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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Steinernes Andenken an die Herzogin

16.10.2013

Oldenburg Es war ein trauriges Ereignis, das Oldenburg das wahrscheinlich erste Zeugnis klassizistischer Architektur beschert hat. 1786 starb Friederike von Württemberg-Mömpelgard, Ehefrau von Herzog Peter Friedrich Ludwig, bei der Geburt ihres dritten Kindes; sie wurde nur 20 Jahre alt. Ihr zum Gedenken ließ der Herzog ein Mausoleum auf dem Gertrudenkirchhof bauen, das 1790 fertiggestellt wurde. Der Initialbau des Oldenburger Klassizismus war ein Trauerhaus, und Peter Friedrich Ludwig verabschiedete seine Frau mit dem in Marmor gemeißelten Satz „In Leben zum Glück, vereint / im Grabe zu Ruhe“.

Zwei Jahre Bauzeit

Seitdem sind viele klassizistische Gebäude entstanden, sie prägen die Stadt wie kaum ein anderer Baustil (ausgenommen vielleicht die „Hundehütte“). Und wie viele dieser Wohn- und Geschäftshäuser musste auch das herzogliche Mausoleum im nordöstlichen Teil des Gertrudenfriedhofs dem Zahn der Zeit Tribut zollen. Ganz bürgerlich gesagt: Es regnete hinein und die Herzoglich Oldenburgische Verwaltung als Eigentümerin der historisch so wertvollen Immobilie, inzwischen als „Baudenkmal von nationalem Rang“ eingestuft, musste 2008 die Sanierung einleiten.

Drei Jahre vergingen, bis die Vorplanung des Projekts und die Suche nach Zuschüssen für das 800 000-Euro- Projekt abgeschlossen waren. Längst ging es nicht mehr nur um die Dachreparatur. Auch das Innere mit seiner Spiegeldecke und den Wänden benötigte eine Generalüberholung. Im Herbst 2011 konnten die zum Teil komplizierten Arbeiten am Mausoleum beginnen, im Oktober 2013 wurde das Bauwerk wieder seiner Bestimmung übergeben (NWZ  berichtete). Einen „Ort der Bedächtigkeit und Andächtigkeit“ wünschte sich Christian Herzog von Oldenburg zurück, wo monatelang Handwerker von 15 Spezialfirmen gearbeitet hatten.

Restauratoren und Maler, Zimmerleute und Klempner – sie alle waren rund zwei Jahre damit beschäftigt, den bestmöglichen Zustand des Gebäudes wiederherzustellen. Unter der Bauleitung von Artur Saathoff (Architekturbüro Angelis und Partner) war allerdings nicht der ursprüngliche Zustand von 1786 das Ziel. Das noch vom Spätbarock beeinflusste Original von Baumeister Johann Heinrich Gottlieb Becker gilt als unwiederbringlich. Die Sanierungsplanung des Innenraums basierte deshalb auf dem Vorbild der ersten dokumentierten Restauration, die 1820 Hofbaumeister Heinrich Carl Slevogt ausgeführt hatte. Auffallend die lichtgelben Farbtöne, die speziell für diesen Auftrag gemischt wurden und die Sandsteinwände in altem Glanz strahlen lassen.

Der Eindruck, den die große Halle des Mausoleums beim Besucher hinterlässt, wird nur durch wenige Dinge abgelenkt. Die Stuckranken und andere Ornamente zum Beispiel fallen auf, ebenso die mit Leinölfarbe aufpolierten Holzanteile oder das Gewölbe mit den Kassettenfeldern.

Spärlich möbliert

Ansonsten ist die fast quadratische Halle elegant-spärlich möbliert. Wer hier oben Sarkophage oder Schausärge vermutet wird enttäuscht – die letzten Ruhestätten der Oldenburger Herzöge und ihrer Angehörigen befinden sich in der Gruft darunter.

Die größte Aufmerksamkeit des Besuchers wird darum von der Decke in Anspruch genommen. Die sechs Meter weite Lichtkuppel nimmt einen großen Teil des Daches ein und nicht nur darum bereitete sie den Sanierern das größte Kopfzerbrechen. Denn um an Dach und Rotunde in 18 Metern Höhe arbeiten zu können, musste die rund eine Tonne schwere Kuppel angehoben und eine Zeit lang freischwebend aufgehängt werden. „Eine anspruchsvolle Arbeit“, blickt Artur Saathoff zurück. „Die Lichtkuppel ist nämlich äußerst wertvoll, besteht zum großen Teil aus geätztem Glas, das nur zwei Millimeter dick ist.“ Doch alles ging gut, die Kuppel konnte nach zwei Monaten des Schwebens wieder auf ihren Platz in der Mitte des Daches gesetzt werden.

Nach zwei Jahren des Verputzens und Ausbesserns, Restaurierens und Erneuerns ist das Baudenkmal auf dem Gertrudenkirchhof, dessen Architektur einen ganzen Oldenburger Baustil begründete, nun wieder ohne Fehl und Makel. Einmal noch, Anfang nächsten Jahres, soll es eine Führung geben, dann werden sich die Türen für die Öffentlichkeit schließen. „Hier kehrt wieder Ruhe ein“, legte sich Herzog Christian fest.

Klaus Fricke
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