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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Oldenburg muss Abriss hinnehmen

18.04.2015

Oldenburg Die Szene im Bauausschuss hat Symbolcharakter: An einem Ende des Tisches sitzen die Oldenburger Architekten und Ingenieure Heino Brick, Günter Baak und Gregor Angelis. Am anderen Ende: Torsten Stengel, Rüdiger Oltmanns, Thomas Seufzer (alle vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen, WSA), Andreas Mitschke von der Hamburger IMS Ingenieurgesellschaft und Gutachter Dr. Hans-Günther Schippke (Hannover). Dazwischen: eisiges Schweigen.

Die Rollen sind klar verteilt: Die Oldenburger wollen die denkmalgeschützte Cäcilienbrücke in ihrer jetzigen Form erhalten, die Bremer haben sich für einen Abriss entschieden und wollen sie dem historischen Vorbild folgend originalgetreu wieder aufbauen, um zumindest den ortsbildprägenden Charakter zu bewahren.

Dazwischen sitzen Rat und Verwaltung. „Die Verwaltung ist aber nicht Schiedsrichter und erst recht nicht Obergutachter“, unterstreicht Stadtbaurätin Gabriele Nießen. Und weiter: „Dafür haben wir im übrigen die fachliche Kompetenz nicht.“ Die Ratsherren und Juristen Alexander Wandscher (SPD) und Hans-Henning Adler (Linke) erinnern daran, dass die Stadt sich erst im Planfeststellungsverfahren und da auch nur zum Thema Denkmalschutz äußern darf.

Und da gelten für Bauwerke an Bundeswasserstraßen besondere Regeln, der Denkmalschutz spielt keine Rolle.

Denn das WSA ist eine Bundesbehörde. „Wir haben deshalb die Bundeshaushaltsordnung zu beachten, müssen also die wirtschaftlichste Variante wählen. Das sind wir den Steuerzahlern schuldig“, erläutert Stengel die rechtlichen Grundlagen. Auf 80 Jahre (also inklusive Unterhaltungskosten) hat ein Gutachter Kosten in Höhe von 13 Millionen Euro für einen Abriss und Neubau sowie 17 Millionen Euro für eine Sanierung mit modernisierter Hydraulik-Hubtechnik errechnet.

„Die Amalienbrücke ist 1980 mit dem Versprechen abgerissen worden, die benachbarte Cäcilienbrücke zu erhalten“, hält Angelis dagegen. Generationen von Oldenburgern hätten diese Brücke passiert, das soll nun auch den nachfolgenden Generationen ermöglicht werden, zumal viele Menschen persönliche Erinnerungen mit ihr verbinden. Bei einem Erhalt werde die Brücke durch die Umbauten anders aussehen als heute, gibt Nießen zu bedenken. Die Politiker signalisieren den Vertretern des Wasser- und Schifffahrtsamtes, die Brücke am liebsten erhalten zu wollen. Bei den Bauzeiten für Neubau oder Sanierung gibt es keine gravierenden Unterschiede, von rund einem Jahr ist auszugehen. Zum Schluss spricht WSA-Amtsleiter Stengel Klartext: „Wir brauchen für den Abriss keine Genehmigung von der Stadt. Der Ersatz der Brücke ist am sichersten. Es ist kein Einvernehmen erforderlich und es gibt keine Paragrafen, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung von ihrem Plan abzuhalten.“ Fakt ist laut WSA, dass sich die Türme immer weiter aufeinander zubewegen. Die genaue Ursache dafür ist nicht bekannt.

„Pferdefuß“, so Gutachter Schippke, „ ist die Gründung des Bauwerks auf Holzpfählen.“ Die sei noch nicht untersucht worden. Es gebe keine Garantie, ob die Türme bei Wegfall der Belastung durch die Hebungen dauerhaft standsicher seien. Die Untersuchung der Fundamente würde 100 000 bis 200 000 Euro Kosten verursachen.

Sollte der Plan der Oldenburger Architekten und Ingenieure tatsächlich umgesetzt werden, müssten zwischen den Türmen an den gegenüberliegenden Ufern Baugruben ausgehoben werden, die die Fundamente (Holzstämme) angriffen. Die Türme müssten technisch aufwendig mit Bohrungen und Beton gesichert werden – womit die Herren aus Bremen ihren letzten Trumpf ausspielen.


Ein Spezial zum Thema;   www.nwzonline.de/caecilienbruecke 
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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