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Ns-Geschichte Ii: Viele Fragen nach Taten der Vorfahren

16.04.2014

Oldenburg Die Welle rollt. Dr. Mathias Nistal, stellvertretender Leiter des Niedersächsischen Staatsarchivs am Damm, sieht viele Menschen, die auf der Suche nach Leben und Taten ihrer Vorfahren in der NS-Zeit Archiv und Akten durchforsten. Spiegel-Reporter Cordt Schnibben, der im Juli 2013 im Staatsarchiv die Geschichte seiner Eltern erforschte, ist kein Einzelfall. Und sein Motiv auch nicht.

„Die Erforschung der NS-Zeit“, sagt Nistal, „trifft nicht den historischen Nerv in der politischen Geschichte.“ Dazu sei die Epoche bis auf wenige Ausnahmefälle zu gut erforscht. Es seien vor allem die persönlichen Motive, die die Menschen in die Akten treiben. „Viele, die nachfragen, sind in dem Alter, in dem die Kinder groß sind und die berufliche Karriere vollendet ist“, berichtet Nistal. Dann sei die Zeit da, Themen zu bearbeiten, die über längere Zeit im familiären Raum stehen. Oft hätten auch Eltern kurz vor dem Lebensende ihr Schweigen gebrochen und vielleicht Bruchstücke aus ihrem Tun und Lassen im Dritten Reich erzählt – Bruchstücke, die bei den Nachkommen Fragen offen lassen oder überhaupt zum ersten Mal aufwerfen.

Manche Antworten finden sich in den 13,5 Kilometer langen Aktenregalen im Turm des Staatsarchivs. „Wir helfen den Suchenden dabei, jene Akten zu finden, die Antworten enthalten könnten“, sagt Nistal. In Cordt Schnibbens Fall waren das unter anderem Akten einer Gerichtsverhandlung aus der Nachkriegszeit.

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Die bundesrepublikanische Justiz rollte damals einige Verbrechen aus der NS-Zeit auf, darunter auch den Fall Rogge aus Dötlingen, in dem Schnibbens Eltern unter Mordverdacht standen. Schnibben fand bei seinen Recherchen im Staatsarchiv Hilfe bei Dr. Wolfgang Henninger, der die Gerichtsabteilung leitet. Als direkter Nachkomme konnte er alle Gerichtsakten einsehen und die für ihn wichtigen Teile als Kopie bestellen – was auch für Zwecke der Forschung gilt.

Noch heute nehmen die Archivare besondere Gerichtsakten in Verwahrung, wenn die Aufbewahrungsfrist der Justiz abläuft. Kriterien für die Auswahl sind regionalgeschichtliche, juristische oder wirtschaftsrechtliche Bedeutung. „Wir schauen da auch in die NWZ , um zu sehen, was die Gesellschaft bewegt“, sagt Nistal. Auch Richter können auf der Akte einen Vermerk anbringen, der die Bedeutung für das Staatsarchiv kennzeichnet. Auch eigene Recherchen unternehmen die Archivare, nicht nur in der Justiz, sondern auch bei vielen anderen Ämtern und Behörden.

Die Gerichtsfälle aus der Nachkriegszeit sind auf Papier niedergeschrieben, das im dunklen Archivturm eine lange Überlebensdauer hat. Sie werden aber auch auf Silber-Filme kopiert – und die halten bis zu 400 Jahre. Es bleibt also Zeit für Recherchen.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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