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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Rumänische Arbeiter schweigen aus Angst

31.10.2014

Oldenburg Billiglöhne, unzureichende Quartiere, halblegale Verträge: Die 18 rumänischen Arbeiter, die seit zwei Monaten auf der Großbaustelle der Berufsbildenden Schule an der Maastrichter Straße arbeiten, werden ausgebeutet. Diesen Vorwurf erhebt Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg. Die 42-Jährige ist eine von landesweit vier Beraterinnen, die auf Initiative des Landes ausländischen Arbeitern – zum Beispiel in Schlachthöfen und auf dem Bau – helfen. Hintergrund war der Tod rumänischer Werksarbeiter bei einer Brandkatastrophe in Papenburg.

Die gebürtige Rumänin hat mehrfach mit den Arbeitern auf der BBS-Baustelle gesprochen und ist nicht nur über die Arbeitsbedingungen entsetzt. „Ich finde es unglaublich, dass Gesetze diese Praxis decken“, sagte Reim bei einem Redaktionsbesuch der NWZ.

Die Rumänen wurden nach Reims Darstellung von einer Münchner Firma als Selbstständige angemeldet (NWZ  berichtete). „Den Arbeitern wurde ein Vertrag vorgelegt; den haben sie unterschrieben, obwohl sie gar nicht verstanden haben, was er bedeutet“, berichtet Reim. „Sie werden eingesetzt und behandelt wie Arbeitnehmer.“ So würden nicht die „Selbstständigen“ die Rechnungen schreiben, nach denen sie bezahlt werden, sondern die Münchner Firma selbst. „1200 oder 1300 Euro im Monat sind üblich“, sagt Reim. Gearbeitet werde täglich zehn Stunden und mehr – sechs Tage pro Woche. „Wenn die Baufirma Regressforderungen erfüllen muss, wird auch schon mal der Lohn gekürzt oder ganz gestrichen“, berichtet die gebürtige Rumänin, die seit 14 Jahren in Deutschland lebt. Die Münchner Firma profitiere nicht nur durch die billige Entlohnung. „Die Konstruktion dient auch dazu, Sozialleistungen einzusparen.“

Die rumänischen Arbeiter sind auf einem heruntergekommenen Grundstück in Berne an der Grenze zu Hude untergebracht – in einem umgebauten Stall. Zehn Euro pro Tag und Bett koste das Quartier, berichtet Reim. Um die Gebäude herum liegen Dreck und Müll. Marode Fahrzeuge ohne Kennzeichen stehen herum. Ortsfremde Besucher, die sich nähern, werden argwöhnisch beobachtet. „Ich habe schon schlimmere Unterkünfte gesehen“, sagt Reim. „Aber wenn der Brandschutz beachtet würde, wäre der Stall morgen geschlossen.“ Warum sie die Feuerwehr bisher nicht informiert? – „Es ist immer eine Abwägung, was die Arbeiter dann erwartet.“ Das Ordnungsamt in Berne habe sich für ihre Schilderung nicht sehr interessiert. „Die sahen keinen Grund einzuschreiten.“

Reim bedauert, dass viele ihrer Landsleute über die Arbeitsbedingungen schweigen. „Sie haben Angst, auf keiner Baustelle mehr Arbeit zu bekommen. Und ich glaube, sie haben Recht.“

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