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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Oldenburgs berühmteste Kartoffel

19.01.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-01-19T10:28:33Z 280 158

Ein Jahr Al-Hay-Kartoffeldöner:
Oldenburgs berühmteste Kartoffel

Oldenburg Fernsehteams waren da, haben in der kleinen holzvertäfelten Imbissstube an der Nadorster Straße gedreht. Sein Bild mit arabischen Schriftzeichen und der Deutschlandflagge im Hintergrund war in vielen Zeitungen und Magazinen zu sehen. Selbst internationale Medien berichteten über Hani Al Hay, den Oldenburger, der Kartoffeln und Döner zum Kartoffeldöner zusammenfügte. Bei Radio Bremen hat er eine eigene, kleine Sendung.

Ein Jahr ist es inzwischen her, dass der Imbisswirt die deutsch-arabische Kulinarik-Liaison erfand und damit ein wenig berühmt wurde. „Ich muss Pegida eigentlich dankbar sein“, sagt er heute. Denn Pegida hatte ihn auf die Idee gebracht: Kartoffeln statt Döner!, stand auf einem der Plakate der Demonstrationen in Dresden. „Da hat es bei mir Klick gemacht“, sagt Hani Al Hay. Er ersetzte „statt“ durch „und“ – und der Kartoffeldöner erblickte das Licht der Gastrowelt.

Sicherheit als Deutscher

Heute, ein Jahr später, hat sich für Hani Al Hay viel geändert. Ganz aktuell: Der als Kind mit seiner Familie aus dem Libanon geflüchtete Mann ist jetzt Deutscher. Seine Einbürgerungsurkunde ist vor Kurzem angekommen. „Ich denke schon lange Deutsch“, sagt er dazu. „Aber jetzt habe ich Sicherheit. Ein Auto ohne Kennzeichen kannst Du nicht fahren. Jetzt habe ich ein Kennzeichen.“ Es sei ein unbeschreibliches Gefühl gewesen – „ich habe drei Mal geweint in meinem Leben: Bei meiner Hochzeit, als ich Vater wurde – und als ich die Einbürgerung bekam.“

Aber es gab auch Ernüchterung. „Ich bin Deutscher“, fängt er an zu erklären. Aber als die Übergriffe von Köln im Fernsehen Thema waren, kam er nicht vom Bildschirm los. „Ich schaute mir alles an, bis ich zur Arbeit musste.“ Auf der Straße wichen Frauen vor ihm aus. „Ich fragte mich: Ist das Armlänge? Soll es das sein?“ Er sei sich verdächtigt vorgekommen. Wegen seines Aussehens. Obwohl er seit ewigen Zeiten in Deutschland lebt. Als Selbstständiger fleißig und erfindungsreich ist.

Gesellschafts-Krebs

Dieses Misstrauen – „das ist der Krebs unserer Gesellschaft“, sagt er. Sein Heilmittel: Kommunikation. „Wir müssen miteinander reden“, lautet sein Appell. Er sei dankbar, in diesem Land zu leben, mit seiner Sicherheit, seiner Meinungsfreiheit, seiner Zufriedenheit. „Wir müssen aufpassen“, sagt er, „dass das nicht verloren geht.“

Er selbst hat Stellung bezogen, etwa nach den Anschlägen von Paris. Eine Woche standen Kerzen und ein Plakat als stiller Protest gegen die Gewalt im Fenster seines Imbisses. Und er hat eine klare Ansage an Neuankömmlinge: „Wer hier leben möchte, muss akzeptieren, wie wir leben. Hier wird Alkohol getrunken, hier haben Schwule und Lesben alle Rechte, hier ist Religion Privatsache – das muss man akzeptieren. 80 Millionen leben so und leben so gern. Wer das ändern will, hat eine kranke Fantasie.“ Aber der Mann, der selbst Flüchtling war, warnt vor Pauschalurteilen. „Wer Frauen angrapscht, ist ein Perverser. Wer Terror will, ist wahnsinnig. Solche gibt es überall. Nicht alle Flüchtlinge sind so.“ Hani Al Hay redet nicht nur. In seiner knappen Freizeit engagiert er sich als freiwilliger Flüchtlingshelfer. „Ich bin nicht reich, habe auch nicht viel Zeit – aber was ich tun kann, tue ich.“

Der Kartoffeldöner ist ein starkes Symbol für das Zusammenleben. „Beim Essen ist Multikulti lecker“, sagte AlHay, „aber man kann nicht nur das Essen von den neuen Deutschen nehmen.“ Zusammenleben sei die Devise. Schon vor Jahren hatte der Imbisswirt Grünkohl und Döner kombiniert – was nicht erfolgreich war. „Aber ich bin Koch mit Leib und Seele“, sagt er. Und kreativ. Derzeit tüftelt er an einer Kartoffeldöner-Bratwurst. Die deutsche Wurst schlechthin mit einer arabisch-deutschen Füllung.

Kein Reichtum

Mit dem Kartoffeldöner hat Hani Al Hay noch immer größere Pläne, als ihn einer wachsenden Fanschar an der Nadorster Straße zu servieren. Die besondere Herstellungsweise mit Kartoffeln und Fleisch an einem aufrechten Spieß ist patentiert, die Marke europaweit geschützt. Bislang hat er noch keinen Partner für eine Vermarktung etwa im Einzelhandel als Fertiggericht gefunden – auch, weil er „KD“, wie er das Gericht nennt, nicht ohne die Geschichte verkaufen will, die dahintersteckt. Aber er bleibt am Ball.

Und tüftelt weiter.