzt ja auch alle längst Rentner“, sagt Harry Gebken. Deshalb werde auch nicht mehr abends, sondern nachmittags gekegelt – früher im Stadthotel Eversten, heute im Oldenburger Kegelcentrum (OKC) an der Kreyenstraße.

Ihre 60 bis 70 Wurf machen die Herren aber immer noch. Und einmal im Jahr (früher vierteljährlich) wird das Königskegeln ausgetragen. „Immer vor dem Spargelessen“, erklärt Dieter Hanke. Zu Speis und Trank (auch zur Kohlfahrt) sind die Frauen der Kegler mit dabei. „Sie haben sich übrigens zu einem Kränzchenclub zusammengeschlossen“, so Hanke.

Heute gehören dem Club nur noch zehn Mitglieder an – im Alter von 55 bis 83 Jahren. „Neue Mitstreiter sind gern gesehen“, wirbt Harry Gebken. Wer Interesse und jeden zweiten Montag von 16 bis 18 Uhr Zeit hat, der ist willkommen. „Es gilt immer noch das dreimalige Schnupperkegeln, und danach entscheiden wir mit dem Bewerber gemeinsam, ob wir zueinander passen“, sagt Dieter Hanke. Bei ihm, unter Tel. 3 47 68, können sich Interessierte auch melden.

Der 55. Geburtstag von „Ruhig Blut“ soll nicht besonders gefeiert werden. Dann machen die Herren ihrem Clubnamen wieder alle Ehre und schieben ganz ruhig die Kugel.

In dieser NWZ-Serie stellen wir Menschen aus den Stadtteilen und ihre besonderen Hobbys vor.

Wer auf einer Bahn zwei Pudel warf, musste

die Pudelmütze aufsetzen

Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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