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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Jubiläum: Zentrum der Flechter-Welt heißt Herzog

24.06.2011

OLDENBURG 150 Jahre am Markt, Weltmarktführer, Technologieführer bei kleinsten und größten Maschinen, ausgebombt und auferstanden, alle Wirtschaftskrisen überlebt: Die Flechtmaschinenfabrik Herzog hätte viele Gründe zum Feiern. Aber: „Wir schauen immer nach vorn“, sagt Dr. Janpeter Horn (46), einer von drei Chefs des Unternehmens aus Ofenerdiek. Und so gibt es zwar an diesem Freitag eine Kundenveranstaltung und eine kleine Feier mit den Mitarbeitern, aber innehalten? Fehlanzeige. Die Vorbereitung für die Messe in Barcelona läuft auf Hochtouren. „Als Weltmarktführer“, sagt Horn, „läuft man an der Spitze – aber den Atem der Konkurrenz spürt man immer im Nacken.“

Den Atem der Geschichte eher nicht. Wer mit Horn, Guido Grave (38) und Swantje Horn (44) spricht – sie bilden die Geschäftsführung – , landet schnell in der Gegenwart, wenn nicht gleich in der Zukunft. Ausruhen auf dem Erreichten gilt nicht; „es gab eine Phase in der Unternehmensgeschichte“, sagt Janpeter Horn, „da hat Herzog als Weltmarktführer Maschinen nicht verkauft, sondern zugeteilt. Das ist lange her, war aber gar nicht gut.“ Heute sowieso undenkbar. Horn ist nicht ohne Grund 120 Tage im Jahr im Ausland. Die Kunden wollen besucht werden. Und sind weit weg.

Aber es sind viele. Und viele verschiedene. „Niemand in der Branche“, sagt Guido Grave, „ist im Angebot so breit aufgestellt wie wir.“ Herzog hat nicht nur (immer wieder) die größte Flechtmaschine der Welt entworfen, gebaut und ausgeliefert (die letzte Rekordmaschine für Trossen, die Bohrinseln am Platz halten), sondern ist auch im Mikrobereich zu Hause – etwa mit einer Maschine, die aus Kunststoff-Fasern „Neurostents“ flechtet: winzige Adern, die defekte Blutgefäße im menschlichen Gehirn ersetzen.

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Herzog-Maschinen flechten bei den Kunden Kunstfasern, Draht, Kohlefasern und Naturgarne – zu Tauen, Trossen, Netzen, zu Bauteilen für Autos und Flugzeuge und für Anwendungen in der Medizintechnik. Aber, klärt Swantje Horn ein immer wieder auftretendes Missverständnis auf: „Wir flechten nicht, wir bauen Flechtmaschinen“. Obgleich Missverständnisse in der Familiengeschichte durchaus eine positive Rolle spielten: Als August Günter Herzog im Zweiten Weltkrieg eingezogen werden sollte, „rettete“ ihn ein solches. Die Reichswehrbeamten in Berlin lasen, dass Herzog Maschinen für „Panzerungen“ herstellt. Das ließ sie an kriegswichtige Produktion denken: Herzog blieb im Unternehmen. Wohlweislich verschwieg der, dass in der Welt der Flechter „Panzerung“ für Ummantelungen von Schläuchen und Leitungen steht . . .

Draußen in der Welt weiß man heute genau, was Herzog tut. Nicht immer zur Freude der Oldenburger. Angesichts der Technologie-Führerschaft ist es kein Wunder, dass draußen in der Welt viele Kopisten sitzen. Die größten Abgucker sitzen in Spanien und Taiwan. Läufer Horn nimmt’s sportlich: „Wir müssen einfach besser sein.“ Dann zögert er – und sagt es doch; „Wir alle bei Herzog sind technikbegeistert.“ Das sei ja heute nicht mehr so angesagt, fügt der gelernte Banker und promovierte Jurist nahezu entschuldigend hinzu.

Doch Ingenieur Guido Grave schüttelt den Kopf – er sieht die Begeisterung rein positiv. Und hat ein Beispiel parat. Eine Eigenentwicklung habe es möglich gemacht, aus einem geflochtenen Schlauch zwei zu machen – das muss man sich vorstellen wie ein Y. Gebraucht wurde die Maschine für die Herstellung von sich verzweigenden Kunstarterien. Die Idee aber entpuppte sich als vielfach nutzbar: Ein Hersteller von Sicherungsseilen für Industriekletterer war begeistert, weil sich mit dem Y-Seil eine Zweipunkt-Sicherung mit nur einem Seil realisieren ließ. Beispielsweise beim Entrosten des Eiffelturms.

Die zielorientierten Tüftler und präzisen Maschinenbauer bei Herzog haben Tradition. Schon 1953 lieferte das Unternehmen eine Maschine ab, bei der die Zahnräder des Antriebs in einem Ölbad liefen – eine Premiere. Inzwischen setzen auch Unis und Weltkonzerne auf diese Fähigkeiten. Mit Daimler und der Uni Aachen wurden Technologien entwickelt, um Auto-Teile zu flechten. Flugzeugbau, Medizintechnik: „Das ist schon eine kleine Revolution in der Flechttechnik“, sagt Guido Grave. Und Herzog immer mittendrin.

Und natürlich die Mitarbeiter. 125 sind es heute, im Krisenjahr 2009 fiel die Zahl unter 100, viele, die damals von Bord gehen mussten, sind heute wieder dabei. Die Unternehmensleitung bemühte sich, so viele Mitarbeiter wie möglich an Bord zu halten, stellte mehr Bauteile selbst her als zuvor (im Schnitt liegt die Fertigungstiefe bei 65 Prozent), und so traurig es klingt, „als Maschinenbauer haben wir Erfahrung mit Krisen“, sagt Janpeter Horn, und Guido Grave ergänzt: „Wir haben keine Shareholder im Rücken. Wir können die Dinge langfristiger angehen.“

Swantje Horn, zuständig für Finanzen und Personal, erklärt es so: „Wir sind ein Familienunternehmen. Das Wort besteht aus Familie und Unternehmen“. Die Betonung liegt – auf dem „Und“.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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