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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Seefahrtsgeschichte im Maßstab 1:75

11.06.2013

Oldenburg Wenn Burkhard Preiss seine Flugzeug- und Schiffsmodelle baut, dann geht es ihm nicht nur um Technik, Material und Maßstab. Der Schiffsbauingenieur beschäftigt sich bei jedem Modell auch mit der Lebensgeschichte der Originale und recherchiert in Museen, Archiven und Universitätsbibliotheken. „So bekomme ich eine innere Beziehung zu meinen Modellen“, sagt er fast ein wenig verträumt.

Höchste Schiffsbaukunst

Ein Modell der Rumpler Taube, der Heinkel 24 HD – beides Flugzeugtypen – und eines Segelkutters stehen im Flughafenmuseum Butzweiler Hof in Köln. Der 62-jährige Bremer hat sie allesamt maßstabsgetreu nachgebaut. Sein neuestes Werk und gleichzeitig der Höhepunkt seiner „Karriere“ aber ist nach zweieinhalb Jahren Bauzeit die Dampfyacht „Lensahn III“.

Die „Lensahn“ ist nach Angaben von Burkhard Preiss ein Sinnbild für die hohe Kunst des Schiffsbaues zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Großherzog Friedrich-August von Oldenburg, selbst im Besitz eines nautischen Patents, ließ dieses Schiff 1901 auf der HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft) in Kiel bauen. Als Kapitän steuerte er die Dampfyacht mehrere Jahre selbst über die Weltmeere. In der „Lensahn“ wurde die bis dahin höchstentwickelte Dampfmaschinentechnik eingesetzt. Gleichzeitig war es das erste Schiff, das von der damaligen Firma Telefunken mit der modernsten Seefunktechnik ausgestattet wurde. Der Großherzog war dem Schiffbau gegenüber sehr aufgeschlossen und frei nach dem Motto „Länge läuft“ ließ er der Yacht eine lange schlanke Form geben.

Großherzog am Steuer

Von Johann Heinrich Schütte, dem gebürtigen Osternburger und schiffbautechnischer Berater des Großherzogs von Oldenburg, wurde das Schiff 1903 auf 59 Meter verlängert und auf sieben Meter Breite umgebaut. Die „Lensahn“ war der Prototyp für die moderne Schiffsform in dieser Zeit. Der Großherzog schipperte mehrere Monate mit der Großherzogin Elisabeth an Bord durch das Mittelmeer und über die Ostsee, dabei übernahm er wichtige diplomatische Aufgaben im Auftrag des Kaisers.

Die Arbeit an der „Lensahn“ führte Burkhard Preiss sogar in die USA und zwar nach St. Petersburg in Florida, denn dort wurde die Yacht nach vielen unterschiedlichen Stationen und Schicksalswegen (siehe Kasten) versenkt und dient jetzt Tauchern als Abenteuerspielplatz. „Als Schiffsingenieur habe ich die Technik ,meiner’ Schiffe schnell erfasst, aber durch die Beschäftigung mit ihren Lebensläufen bekommen sie eine Seele“, sagt Preiss. Reinhard Ziegner aus Oldenburg in Holstein hat ihn bei dem Modell mit Skizzen und Zeichnungen unterstützt.

Auf die Frage nach dem nächsten Modell antwortet Preiss leise: „Sagen Sie es aber nicht meiner Frau, ich habe bereits eine U-Boot-Zeichnung auf meinem Schreibtisch“. Um seine Recherchen über die „Lensahn III“ zu vervollständigen, sucht Preiss nach weiteren Informationen. Das Modell aus Holz, Aluminium und Plastwerkstoffen im Maßstab 1:75 ist im Schaufenster der Buchhandlung Thye am Schlossplatz in Oldenburg zu besichtigen.

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