• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

HANDEL: Verkäufer nutzen schmucken Goldpreis

18.12.2009
NWZonline.de NWZonline 2015-07-28T11:06:16Z 280 158

HANDEL:
Verkäufer nutzen schmucken Goldpreis

OLDENBURG Die ältere Dame nimmt Platz und schiebt Bernd Mansholt ein kleines Säckchen zu. Der Goldschmiedemeister nimmt den Inhalt heraus, trennt vorsichtig die Goldmünze aus ihrer Fassung und nimmt beides genau unter die Lupe. Dann wiegt er die Stücke, tippt auf den Taschenrechner und sagt: „263 Euro.“ Die Dame ist zufrieden, sie kommen ins Geschäft.

„Das ist der Klassiker“, sagt Bernd Mansholt. Wie andere Kunden hatte die Dame ein Schmuckstück bestellt, das sie mit Altgold bezahlen möchte. Die 263 Euro werden ihr angerechnet. Beim Altgoldverkauf setzt sich der Preis zusammen aus Gewicht, Reinheitsgrad und aktuellem Goldpreis. Mit 21 Euro pro Gramm Feingold bot Mansholt während der NWZ-Recherche von den befragten Ankaufsstellen den höchsten Preis. Für das 11,3 Gramm schwere Armband in 585er Gelbgold war er bereit, 138 Euro zu zahlen.

Das Geschäft mit dem Gold boomt. Der Goldpreis befindet sich – auch bei zuletzt leichten Schwankungen – immer noch auf einem historischen Höchststand. Wer mit dem Edelmetall handelt, seien es Ringe, Ketten, Bruch- oder Zahngold, kann derzeit profitieren. Immer mehr Menschen bringen ihr Altgold in eine der zahlreichen Oldenburger Ankaufsstellen.

Preise unterschiedlich

Doch trotz des einheitlichen Börsenpreises weichen die Preise, die Oldenburger Goldankäufer zu zahlen bereit sind, zum Teil stark voneinander ab. Dasselbe Armband erzielte im Pfand- und Auktionshaus Glander 80 Euro, bei der Juwelierin Silke de Loewe brachte das Armband 120 Euro und ein weiterer Schmuckhändler in der Nähe, der nicht namentlich genannt werden wollte, wäre zur Zahlung von 105 Euro bereit gewesen.

Schmuck in Scheideanstalt

Bei Goldschmiedemeister Andreas Speckmann, Obermeister der Gold- und Silberschmiedeinnung Oldenburg/Ostfriesland, hätte das Schmuckstück zum Zeitpunkt der Recherche 98,28 Euro erzielt. Eines vereint die Käufer: Sie zahlen lediglich den Materialpreis. Der künstlerische Wert zählt beim Goldkauf nicht oder kaum.

Der weitaus größte Teil des Goldes wird nicht zum Weiterverkauf in den Schaufenstern angeboten, sondern landet in einer Scheideanstalt. „Die meisten Stücke lassen sich nicht weiterverkaufen“, erklärt Silke de Loewe. In der Scheideanstalt wird es eingeschmolzen und geht als Feingoldbarren an Goldschmuck-Produzenten.

„Längst nicht alle Menschen verkaufen ihr Gold aus finanzieller Not, aber es werden immer mehr“, sagt der Juwelier, der anonym bleiben möchte. Er schätzt die Quote der Notverkäufe auf über 60 Prozent. Die Verkäufer seien hauptsächlich ältere Menschen, die ihre Rente aufbessern wollen oder die Miete nicht mehr zahlen können. „Viele ärmere Menschen kratzen jetzt all ihr Gold zum Verkauf zusammen“, sagt auch Lothar Rose, Inhaber der Oldenburger Münzstube. Auch die anderen Ankäufer berichten von solchen Notverkäufen, bestätigen den hohen Anteil aber nicht.

Aus alt mach neu

Oft seien die Kunden auch gut situierte Frauen, die ihren alten, aus der Mode gekommenen Schmuck nicht mehr tragen mögen und loswerden wollen, sagt Bernd Mansholt. Dennoch: Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und immer kleiner werdender Geldbeutel in Privathaushalten steige die Zahl derer, die sich dazu gezwungen sehen, ihren Familienschmuck zu veräußern.

Mehr Betrugsversuche

Mit dem steigenden Goldpreis steige aber auch die Zahl der Betrugsversuche, berichten die Juweliere. Sie warnen vor fliegenden Händlern, die auf Straßen oder an Tankstellen versuchen, Gold zu verkaufen. Andersherum gebe es auch immer mehr Menschen, die mit gefälschtem Schmuck die Anlaufstellen aufsuchten. Andreas Speckmann weist darauf hin, dass durchaus auch immer mehr junge Menschen Familienschmuck veräußern, „weil sie das schnelle Geld sehen“. Einen Kaufvertrag schließen die Juweliere aber nur mit Personen ab, die volljährig sind und sich ausweisen können.