• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Verein will kostenloses Internet für alle

23.01.2015

Oldenburg In den Hochregalen im zweiten Stock der Hauptpost stapelten sich einst die Pakete. An einem großen Tisch darunter haben sich die „Oldenburger Freifunker“ ausgebreitet. Vor ihnen stehen Rechner und Router. Hier wird Aufbauarbeit geleistet. „Wir errichten ein freies Netzwerk in und um Oldenburg“, berichtet Informatikstudent Marjan Grabowski (24). Aus der 2009 gegründeten Initiative für ein Internet in Bürgerhand entstand vor zwei Jahren ein eingetragener Verein.

Hinter dem Freifunk steckt die Idee, ein möglichst unabhängiges und frei zugängliches Computer-Netzwerk unter Gleichen aufzubauen und eine Grundversorgung für alle sicherzustellen. Jeder der mitmacht, teilt seinen Internet-Zugang mit anderen, erläutert Clemens John (25) und betont den sozialen Aspekt des Projektes: „Wer zum Beispiel kein Geld hat, bei einem großen Versorger einen Anschluss zu zahlen, kann bei uns teilnehmen.“ Nur der Router, also das Zugangsgerät ins Netz, kostet laut Verein einmalig 20 Euro. €Die Freifunker entwickeln die Software und helfen beim Installieren. „Freie Netze werden von immer mehr Bürgern in Eigenregie aufgebaut und gewartet. Jeder Nutzer stellt seinen WLAN-Router für den Datentransfer der anderen Teilnehmer zur Verfügung“, erklärt Grabowski die Basis-Initiative. Im Gegenzug kann der Nutzer eigene Daten, wie Texte, Musik und Filme über das interne Freifunk-Netz übertragen.

In Oldenburg sind laut Freifunkern derzeit rund 250 Geräte online. Mit Initiativen in Wittmund, Ganderkesee und Osnabrück hat sich der Verein zu den Freifunkern Nordwest zusammengeschlossen. Die „Community“ versteht sich als Teil einer globalen Bewegung für eine hierarchiefreie Infrastruktur im Netz ohne Kontrolle und Zensur. „Unsere Vision ist die Demokratisierung der Kommunikationsmedien durch freie Netzwerke“, heißt es.

Doch bestehen nicht auch Gefahren, wenn der Nutzer seinen Router für andere öffnet? „Ein öffentliches Netz kann missbraucht werden“, erläutert John. „Aber wer das macht, gefährdet das gesamte Projekt.“ (siehe Infokasten)

Mit den großen Anbietern wollen die Freifunker allerdings nicht konkurrieren. „Eine Rundum-Garantie können wir nicht bieten, das Netz kann auch mal einen Tag ausfallen“, räumt John ein. „Wir befinden uns in einem Entwicklungsprozess, da kann auch mal etwas schiefgehen.“

Die Störerhaftung

Als Hemmnis für das freie Internet gilt die sogenannte Störerhaftung. Wird von einem offenen Anschluss zum Beispiel illegal Musik geladen, kann der Inhaber haftbar gemacht werden. So befürchten zum Beispiel Gastwirte oder Hoteliers Abmahnungen. Diese Praxis hat der Bundesgerichtshof zwar mittlerweile eingeschränkt, eine Abschaffung der Störerhaftung ist aber noch nicht erfolgt. Die Freifunker umgehen sie derzeit aber nach eigenen Angaben mit einer verschlüsselten Zentralisierung der Daten in Schweden, wo lockerere Gesetze herrschen.

Grundsätzlich herrscht aber Optimismus. Vor allem was die mobile Nutzung betrifft. Dabei hoffen die Freifunker auf Standort-Patenschaften von Behörden oder Geschäften. Denn je mehr Router vernetzt sind, desto besser die Reichweite für den mobilen Internet-Zugang.

Die Freifunker sind auch für neue Mitglieder offen. Treffen ist jeden ersten Freitag im Monat um 20 Uhr, im Hauptpostgebäude neben dem Bahnhof. Dann wird in der ehemaligen Lagerhalle mit vereinten Kräften an der Netz-Optimierung getüftelt.